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Stephansdom-Terrorpläne: Toter Briefkasten entdeckt

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Neue Entwicklungen in den Ermittlungen nach den Festnahmen wegen möglicher Anschlagspläne gegen Stephansdom, Prater und Kölner Dom: Der Verfassungsschutz hat einen möglichen toten Briefkasten observiert, das geht aus Akten, die PULS 24 vorliegen, hervor. Die Verdächtigen sind vorerst noch in Untersuchungshaft.

In den Weihnachtsferien herrschte in Wien Terroralarm. Mehrere Verdächtige sollen als Anhänger des "Islamischen Staats in der Provinz Khorasan" (ISKP) Anschläge auf Stephansdom, Prater oder Kölner Dom geplant haben.

Ein Ehepaar - er Tadschike, sie Türkin - und ein Mann aus Dagestan wurden in Österreich verhaftet, ein weiterer verdächtiger Tadschike aus Deutschland ausgeliefert. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

Die österreichischen Behörden wollen von ausländischen Sicherheitsdiensten erfahren haben, dass mutmaßlichen Anschlagspläne "unter Einsatz von Schusswaffen und/oder Sprengmitteln" geplant wurden, liest man in den Ermittlungsakten. 

Erfolglose Suche im Wienerwald

Gefunden wurden bisher aber weder Waffen noch Sprengstoff. In den vergangenen Tagen fanden im Wienerwald abermals Suchaktionen statt. Wieder erfolglos, wie PULS 24 aus Sicherheitskreisen erfuhr.

Anwälte sprachen im Vorfeld schon davon, Enthaftungsanträge stellen zu wollen, sollten die Ermittler wieder mit leeren Händen nach Wien zurückkehren. Gericht und Staatsanwaltschaft wären dem wohl gefolgt. Die Verdächtigen bestreiten alle Vorwürfe gegen sie. 

Toter Briefkasten als weiterer Hinweis

Doch: Wie die neuesten Ermittlungsakten, die PULS 24 vorliegen, zeigen, ging die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) noch einer weiteren Spur nach. Wie berichtet, fanden die Ermittler am Handy des vierten Verdächtigen, dem Mann aus Dagestan, neben den Koordinaten, die in den Wienerwald führten, auch Koordinaten zu weiteren abgelegenen Orten

Einen davon - er liegt laut PULS 24 Informationen in Wien - beschattete die DSN und konnte dort einen noch unbekannten Mann beobachten, der dort eine Tasche ablegte und einen anderen, der sie wieder abholte. 

Konkretere Informationen liegen noch nicht vor. Doch offenbar verdichten sich die Hinweise, dass es sich um einen toten Briefkasten handeln könnte, der im Zuge einer sogenannten "Dead-Drop-Methode" verwendet wird.

Beliebte Vorgehensweise

Die Vorgehensweise ist bei Terroristen beliebt: An abgelegenen Orten werden Waffen oder Sprengstoff versteckt, über Handy bekommen Dschihadisten die Koordinaten zu diesen Orten geschickt. Ein solches Versteck wurde etwa kürzlich in Bulgarien entdeckt, die Waffen sollen für Anschläge auf Synagogen in Berlin gedacht gewesen sein. 

Andere Verdächtige nicht beteiligt?

Andreas Schweitzer, der Anwalt jenes Ehepaares, das auch unter den vier Festgenommenen ist, sieht seine Mandanten entlastet. "Aus den bisherigen Ermittlungsergebnissen zeigt sich in Bezug auf meine beiden Mandanten keine Beteiligung an einer Anschlagsplanung. Und deshalb habe ich auch heute einen Enthaftungsantrag gestellt", teilt er PULS 24 am Dienstag in einer Stellungnahme mit.

Video: Terror in Österreich: Neue Zelle entlarvt

ribbon Zusammenfassung
  • Neue Entwicklungen in den Ermittlungen nach den Festnahmen wegen möglicher Anschlagspläne gegen Stephansdom, Prater und Kölner Dom.
  • Der Verfassungsschutz hat einen mögliche toten Briefkasten observiert - die vier Verdächtigen sind vorerst noch in U-Haft.
  • Die Ermittler fanden am Handy des vierten Verdächtigen, einem Mann aus Dagestan, neben den Koordinaten, die in den Wienerwald führten auch Koordinaten, zu weiteren abgelegenen Orten. 
  • Einen davon - er liegt laut PULS 24 Informationen in Wien - beschattete die DSN und konnte dort einen noch unbekannten Mann beobachten, der dort eine Tasche ablegte und einen anderen, der sie wieder abholte. 
  • Im Wienerwald wurde bislang unterdessen kein Sprengstoff gefunden.