APA - Austria Presse Agentur

Drei Monate Haft für Kärntner, der corona-positiv ins Spital ging

19. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Trotz positiven Corona-Befundes, Quarantänepflicht und Kontaktverbot ließ sich ein Kärntner im Spital operieren. Dafür wurde er am Donnerstag zu einer Geldstrafe und drei Monaten bedingter Haft verurteilt.

Der 25-Jährige legte im letzten Moment ein Geständnis ab, daraufhin verurteilte ihn Richterin Sabine Roßmann am Landesgericht Klagenfurt wegen vorsätzlicher Gefährdung durch übertragbare Krankheiten.

Angesteckt dürfte sich der Mann 2020 bei einer Autofahrt mit einer Freundin Ende November haben. Eine Maske trug er dabei nicht: "Wir haben uns beide gesund gefühlt", gab der Mann am ersten Verhandlungstag im Juni an. Nachdem er von der Erkrankung der Freundin erfahren hatte, ließ er einen PCR-Test durchführen. Er blieb bei seiner Version, dass ihm von der Bezirkshauptmannschaft zuerst ein positives Ergebnis, anschließend dann aber doch ein negatives Testergebnis mitgeteilt worden sei.

Glaubte Antigen-Test mehr als Ärztin

Am selben Abend wurde der Mann von einer Ärztin telefonisch kontaktiert. Diese teilte ihm mit, er sei positiv und sprach mündlich einen Absonderungsbescheid aus. Das bestätigte die Ärztin als Zeugin auch anhand ihrer Unterlagen, an den konkreten Fall konnte sie sich nicht mehr erinnern. Der 25-Jährige zweifelte jedoch am Ergebnis und ließ am nächsten Tag einen Antigen-Test in einer Apotheke durchführen - das Ergebnis war negativ. Daraufhin kam der Angeklagte auch mit seiner Mutter in Kontakt, konkret brachte er sie mit seinem Auto zum Bahnhof.

Zimmergenossen mussten in Quarantäne

Weil eine Knieoperation anstand ignorierte der Angeklagte die Quarantäne-Vorgaben und ging in ein Klagenfurter Spital. Auch dort war ein bei der Ankunft durchgeführter Antigentest wieder negativ. Nachdem der 25-Jährige nach der Operation von Polizeibeamten neuerlich telefonisch über einen Quarantäne-Bescheid informiert worden war, führte das Krankenhaus einen positiven PCR-Test durch. Die beiden Zimmergenossen des 25-Jährigen mussten daraufhin in Quarantäne, ihre Operationen wurden verschoben.

Prozess zu lang: Angeklagter stritt mit seinem Anwalt

Am Donnerstag wollte Verteidiger Peter Gradischnig ein epidemiologisches Gutachten beantragen sowie weitere Zeugen. Darauf erhob der Angeklagte Einspruch, er könne sich keine weiteren Verhandlungstage leisten, sowohl finanziell als auch durch die psychische Belastung. Nach dem Disput mit seinem Verteidiger legte der Mann dann doch ein Geständnis ab.

Die vom Verteidiger daraufhin beantragte Diversion wurde aus generalpräventiven Überlegungen abgelehnt. "Das wäre in der jetzigen Situation ein völlig falsches Signal", sagte Richterin Sabine Roßmann. Sie verurteilte den 25-Jährigen zu 200 Tagsätzen zu je fünf Euro, dazu gab es drei Monate bedingte Haft. Der Mann nahm das Urteil sofort an. Da auch Staatsanwältin Sarah Katschnig einverstanden war, ist das Urteil rechtskräftig.
 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam