APA - Austria Presse Agentur

Erster großer Prozess nach Polizeiaktion Operation Achilles

21. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Am Wiener Straflandesgericht ist am Mittwoch der erste große Prozess in der Causa "Operation Achilles" mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen. Ein Serbe musste sich vor Schöffen verantworten, weil er in der österreichischen Bundeshauptstadt reines Kokain, Heroin und Marihuana übernommen und weitergegeben hat. Er muss nun drei Jahre in Haft. Bei der Polizeiaktionen gegen das Organisierte Verbrechen wurden im Sommer weltweit mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen.

In Österreich gab es mehr als 80 Festnahmen, einer davon war der Serbe. Er hat im Auftrag der Bande von Mai bis Juni das Suchtgift in größeren Mengen angenommen und dann an zum Teil unbekannte Abnehmer verteilt. Der von Philipp Wolm anwaltlich vertretene Angeklagte bekannte sich vor Gericht schuldig, Teil dieser Bande gewesen zu sein, allerdings habe er wesentlich weniger Suchtgift weitergereicht. Er sei für die Verteilung von je ein Kilo Kokain und Heroin sowie zwölf Kilo Marihuana verantwortlich, sagte der bisher Unbescholtene. Sein Urteil ist bereits rechtskräftig.

Durch die Polizeiaktion, die unter dem weltweiten Namen "Operation Trojan Shield" lief, wurde eine riesige Tätergruppe zerschlagen. Die Bande agierte mit verschlüsselten Krypto-Handys, um abhörsicher untereinander zu kommunizieren. Diese sogenannten Anom-Mobiltelefone wurden vorwiegend von führenden Rollen innerhalb dieser kriminellen Vereinigung genutzt, um Weisungen zu erteilen, die Kontrolle auszuüben sowie Drogenhandel und Geldwäscherei über mehrere Länder hinweg zu koordinieren. Ein solches Krypto-Handy nutzte auch der nun in Wien angeklagte Serbe. Er habe das Gerät am 3. Mai erhalten und musste es wegen einer Reise am 3. Juni wieder abgeben. Den Beweis dafür zeigen Chats, in denen er ankündigt, Wien für einige Zeit zu verlassen. Als er am 13. Juni in die Stadt zurückkehrte, wurde er tags darauf verhaftet. Sein Gepäck war noch im Auto. "Ich wollte mir meinen Lohn holen", meinte der Beschuldigte über das Motiv, noch einmal nach Österreich zu kommen.

Am Beginn des illegalen Jobs wurde jedem Benutzer ein solches Gerät mit einer eindeutigen Kennung überreicht. Der 39-Jährige soll unter dem Identifikationsnamen "Abovetown" agiert haben. Die US-Bundespolizei FBI verfügt über eine Liste der weltweit agierenden Nutzer dieser Krypto-Handys und deren Kennung. Bei der Festnahme des 39-Jährigen wurde sein Anom-Telefon in seiner Wohnung gefunden und dadurch konnte sein Namen den Deals zugeordnet werden. Das FBI stellte den österreichischen Ermittlungsbehörden diese Daten zur Verfügung. Bei den Auftraggebern des Serben sieht das anders aus; deren Identifikationsnamen sind bekannt, aber nicht wer sich dahinter verbirgt.

Unter dem Pseudonym "Rokkki" soll der 39-jährige Angeklagte etwa Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 80 Prozent von Komplizen übernommen und an Abnehmer weitergereicht haben, wie die Entschlüsselung der Chats durch die Ermittler zeigten. Er betonte allerdings, dass er das Anom-Handy nicht allein genutzt hat. Ein "Milan" sowie ein weiterer Mann, den er aber nicht kannte, hätten ebenso auf dieses Kommunikationsmittel zurückgegriffen.

Die Bandenmitglieder fühlten sich sicher und kommunizierten recht offen über ihre Deals. Sie versendeten sogar Fotos vom gehandelten Suchtgift. Das tat auch der angeklagte Serbe. Er bot einem unbekannten Anom-User zwölf Kilogramm Cannabiskraut an und schickte gleich ein Bild der zum Verkauf angepriesenen Drogen. "Meine finanzielle Lage in Serbien als Automechaniker auch wegen der Coronakrise war schlecht. Da hat mir ein Bekannter den Job angeboten", sagte er Schöffensenatsvorsitzenden Harald Craigher. Die Frage des Richters, ob er seine Komplizen namentlich nennen will, wehrte er energisch ab. "Es wurde mein Pass abfotografiert und den Auftraggebern geschickt", so der 39-Jährige. "Ich möchte nichts sagen."

Anom-Handys sehen wie normale Mobiltelefone aus, allerdings sind sie nicht zu orten und zurückzuverfolgen. Die üblichen Funktionen zum Telefonieren und SMS-Versenden gibt es nicht, auch das Navigationssatellitensystem GPS ist nicht installiert. Um zur Chat-Funktion zu gelangen, musste man zu einer App, die hinter dem Taschenrechner versteckt war. Dem FBI gelangt es, den Entwickler von Anom im Zuge eines Deals, um eine Gefängnisstrafe zu entgehen, anzuwerben. Damit konnten die Geräte unter den Kriminelle vermarktet und verbreitet werden. Was die kriminellen Organisationen nicht wussten: Das FBI verfügte über die Verschlüsselungscodes und konnte somit alle Nachrichten lesen.

Quelle: Agenturen