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Finnland: Hunde gegen die ewige Dunkelheit

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Der erste Stopp des "Europa Expresses" war in Finnland. Während hier im Jänner die Sonne nur wenige Stunden pro Tag scheint, geht sie Ende Mai praktisch nicht mehr unter. Wie geht man damit um, wenn man es nicht gewohnt ist? Und wieso helfen gerade Hunde?

22 Uhr und die Sonne steht so hoch am Himmel, als wäre es Mittag. Ohne einen Blick auf die Uhr, wäre es unmöglich festzustellen, wie spät es ist.

"Manchmal komme ich drauf, es ist Mitternacht und ich habe noch nicht gegessen", erzählt Viktoria uns, als wir sie im Rahmen vom "Europa Express" treffen. Sie ist aus Niederösterreich, macht aber im finnischen Rovaniemi gerade ein Erasmus-Semester. 

Gemeinsam mit Freund:innen picknickt sie am Strand - bis spät in die Nacht. An diesem Tag ist es nämlich auch noch außerordentlich warm, in der Sonne hat es um die 22 Grad; manch einer sitzt sogar in Bikini oder Badehose da, auch wenn das ein wenig frisch ist.

Unterwegs mit dem Snowmobile

Am Fluss fahren kleine Boote, nichts lässt erahnen, dass hier bis vor wenigen Wochen alles komplett zugefrorenen war. Zu der Zeit waren dort Snowmobiles unterwegs, Viktoria war mit einer Freundin auf dem Fluss Eislaufen - das ist Ende Mai schwer vorstellbar.

Für Finnland gehört das aber dazu: Es schlägt von einem Extrem ins andere. Im Jänner geht die Sonne in Rovaniemi erst um etwa zehn Uhr auf und bereits um 15 Uhr wieder unter.

"Wir haben viel geschlafen", meint Viktoria dazu, wie man dann die Zeit verbringt. Hinzu kommt eine eisige Kälte, bis zu -30 Grad kann es haben. Wenn man dann hinausgeht, bilden sich Eiskristalle an den Wimpern. Die Finn:innen stört das wenig, sie fahren sogar dann mit dem Fahrrad, wird uns erzählt.

Hunde gegen die Dunkelheit

Damit man im Winter trotzdem einen Grund hat hinauszugehen, haben viele Menschen Hunde - und zwar gleich zwei, so Viktoria. Tatsächlich beobachten wir viele vierbeinigen Begleiter, auch Cyril aus der Schweiz hat zwei Schäferhunde.

Chico, der hellere und ältere von beiden, dreht nur kleine Runden um uns, als wir ihn treffen. Die jüngere Mila hingegen wirkt noch wie ein Welpe, dabei ist sie sechs Jahre alt.

Sie ist sichtlich davon begeistert, dass ihr Herrchen viel in der Natur unterwegs ist. Cyril betreut die Skischanze in Rovaniemi, vor knapp zwei Jahren hat es ihn nach Finnland verschlagen.

Klare Strukturen und Tape

Um mit den Extremen umzugehen, hat er vor allem einen Tipp: "Man braucht eine fixe Struktur." 

Er legt klare Schlafenszeiten fest, damit er nicht die ganze Nacht wach ist. Zudem klebt er seine Fenster ab, sodass kein Licht eindringen kann. Sogar den Feuermelder hat er mit Tape verdeckt - nichts soll ihn am Schlafen hindern.

Komplett dunkel ist es auch im Winter nicht immer. Der Schnee reflektiert bei Mondschein, blendet so sehr, dass man davon sogar Migräne bekommen kann, sagt Cyril.

Video: Erasmus in Finnland

Trotzdem dürfte man im Sommer weniger schlafen, die Student:innen sind nach unserem Treffen noch auf dem Weg zu einer Party. Man merkt, dass das Land wieder erwacht, auf jeder Terrasse sonnen sich die Leute und auch als es abends deutlich kühler wird, sitzen Menschen noch draußen.

Ganz sind die Spuren des Winters aber noch nicht verschwunden. Im hohen Norden, in Nuorgam, treibt noch Eis auf den zahlreichen Seen - manche sind sogar Ende Mai noch beinahe komplett zugefroren.

ribbon Zusammenfassung
  • Der erste Stopp des "Europa Expresses" ist in Finnland.
  • Während hier im Jänner die Sonne nur wenige Stunden pro Tag scheint, geht sie Ende Mai praktisch nicht mehr unter.
  • Wie geht man damit um, wenn man es nicht gewohnt ist?
  • Und wieso helfen gerade Hunde?