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Flugzeugentführung in der Luft und am Boden geübt

13. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Mit einem Großaufgebot der Einsatzkräfte ist am Donnerstag die erste behördenübergreifende Notfallübung zur Auflösung einer versuchten Flugzeugentführung abgehalten worden. Angenommen wurde ein terroristischer Angriff in der Luft. Drei mit Messer bewaffnete Attentäter sollten für die Übung einen A320-Airbus der Austrian Airlines in ihre Gewalt bringen. Air-Marshals des Einsatzkommandos Cobra/DSE, Eurofighter des Heeres und internationalen Sondereinheiten waren im Einsatz.

Für die Übung im Rahmen des EU-Projekts "Enhancing In-Flight Security" stellte sich folgendes Szenario dar: Drei mit Messer bewaffnete Männer töteten einen Passagier des voll besetzten Airbusses und verletzten einen weiteren schwer. Der Flieger, der real gegen 11.00 Uhr in die Luft ging, befand sich gerade südlich von Linz, als die Übung los ging. Alle an Bord befindlichen Personen waren darüber informiert. An Bord des Flugzeugs befanden sich für die Flugsicherheit zwei Air-Marshals, die noch in der Luft die Terroristen überwältigten.

Gleich nachdem der Pilot und sein Co-Pilot die Gefahrensituation an die Fluglotsen der Austro Control weiter gegeben hatten, starteten zwei Eurofighter des österreichischen Bundesheeres. 20 Minuten später waren die aus Zeltweg stationierten Abfangjäger bei der zu Übungszwecken entführten Maschine, machten sich einen Überblick über die Situation an Bord und eskortierten das Passagierflugzeug wieder zum Flughafen Wien Schwechat zurück. Neben der Cobra gingen auch Kollegen der Spezialeinheit Lynx aus der Slowakei und Urna aus Tschechien am Flughafen in Position. "Das Szenario wurde deshalb so gewählt, weil die beiden die unmittelbaren Nachbarländer sind", sagte Oberst Rainer Wintersteiger von der Cobra. Rund 40 Personen der Spezialeinheiten sicherten am Ende das Flugzeug und führten den Zugriff durch. Nach eineinhalb Stunden konnten die "Terroristen" ausgeschaltet werden.

Air-Marshals reisen mit fiktiven Identitäten und tragen Pistolen, die gut verborgen sind. Im Ernstfall sind sie, weil in einem Flugzeug niemand mehr zur Unterstützung gerufen werden kann, auf sich allein gestellt. Sie werden laut Cobra in der Regel im Rahmen eines "Drei-Säulen-Modells" herangezogen: bei gefährdeten Destinationen, aufgrund aktueller Warnungen und nach einem Zufallsprinzip, wo alle österreichischen Fluglinien rotierend von Polizisten begleitet werden. Grundsätzlich sind täglich Teams in der Luft, genaue Zahlen wurden von Wintersteiger auf Nachfrage nicht genannt.

Die Übung am Donnerstag war das Highlight eines fünftägigen Kommunikations- und Koordinations-Workshops, der noch bis Freitag stattfindet. Spezialeinheiten aus 13 weiteren Nationen, unter anderem aus den USA, aus Kanada, Australien, Deutschland und der Schweiz waren mit dabei. "Das ist europaweit die erste Übung dieser Art", sagte Cobra-Direktor Bernhard Treibenreif zur APA. Jetzt werde eine Übungsnachbereitung gemacht und Nachbesserungen würden auch international kommuniziert. Treibenreif zeigte sich kurz nach der letzten Übung am Donnerstag zufrieden.

"Internationale Bedrohungsbilder brauchen internationale Zusammenarbeit", sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) im Anschluss. Neben dem Innen- und Verteidigungsministerium waren auch der Flughafen Wien, die Austro Control und die Austrian Airlines involviert. Die Übung sei "höchst erfolgreich, höchst effizient und höchst professionell" durchgeführt worden. "Auch wenn wir keine aktuelle Bedrohung sehen, ist es notwendig, dass wir uns mit latente Bedrohungen, denen wir uns immer wieder gegenüber stehen, auseinandersetzen. Und möge der Ernstfall nie eintreten", meinte Karner.

Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sprach von einer "beeindruckenden Live-Übung". "Diese Abfangübung zeigt, wie gut das Zusammenwirken der Kräfte des Innenministeriums, der Austro Control, den Flughäfen und dem Bundesheer für die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher funktioniert", sagte Tanner. "Der Eurofighter ist eine wichtige Komponente der Luftraumüberwachung", so die Ministerin. "Mit dem neuen Budget wird eine zeitgemäße Luftraumüberwachung, durch eine Erweiterung und Modernisierung zum Schutz Österreichs sichergestellt." Das bedeute auch die Erschließung der Aufrüstung der Eurofighter "von allen Fähigkeitslücken", sagte die Verteidigungsministerin.

Quelle: Agenturen