Vogl zu Julian-H.-Prozess: "Sehr viele Ungereimtheiten"

08. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Krone-Journalist Erich Vogl hält die Zeugen im Prozess um den Ibiza-Video-Drahtzieher Julian H. nicht für glaubwürdig und ortet auch bei den Kokain-Vorwürfen Ungereimtheiten.

Julian H. sei eine "bemerkenswerte Persönlichkeit", beschreibt Krone-Journalist Erich Vogl. Er hätte in den vergangenen Jahrzehnten für das "größte Beben, dass die österreichische Politik bewegt hat", gesorgt. Auf sein Konto geht das Ibiza-Video, dass zum Platzen der blau-schwarzen Regierung führte.

Er habe das aus politischen Motiven getan, gibt H. bei seinem Prozess an, der zurzeit in St. Pölten läuft. Der 40-Jährige soll mehr als ein Kilo Kokain weitergegeben haben, belastet wird er von Zeugen. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und bestritt die Vorwürfe. "Ich weiß, dass ich es nicht war", erklärte er im Zuge seiner Einvernahme.

Anwälte: H. soll "fertig gemacht werden"

H. wurde "extrem hart verfolgt" und sitzt sein Monaten in U-Haft, fasst Vogl zusammen. Ein Gesuch auf Enthaftung wurde abgelehnt. Die Vorwürfe zum Video seien kein Thema mehr, obwohl das die Öffentlichkeit mehr interessiere als die eineinhalb Kilo Koks. "Seine Anwälte sagen, er soll fertig gemacht werden, weil Strache hat damals gesagt, 'Novomatic zahlt alle'". Strache und Gudenus seien gestolpert und man wolle Novomatic und die Strache-FPÖ reinwaschen, so deren Ansicht. Der aktuell suspendierte Sektionsleiter im Justizministerium, Christian Pilnacek, soll laut Schrift der Anwälte darauf gedrängt haben, "um jeden Preis" jemanden dingfest machen zu wollen. 

Oliver Scherbaum: Es habe sich klar gezeigt, dass der Belastungszeuge Widersprüche nicht aufklären konnte. Das bestätigte die Vermutung einer Einflussnahme.

Zeugen "nicht die glaubwürdigsten Leute"

Die drei Zeugen seien laut Vogel "nicht unbedingt die glaubwürdigsten Leute". Sie hätten sich im Prozess widersprochen, einer davon habe achtmal gesagt, Hessenthaler (der volle Name von Julian H., Anm.) habe ihm kein Kokain gegeben. Einer hätte plötzlich seine Aussage geändert, auf die sich die Staatsanwaltschaft nun stütze. Man habe keinerlei Kokain gefunden, es gibt nur Aussagen. Ebenfalls bemerkbar sei, dass die Leute laut Aussageschrift ausgesagt hätten, dass das Kokain einen extrem hohen Reinheitsgehalt und einen Verkaufswert von 40 Euro pro Gramm habe. Laut Insidern müsse das mindestens doppelt so viel sein. Bei diesem Prozess gibt es laut Vogl "sehr viele Unvereinbarkeiten und Ungereimtheiten". Durch den hohen Reinheitsgehalt drohen H. bis zu 15 Jahre Haft. 

Den Prozess beschreibt der Journalist "wie ein Roadmovie". Es sei ein bizarrer Fall. H. selbst sagt, er habe mit den Drogen nichts zu tun. "Die Beweisführung ist schon ziemlich bemerkenswert", attestiert der Prozess-Kenner. "Was sicher für den Angeklagten gut ist, ist, dass das alles öffentlich ist." 

Thomas Lohninger, Direktor der Datenschutz-NGO epicenter:works, über den Prozess. 

Datenschützer: Gefährliches Signal

Auch Datenschützer von epicenter:works beobachten den Prozess ganz genau. Der Direktor der NGO, Thomas Lohninger, ortet es als ein sehr gefährliches Signal, wenn "Menschen, die zu viel Wahrheit ans Tageslicht fördern über Ländergrenzen hinweg gejagt werden". Er bezieht sich damit auf den internationalen Haftbefehl, mit dem H. gesucht wurde. Es gebe eine EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern, die Österreich noch umsetzen müsse. Er wartet auf einen Entwurf der Regierung dazu.

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam