APA - Austria Presse Agentur

Experten rechnen mit 280 Intensivpatienten in zwei Wochen

08. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Das Covid-Prognose-Konsortium warnt: Durch den weiter steigenden Trend bei den Neuinfektionen steigt auch die Zahl der Intensivpatienten weiterhin stark an.

Sollte sich dieser Trend nicht "bald umdrehen", steigt die Wahrscheinlichkeit des Erreichens der kritischen Auslastungsgrenze zunehmend an, warnen die Experten. Laut deren Einschätzung werden in zwei Wochen 100 weitere Patienten auf Intensivstationen liegen.

Die Experten prognostizieren für den 22. September 281 Schwerkranke, dazu kommen 724 Patienten auf Normalstationen. Somit würden dann wieder mehr als 1.000 Covid-19-Infizierte im Spital liegen.

Intensivmediziner: Zwei Wochen vom Maßnahmen-Beginn bis zu Besserung auf Station

Christoph Hörmann, der Leiter der Intensivmedizin am Universitätsklinikum St. Pölten, spricht im PULS 24 Interview über die "rasend schnelle" Auslastung der Intensivstationen.

Heute 180 Patienten, am Samstag über 200

Am heutigen Mittwoch benötigten österreichweit bereits 180 Covid-19-Infizierte intensivmedizinische Versorgung. Bereits am Samstag, dem 11. September, werden es laut der Prognose mehr als 200 sein. Die Experten erwarten an diesem Tag 201 Schwerkranke. Der heute verkündete Stufenplan der Regierung sieht für Stufe 1 - zehn Prozent der Intensivbetten belegt bzw. 200 Intensivpatienten - erste strengere Maßnahmen vor. Dies tritt aber erst am 15. September in Kraft, Grundlage dafür ist laut Gesundheitsministerium die ursprüngliche Prognose, die eben eine Überschreitung der 200 belegten Intensivbetten erst für kommenden Mittwoch vorgesehen hat.

Worst-Case in zwei Wochen: 910 Fälle

Die Auslastung der Intensivstationen wird in den kommenden zwei Wochen laut den Experten auf 13,7 Prozent der gemeldeten Gesamtkapazität an Erwachsenen-Intensivbetten steigen. Am 22. September werden somit 281 Schwerkranke erwartet, im schlechtesten Fall sogar 349. Auf Normalstationen mussten am heutigen Mittwoch bereits 465 Covid-19-Patienten betreut werden. In zwei Wochen werden es laut den Experten 724 sein, im Worst-Case-Szenario sogar 910. Am Dienstag lag die Auslastung aller für Covid-Patienten nutzbare Intensivbetten laut den Ländern bereits bei 25,5 Prozent.

Sind mehr als ein Drittel der insgesamt verfügbaren Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, treten diese in Konkurrenz mit anderen intensivpflichtigen Patienten. Diese Schwelle bedeutet ein sehr hohes Systemrisiko. In Oberösterreich und Wien kann dieses Worst-Case-Szenario mit einer Überschreitung der 33-Prozent-Grenze am 22. September "nicht gänzlich ausgeschlossen werden", warnten die Experten.

Herbstwelle viel schneller als im Vorjahr

Die nunmehrige vierte Welle nimmt viel schneller an Fahrt auf als die Herbstwelle vor einem Jahr. Am heutigen Mittwoch wurden erstmals seit April wieder mehr als 2.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Prognose geht weiterhin von rund 2.000 Fällen pro Tag aus. Bereits kommenden Mittwoch erwarten die Experten eine Sieben-Tages-Inzidenz von 160 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Spannbreite in den einzelnen Bundesländern reicht von einer Inzidenz von 99 in der Steiermark bis 233 in Wien.

Die mit Schulbeginn durchgeführten Testungen deuten laut den Experten auf keinen signifikanten Anstieg bei den schulpflichtigen Kindern hin. Allerdings betonen die Wissenschafter, dass die epidemiologischen Auswirkungen der Durchmischung der Kontaktnetzwerke nach dem Sommer, also in der Schule, Arbeit oder auch durch Reiserückkehrer sich erst in den nächsten Wochen verstärkend auf das Fallgeschehen auswirken werden.

Intensivmediziner erfreut über neue Maßnahmen

Die Intensivmediziner begrüßen das Vorhaben der Bundesregierung, die sich im Kampf gegen die vierte Corona-Welle mit zusätzlichen Maßnahmen an der Auslastung der Intensivstationen mit Covid-Patientinnen und -Patienten orientieren will. "Wir haben seit Beginn der Pandemie darauf hingewiesen, dass die Entwicklung auf den Intensivstationen ein zentraler Kennwert für das Ausmaß der Krise ist", meinte ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder am Mittwochnachmittag.
 

Quelle: Agenturen