APA - Austria Presse Agentur

Gros der Lehrer getestet, Gros der Schüler in Klasse zurück

07. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Der überwiegende Teil der Lehrer und Kindergartenpädagogen hat am Wochenende an den Corona-Massentest teilgenommen. In jenen sechs Bundesländern, die eigene Testtage für diese Berufsgruppen reserviert haben, haben sich 72 Prozent testen lassen. 0,24 Prozent bzw. rund 300 davon waren laut Antigentest positiv. Am Montag durften unterdessen die rund 700.000 Schüler der Volks- und Mittelschulen sowie AHS-Unterstufen nach drei Wochen Distance Learning wieder in die Klassen zurück.

"Das ist mehr als ein respektabler Wert, man kann auch sagen, das ist ein großartiger Wert", kommentierte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) die rege Testteilnahme am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bundesheer, das die Abwicklung der Massentests mit mehr als 5.000 Soldaten und Zivilbediensteten unterstützt hat. Noch nicht in den Zahlen enthalten sind die Schul- und Kindergartenmitarbeiter aus Wien, Tirol und Vorarlberg, wo diese bei den generellen Massentests "mitgetestet" wurden bzw. werden.

Wie viele Lehrer über alle Bundesländer hinweg am Test teilgenommen haben, wird man laut Faßmann nach dem Ende der Massentests in Wien am 13. Dezember wissen. Der Anteil an positiv Getesteten ist schon jetzt mit 0,24 sehr gering im Vergleich zur letzten Dunkelzifferstudie mit 3,1 Prozent. Nachdem die Bestätigung der positiven Befunde beim Lehrer-Massentest durch PCR-Tests noch aussteht, dürfe dieser Wert noch weiter sinken. Allerdings fand die Dunkelzifferstudie am Höhepunkt der zweiten Welle und der Lehrertest nach dem Lockdown statt, so Faßmann.

Er kündigte für Jänner jedenfalls weitere Testungen an. Ob es sich dabei erneut um Massentests oder um spezifische dezentrale Testungen handeln wird, sei noch nicht entschieden. "Aber Testen wird für eine virusrobuste Schule zur Normalität werden." Für die SPÖ sind weitere Testungen auf jeden Fall notwendig, um offene Schulen und Kindergärten langfristig sicherzustellen. Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid wiederholte per Aussendung ihre Forderung nach zumindest wöchentlichen Tests von Pädagogen. Durch einen Einsatz neu entwickelter Corona-Heimtests wäre zudem "ein normaler Schulbetrieb in unmittelbarer Griffweite". Auch die NEOS forderten per Aussendung, dass die Testungen "keine einmalige PR-Geschichte bleiben" dürften.

Unterdessen hat am Montag an jenen Volks- und Mittelschulen sowie AHS-Unterstufen, die am heutigen Zwickeltag keinen schulautonomen Tag festgelegt haben, nach drei Woche Fernunterricht der Präsenzunterricht wieder begonnen. Auch Schüler der Abschlussklassen von Berufsschulen, AHS-Oberstufen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) dürfen ins Klassenzimmer zurück, sie hatten bereits seit den Herbstferien keinen Präsenzunterricht mehr.

Vor Ort gelten nun strengere Regeln: Außer an Volks- und Sonderschulen gilt Maskenpflicht auch während des Unterrichts, und zwar auch für die Lehrer. Faßmann verteidigte die zuletzt auch von Elternvertretern kritisierte Verpflichtung zu Mund-Nasen-Schutz: "Es ist ein gelinderes Mittel, damit wir einen Präsenzunterricht wieder durchführen können." Er vertraue außerdem darauf, dass die Lehrer hier mit Sensibilität und Sachverstand vorgehen werden, die Regelung solle nicht auf Biegen und Brechen umgesetzt werden.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen: Damit das Einhalten von Abständen erleichtert und eine Durchmischung von Schülergruppen vermieden wird, dürfen Direktionen oder Schulbehörden den Unterrichtsbeginn sowie die Pausenzeiten staffeln. Im Sport darf nur im Freien oder bei geringer Anstrengung Bewegung gemacht werden, im Musikunterricht sind Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten verboten. Vorerst wenig genutzt wird laut bisherigen Rückmeldungen die Möglichkeit, dass Schulen den Unterricht in nahegelegene Ausweichquartiere verlegen, um die Abstandsregeln besser einhalten zu können.

Zurückhaltung ist nach dem Neustart des Schulbetriebs auch bei Schularbeiten und Tests angesagt: In diesem Semester darf es nur mehr in jenen Fächern eine Schularbeit geben, in denen noch keine stattgefunden hat. Auch Tests dürfen nur mehr dann durchgeführt werden, wenn durch keine andere Form der Leistungsfeststellung wie etwa Mitarbeit eine sichere Beurteilung möglich ist.

Eine Rückkehr der Oberstufen sei aus gesundheitspolitischen Gründen leider nicht möglich gewesen, verwies Faßmann auf die hohen Infektionszahlen unter älteren Jugendlichen. Allerdings dürften immerhin die Abschlussklassen zurück und die übrigen Klassen der Sekundarstufe II und der Berufsschulen könnten zumindest für die Schularbeiten und deren Vorbereitung in kleineren Gruppen in die Schulen zurückgeholt werden. "Es ist klar, dass die Oberstufe im neuen Jahr wieder in die Präsenzlehre kommen soll", betonte Faßmann. "Sie besitzt für mich eine hohe Priorität."

Aus den Schulen und von Elternvertretern kam am Montag unterdessen die Forderung nach tatsächlich praktikablen Lösungen, mehr Einbeziehung der Betroffenen und weniger Leistungsdruck angesichts der besonderen Situation.

Quelle: Agenturen