APA - Austria Presse Agentur

Fall Leonie: Vierter Verdächtiger wird ausgeliefert

12. Jan 2022 · Lesedauer 3 min

In London fiel die Entscheidung, den vierten Tatverdächtigen im Fall Leonie auszuliefern. Dem 23-Jährigen wird vorgeworfen, am Tod der im Juni 2021 in Wien-Donaustadt getöteten 13-Jährigen beteiligt gewesen zu sein.

Gegen ihn und zwei weitere Beschuldigte wird hierzulande wegen Vergewaltigung mit Todesfolge ermittelt. Der zum Tatzeitpunkt 22-Jährige war quer durch Europa nach England geflohen. Ende Juli wurde er in einem Londoner Hotel festgenommen und befindet sich seitdem in Auslieferungshaft.

Überdosis Ecstasy

Die 13-Jährige aus dem niederösterreichischen Bezirk Tulln soll den bisherigen Ermittlungen zufolge am 25. Juni den jüngsten Verdächtigen am Wiener Donaukanal getroffen haben, wo sie Ecstasy verabreicht bekommen haben soll. Dann soll sie vom dem vorgeblich 16-Jährigen sowie dem 22 Jahre alten Afghanen in die Wohnung des 18-Jährigen gebracht worden sein wohin sich auch der vierte Verdächtige begab. Dort wurden dem Mädchen angeblich weitere Drogen verabreicht. Eine toxikologische Untersuchung hatte ergeben, dass das Mädchen eine Überdosis MDA (Methylendioxyamphetamin) erhalten hatte, dazu wurden Spuren mehrerer Amphetaminderivate sowie von THC (Cannabis) nachgewiesen.

Mehrfache Vergewaltigung 

Mindestens zwei der vier Männer sollen sie vergewaltigt haben. Der damals 22-Jährige und zwei weitere junge Männer - sie waren zum Tatzeitpunkt 16 beziehungsweise 18 Jahre alt - gelten als Hauptverdächtige. Ihre DNA-Spuren wurden auf dem Körper der Getöteten gefunden. Außerdem wurden Male entdeckt, wie sie bei einem Erstickungsvorgang, einer Brustkorbkompression oder aber auch bei einem Würge-Angriff zustande kommen. 

Als die 13-Jährige das Bewusstsein verlor, wurden die Männer nervös. Die Verdächtigen dürften ihr Milch und Joghurt eingeflößt und sie unter eine Dusche gehalten haben. Doch der junge Teenager zeigte keine Lebenszeichen mehr. Sie sollen das Mädchen daraufhin in einen Teppich gewickelt und auf einem Grünstreifen an einen Baum gelehnt haben. Passanten entdeckten am nächsten Morgen die Leiche.

Auslieferung binnen 17 Tagen

"Die Auslieferungsentscheidung ist nicht rechtskräftig", gab Florian Höllwarth, der Anwalt der Eltern der Getöteten, bekannt. Der 22-Jährige habe sieben Tage Zeit, um dagegen Rechtsmittel einzubringen. An sich habe die Auslieferung dem am Mittwoch gefassten Spruch zufolge binnen 17 Tagen zu erfolgen, meinte Höllwarth.

Höllwarth gab sich gegenüber der APA überzeugt, dass es zeitnahe zu einer Anklageerhebung gegen die Verdächtigen kommen wird. Gegen einen vierten Mann, der zunächst mit dem Fall in Verbindung gebracht worden war, wird aktuell nicht mehr ermittelt. Er sitzt aber wegen anderer Delikte in Strafhaft.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam