Existenzängste: Alleinerziehende arbeitet als Prostituierte

20. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Rund 270.000 Alleinerziehende gibt es in Österreich. Die meisten von ihnen sind Frauen, fast die die Hälfte ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Die junge Mutter Christiane verdient extra Geld als Sexarbeiterin - um sich einen normalen Alltag leisten zu können.

Christiane (ihr wirklicher Name lautet anders) ist 28 Jahre alt. Sie hat eine Tochter und ein abgeschlossenes Studium. Seit circa anderthalb Jahren arbeitet sie zusätzlich zu ihrem anderen Beruf als Sexarbeiterin. "Das war ein selbständiger und gut überlegter Schritt", erklärt sie bei "Exakt" auf PULS 4. "Viele Betriebe sind einfach nicht familienfreundlich."

Mit ihrer Tätigkeit als Sexarbeiterin kann sie sich Dinge leisten "wie eine Zahnfüllung oder Therapiestunden". "Wenn etwas kaputt geht, kann ich es reparieren lassen ohne dass ich danach pleite bin", erklärt sie. Es geht dabei nicht um Luxusgüter, sondern alltägliche Kosten, die immer wieder anfallen können.

Von Armut und Ausgrenzung gefährdet

Christianes Geschichte ist kein Einzelfall. "Fast die Hälfte der Alleinerzieherinnen lebt unter der Armutsgefährdungsgrenze oder ist von Ausgrenzung betroffen", erklärt Jutta Mailänder vom "Verein feministische Alleinerzieherinnen". Das seien aber nur die offiziellen Zahlen, die Armutsgefährdungsgrenze sei für die meisten Alleinerziehenden viel zu niedrig gesetzt. Mailänder rechnet damit, dass vielleicht sogar drei Viertel der Alleinerzieherinnen sind.

Christiane sucht auf Dating-Apps oder im Internet nach Männern. Sie geht mit ihnen auf Dates. "Es geht dabei auch um Erotik und Intimität", erklärt sie. "Aber nicht nur. Ich bekomme dafür ein Taschengeld." Sie führt diese Tätigkeit nicht durchgehend aus. "Manchmal habe ich keine Lust und will mehr Freizeit", betont sie. 

"Krasse Existenzängste"

"Ich hatte sehr krasse Existenzängste während der Pandemie", so Christiane weiter. Ihr sei bewusst geworden, dass sie keinerlei Ersparnisse hatte. Aus diesem Grunde habe sie sich für die Sexarbeit entschieden - "damit ich sparen kann", sagt sie. Insbesondere ihre psychische Situation sei zuvor stark belastet gewesen. Die Gesundheitsversorgung für psychisch Kranke sei prekär, erklärt sie. Viele Alleinerziehende könnten sich keine Therapieplätze leisten.

Aber auch abgesehen vom Finanziellen gäbe es Probleme: "Ich habe versucht im Sommer eine Reha zu machen, das war nicht vereinbar mit meiner Elternschaft."

Unterhaltsgarantie

Mailänder vom "Verein feministische Alleinerzieherinnen" hat klare Forderungen, um die finanziell angespannte Situation von Alleinerziehenden zu verbessern. "Die Unterhaltsgarantie muss endlich umgesetzt werden", erklärt sie. "Es bekommt nur die Hälfte aller Kinder Unterhalt." Schon 2008 sei das im Regierungsprogramm festgeschrieben worden. "Es gibt keine Ausreden mehr", betont sie. "Die Daten sind da."

Quelle: Redaktion / mbe