APA/APA/THOMAS LENGER/MONATSREVUE/THOMAS LENGER/MONATSREVUE

Drei Tote, sieben Schwerverletzte bei Schlepperfahrzeug-Unfall

14. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Beim Versuch, einer Polizeikontrolle auf der Nordostautobahn (A6) beim Grenzübergang Kittsee (Bezirk Neusiedl am See) zu entkommen, hat sich am Samstagvormittag ein Schlepper mit seinem überfüllten Fahrzeug überschlagen.

Bei dem Unfall wurden drei Menschen - zwei Männer und eine Frau - getötet, bestätigte die Polizei. Sieben Personen wurden laut Landessicherheitszentrale Burgenland mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser geflogen. Auch Kinder waren betroffen.

Schlepper wurde festgenommen

In dem Kastenwagen befanden sich neben dem Schlepper 20 Migranten, sagte Polizeisprecher Helmut Marban zur APA. Der Schlepper wurde festgenommen und wird derzeit einvernommen. Es dürfte sich laut Marban um einen russischen Staatsbürger handeln.

Fünf Nothubschrauber im Einsatz

Fünf Notarzthubschrauber aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland standen im Einsatz: Neben dem Intensivtransporthubschrauber (ITH) auch Christophorus 2, 3, 9 und 16. Weiters waren mehr als ein Dutzend Rettungsfahrzeuge an der Unfallstelle. Die Verletzten wurden nach Angaben der Landessicherheitszentrale in Krankenhäuser in vier Bundesländern transportiert: Nach Wien, nach Wiener Neustadt, St. Pölten und Hainburg (Bezirk Bruck a.d. Leitha) in Niederösterreich, in die Spitäler Eisenstadt und Kittsee im Burgenland sowie nach Graz. Weiters rückten vier Feuerwehren aus. Der FF-Einsatz wurde am frühen Nachmittag beendet, teilte die Landessicherheitszentrale auf APA-Anfrage mit.

Der Lenker des weißen Kastenwagens wollte am frühen Vormittag vor einer Polizeikontrolle am Grenzübergang Kittsee - Jarovce über die A6 flüchten. Das Schlepperfahrzeug bog dann bei der ersten Abfahrt von der Autobahn ab. Aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit überschlug sich der Kastenwagen.

Karner kritisiert "Brutalität" der Schleppermafia

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat nach dem Unfall eines Schlepper-Fahrzeuges mit drei Toten und mehreren Schwerverletzten am Samstag im Burgenland das Vorgehen der Schlepper scharf kritisiert. "Der tragische Tod von drei Menschen heute am Grenzübergang Kittsee/Jarovce zeigt einmal mehr die Brutalität und Skrupellosigkeit der Schleppermafia", sagte er in einer Aussendung. Es müsse weiterhin entschlossen dagegen vorgegangen werden, betonte er.

Menschen würden "mit völlig falschen Versprechungen gelockt und riskieren dabei ihr Leben", so der Innenminister. "Wie der heutige Vorfall einmal mehr zeigt, zählt das Leben von Menschen für die Schleppermafia nichts - ihr Tod wird einfach in Kauf genommen." Ein "entschlossenes Vorgehen gegen Schlepper und illegale Migration heißt Menschenleben zu schützen", zeigte sich der Minister überzeugt. "Die Maßnahmen zur Bekämpfung der menschenverachtenden Schlepperkriminalität müssen daher konsequent fortgesetzt werden."

Bis zum 12. August 2022 wurden in diesem Jahr bereits knapp 330 Schlepper festgenommen, verwies der Ressortchef auf die Daten. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeute das ein Plus von 80 Festnahmen.

Derzeit komme es an der der ungarisch-serbischen Grenze zum Teil auch zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Schlepper- und Schmugglerbanden, so Karner. Ende Juli wurde das österreichische Kontingent an der ungarisch serbischen Grenze auf 55 Polizisten aufgestockt, auch Wärmebildkameras und Drohnen sind demnach dort im Einsatz.

Karner verwies auch auf die internationale Zusammenarbeit: Es sei bereits eine "Task Force" von Ermittlern aus Ungarn, Serbien und Österreich eingesetzt worden, eine erste "Ermittlerkonferenz" wurde bereits durchgeführt.

Schnecker fordert Krisengipfel

Unterdessen forderte der burgenländische SPÖ-Sicherheitssprecher Ewald Schnecker via Aussendung einen "Krisengipfel". Es sei "unfassbar traurig, was heute an der Grenze passiert ist", die Anteilnahme gelte "den Opfern dieser kriminellen Schleppermafia, denen man so rasch als möglich das Handwerk legen muss". Der Innenminister sei nun aufgefordert, "endlich einen Krisengipfel gegen diese unmenschliche kriminelle Schlepperkriminalität einzuberufen, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen". Auch er hält Verfahrenszentren außerhalb Europas für eine Lösung, diese müssten "schnellstens" errichtet werden. "Das würde Schleppern das Geschäftsmodell entziehen und Menschen vor gefährlichen Fluchtwegen bewahren".

Amesbauer: "Totalversagen der Bundesregierung"

FPÖ-Sicherheitssprecher Hannes Amesbauer führt den tragischen Unfall auf das "Totalversagens der Bundesregierung und vor allem von ÖVP-Innenminister Karner" zurück. "Anstatt das Schlepperwesen mit effektiven Maßnahmen zu bekämpfen, gibt es von ihm nur kraftmeierische Wortspenden", kritisierte Amesbauer in einer Aussendung und forderte einen Asylstopp. Eine "konsequente No-Way-Politik" würde auch das Signal aussenden, dass der Versuch, illegal nach Österreich zu gelangen, keinen Sinn hat und damit auch das Geschäftskonzept der Schlepper zunichtemachen, so Amesbauer.

Quelle: Agenturen / ddj