Klenk über Prozess gegen den "Ibiza-Detektiv": "Kafkaesk"

15. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Für Mittwoch wurde im Drogenprozess gegen Julian Hessenthaler – auch bekannt als "Drahtzieher" hinter dem Ibiza-Video – ein Urteil erwartet, das sich allerdings wegen fehlender Verfahrenshilfe verzögert. Florian Klenk, Chefredakteur des "Falter", hat die gesamte Verhandlung begleitet und spricht im PULS 24 Interview über die Hintergründe.

Der Prozess gegen den als "Ibiza-Detektiv" bekannt geworden Julian Hessenthaler hätte am Mittwoch, dem fünften Tag der Schöffenverhandlung in St. Pölten, enden sollen. Das Urteil verzögert sich jedoch wegen fehlender Verfahrenshilfe. 

Der Angeklagte bestreitet die Anschuldigungen, seine Verteidiger sprachen von konstruierten Vorwürfen. Er wird von zwei Zeugen belastet, deren bisherige Aussagen einander teilweise widersprechen.

Der Privatdetektiv soll laut Staatsanwaltschaft 2017 und 2018 insgesamt 1,25 Kilo Kokain mit einem Reinheitsgehalt von zumindest 70 Prozent nahe der niederösterreichischen Stadt Haag (Bezirk Amstetten), in Salzburg und Oberösterreich zu einem Grammpreis von 40 Euro an einen Bekannten übergeben haben. Damit soll Hessenthaler der Anklage zufolge Schulden beglichen bzw. seine triste finanzielle Situation aufgebessert haben. 

Bis zu 15 Jahre Haft

Das bestritt der Betroffene. Im Fall eines Schuldspruchs drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Vom Ibiza-Video zu Drogen-Vorwürfen

"Falter"-Chefredakteur Klenk erklärt im PULS 24 Gespräch, dass Hessenthaler eigentlich wegen seiner Beteiligung an der Erstellung des Ibiza-Videos polizeilich gesucht wurde. Es stellte sich für die Behörden allerdings sehr schnell heraus, dass er diesbezüglich nur für die Delikte der verbotenen Tonaufnahme und Urkundenfälschung belangt werden hätte können.

Dies hätte es den Behörden nicht erlaubt "polizeiliche Überwachungsmaßnahmen einzuleiten", so Klenk. Erst durch die Ermittlungen wegen Erpressung – und das obwohl sich laut Klenk weder der damalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache und der damalige Klubobmann Johann Gudenus (beide FPÖ) "erpresst gefühlt hatten" – konnte man eine Überwachung gegen Hessenthaler "starten". So wurde auch der Belastungszeuge Slaven K. bei einem Drogendeal abgehört und festgenommen.

K. ist es erst nach seiner Verurteilung und nach mehrfachen Aussagen eingefallen, dass ihm Hessenthaler Drogen verkauft hätte. Die Lebensgefährtin von K. behauptet ebenfalls, dass sie von Hessenthaler Drogen erhalten habe. Erst dadurch kam das aktuelle Verfahren gegen Julian Hessenthaler ins Rollen. 

Zu Beginn dachte Klenk noch, dass die Verhandlungen mehr hervorbringen würden als die Aussagen von "zwei windigen Zeuginnen und Zeugen".  Laut Klenk gibt es viele Widersprüche zu Details in den Aussagen der Zeugen. Viele Dinge hätten sie bei der Polizei anders formuliert. Klenk gibt zu bedenken, dass niemand weiß, ob Hessenthaler wirklich Drogen verkauft hatte – man habe keine Drogen und kein Geld bei ihm gefunden.

"Kafkaeske" Vergleiche

Hinzu komme, dass die Lebensgefährtin von K. vor dem Prozess insgesamt elf Mal verhört worden sei. Erst vor Gericht kam heraus, dass sie eigentlich einen Dolmetscher bräuchte, da sie sehr schlecht Deutsch spreche und aufgrund ihrer Suchterkrankung unter psychischen Problemen leide. "Sie hat Wahnvorstellungen und bilde sich Sachen ein", führt Klenk aus.

Was für Klenk allerdings eindeutig festgestellt wurde und man nun weiß, ist, dass der Hauptbelastungszeuge Slaven K. von einem Novomatic-Lobbyisten "zigtausende Euros" erhalten habe. Für Klenk muss das Gericht nun eine Frage beantworten: "Warum hat dieser Mann so viel Geld bekommen?". 

"Kafkaesk" sei es für Klenk auch, dass es von Seiten des Gerichts heißt, der Umstand, dass sich die Zeugen widersprechen eher "für die Zeugen spricht" – dies sei nämlich in Drogenverfahren üblich.

Klenk hofft auf "fairen und rechtsstaatlichen" Prozess 

Die Anwälte bestehen auf die Einvernahme der Mutter des Hauptbelastungszeugen – eine betagte Frau aus Serbien. Die Befragung zu einer möglichen Bedrohung kam jedoch nicht zustande. Eine Verbindung kam nicht zustand. Die Frau selbst gibt an, dass Hessenthaler sie nicht bedroht habe. Laut Klenk sehen Experten die Einladung der Mutter als Indiz dafür, dass es "eher in Richtung Schuldspruch" gehe.

Klenk hält es für wichtig, dass im Zweifel die Schöffenrichter und der Berufsrichter für einen Freispruch stimmen: "Ich hoffe es bleibt ein fairer und rechtsstaatlicher Prozess".

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj