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Getötete Escort-Dame: Polizei fuhr zu falscher Adresse

01. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Im Fall rund um die Tötung einer 23-jährigen Escort-Dame vor einer Woche in Ternberg (Bezirk Steyr-Land) war die Polizei, die in der Kritik steht, erst spät auf Anrufe besorgter Angehöriger bzw. Freunde des Opfers reagiert zu haben, zunächst bei der falschen Adresse.

Das bestätigte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Oberösterreich der APA. Die Anrufer hätten wiederholt von Haus Nummer 8 gesprochen, tatsächlich sei das Opfer später im Haus Nummer 9 gefunden worden.

Unklar, wo Frau hinbestellt wurde

Dass der mutmaßliche Täter - wie die "Kronen Zeitung" in ihrer Samstag-Ausgabe berichtete - die Frau via Internet zunächst in eine andere Wohnung beordert habe, konnte der Polizeisprecher nicht bestätigen: "Das ist noch Gegenstand von Ermittlungen." Die Wohnungen würden in der Straße nebeneinander liegen, sagte Andreas Pechatschek, Sprecher der Staatsanwaltschaft Steyr, am Samstag zur APA. Wo die Frau hinbestellt wurde, könne er derzeit nicht sagen. Dass die Polizei zunächst zur falschen Adresse gefahren sei, wäre "aktenkonform".

Kein strafrechtliches Fehlverhalten

Angesichts der Vorwürfe habe die Landespolizeidirektion Oberösterreich eine interne Überprüfung des Einsatzes in Ternberg veranlasst, sagte ein Sprecher der Polizei. Es habe sich kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der Polizisten der Dienststelle Steyr-Land ergeben. Gleichzeitig sei auch das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) mit einer Untersuchung beauftragt worden.

Man habe alle Daten übermittelt, um die Vorwürfe zu klären. Grundsätzlich wäre die Amtshandlung aus mehreren Gründen schwierig gewesen. Milieubedingt gebe es wenig Vertrauen in die Polizei, die Hinweise, dass eine Frau abgängig sei, wären über Personen aus Rumänien erfolgt. Dabei habe es Sprachprobleme gegeben.

Angehörige und Freunde sorgten sich

Jener Mann, der die Frau laut bisherigen Ermittlungsergebnissen am vergangenen Samstag um 20.22 Uhr vor dem Haus des mutmaßlichen Täters abgeliefert hatte, gab in seiner Einvernahme an, er habe dort einige Zeit gewartet. Dann sei er gefahren. Schreie oder Ähnliches habe er nicht gehört. Allerdings hätten nach einiger Zeit Angehörige und Freunde des Callgirls bei der Polizei angerufen haben, weil sie sich Sorgen machten.

Polizei fuhr zur besagten Hausnummer

Die Landespolizeidirektion Oberösterreich stellte klar, man habe nach jeder Anzeige unverzüglich reagiert. Die Streifen seien mehrmals zu der angegebenen Adresse gefahren. Allerdings sei in allen Anzeigen immer das Dachgeschosses des Hauses Nummer 8 genannt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Anrufer hätten gesagt, eine Frau, die mit einem Bekannten unterwegs wäre, sei abgängig. Man sei diesen Hinweisen umgehend nachgegangen.

Die Wohnung des mutmaßlichen Täters wurde erst Sonntagnachmittag von der Cobra gestürmt. Da war die Frau bereits tot. Laut Gerichtsmedizin ist sie zwischen Samstagabend und Sonntagmittag gestorben. Die Obduktion ergab massive Gewalteinwirkung.

Escort-Dame in andere Wohnung geführt

Wie die "Krone" berichtete, sei die Polizei nach den ersten Anrufen am Samstag wohl zu der Adresse gefahren, an der der Chauffeur die Escort-Dame abgeliefert hatte. Allerdings habe der mutmaßliche Täter die 23-Jährige zwar an diese Adresse bestellt, sie dann aber erst in seine eigene Wohnung umdirigiert. Der Aufpasser vor dem Haus habe das offenbar nicht bemerkt.

In der Nacht habe es weitere Anrufe bei der Polizei gegeben, das Gebäude sei mehrmals gecheckt worden. Die verletzte oder möglicherweise auch bereits tote Frau lag aber in der nahe gelegenen Wohnung des mutmaßlichen Täters.

Äußerst brutale Vorgangsweise

Der mutmaßliche Täter, ein bisher unbescholtener 34-Jähriger, soll laut Obduktionsgutachten äußerst brutal gegen die Frau vorgegangen sein und sie schwer misshandelt haben. Die Frau erstickte demnach an Blut und Erbrochenem, ihr Körper wies Spuren massiver Gewalteinwirkung auf.

Der 34-Jährige behauptet, er habe die Frau in Streit geschlagen. Er will, wie sein Verteidiger Andreas Mauhart der "Krone" sagte, vor der Tat 26 Halbe Bier getrunken haben - allerdings wurde er erst einen Tag später festgenommen. Mauhart bestreitet auch, dass sein Mandant absichtlich eine falsche Adresse angegeben habe und schiebt das auf den Rausch des Mannes.

Der Psychologe Barnabas Strutz sagte im Gespräch mit der "Krone", er halte die 26 Halbe Bier eher für eine Schutzbehauptung. Die Brutalität der Tat spreche - basierend auf den bisherigen Berichten - für "einen tief sitzenden Frauenhass und ein psychopathisches Verhalten". Klären soll das ein psychiatrischen Gutachten von Adelheid Kastner im Auftrag der Staatsanwaltschaft Steyr.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp