APA - Austria Presse Agentur

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Skisaison

01. Dez 2020 · Lesedauer 6 min

Wie sicher ist Skifahren mitten in einer Pandemie? Sperren die Skigebiete diesen Winter überhaupt auf? Und welche Folgen hat das für den Tourismus? PULS 24 beantwortet die wichtigsten Fragen zur kommenden Skisaison.

Italien und Deutschland wollen den Skitourismus europaweit bis nach Weihnachten verbieten. Ein Vorschlag, der in Österreich auf Ablehnung stößt. Wie geht es nun mit der diesjährigen Skisaison weiter? PULS 24 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann wird die Skisaison starten?

Einige Skigebiete bereiten sich derzeit darauf vor, in den ersten Dezemberwochen die Saison zu starten. Der einstige Corona-Hotspot Ischgl zum Beispiel will am 17. Dezember öffnen, im Tiroler Ötztal sollen die Lifte bereits am 11. Dezember in Betrieb gehen. Vorausgesetzt die Bundesregierung lässt das zu.

Die Position der Regierung ist derzeit: Der Wintertourismus soll stattfinden. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagt dazu: "Winterurlaub in Österreich wird sicher sein." Tourismus und Gastronomie seien nicht für die hohen Infektionszahlen verantwortlich.

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter zeigte sich Anfang der Woche mit seiner Ankündigung "Tirol sperrt auf" optimistisch. Wann die Skigebiete aufsperren werden, wird aber vom Infektionsgeschehen abhängig sein. Das betonten sowohl Platter als auch das Gesundheitsministerium.

Einige Skigebiete könnten aber aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen bleiben. So hat Peter Schröcksnadel angekündigt, das Skigebiet Lackenhof am Ötscher nicht in Betrieb nehmen zu wollen.

Wie sieht die Position in anderen EU-Ländern aus?

Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hat mit dem Vorstoß für Aufregung gesorgt, die Skigebiete europaweit bis nach Weihnachten schließen zu wollen.

Wenn es nach der deutschen Regierung geht, soll der Skitourismus bis zum 10. Jänner verboten werden. Ob eine entsprechende Regelung auf europäischer Ebene möglich ist, soll nun geprüft werden.

Auch Deutschland und Frankreich gegen Skiurlaube zu Weihnachten

In Österreich stößt der Vorschlag auf Ablehnung. “Ich halte generell nichts vom italienischen Vorschlag, österreichische Skigebiete zu schließen”, sagt Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Tourismusminister Elisabeth Köstinger (ÖVP) kann dem Vorschlag "nichts abgewinnen". Falls es doch dazu kommen sollte, wollen Blümel und Köstinger jedenfalls Schadenersatz für die Betroffenen Betriebe von der EU fordern.

Frankreichs Premierminister Jean Castex hat sich für einen Mittelweg entschieden. Die Skilifte sollen während der Weihnachtsfeiertage geschlossen bleiben - die Wintersportorte selbst aber offen sein. Damit jeder "die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte" genießen könne.

Was sagt die EU dazu?

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, sich in dem Streit nicht einmischen zu wollen. Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, schrieb in einer Aussendung, dass dies in den Mitgliedstaaten und nicht auf EU-Ebene festgelegt wird. "Selbstverständlich hat die Europäische Union keine 'Skifahr-Kompetenz' und kann und will hier nichts verbieten", schrieb Selmayr. 

Stella Kyriakides, Gesundheitskommissarin der EU, sieht das ähnlich. "Es gibt keine Formel, die für alle EU-Staaten gilt, denn jedes Land hat eine unterschiedliche Situation", sagte sie im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".

Was, wenn deutsche Gäste ausbleiben?

Die deutsche Regierung appellierte bereits an die Bürger, touristische Reisen zu unterlassen - insbesondere in Hinblick auf die Skisaison. Das könnte weitreichende Folgen haben, denn die mit Abstand meisten Winterurlauber in Österreich kommen aus Deutschland.  Von den insgesamt rund 16 Millionen Ankünften in der Wintersaison 2019 war ein knappes Drittel aus Deutschland, wie Zahlen der Statistik Austria zeigen.

"Ich glaube die Skigebiete müssen sich davon verabschieden, dass ausländische Gäste kommen werden", sagt auch Virologe Norbert Nowotny. Er geht davon aus, dass viele Länder Reisewarnungen oder für Rückkehrer eine Quarantänepflicht verhängen werden.

"Ob es sich für uns rentiert, hängt mit den Reisewarnungen zusammen. Falls Deutschland, Benelux zu bleiben, dann wird es sehr schwierig", sagt eine Hotelbetreiberin aus dem Winterskiort Sölden im Gespräch mit PULS 24. Ähnlich besorgt zeigen sich auch einige Tourismusverbände.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden?

Die Reisewarnungen und Schließung von Skigebieten haben natürlich auch wirtschaftliche Auswirkungen auf den Tourismus. In der Wintersaison 2019/20 hat die Branche rund 17 Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr. Bis zum Ausbruch der Pandemie im März 2019 wurden noch Zuwächse verzeichnet. Das zeigen die Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO.

Finanzminister Gernot Blümel spricht von Kosten bis zu 2 Milliarden Euro, wenn die Skigebiete geschlossen bleiben müssten.

Wie sicher ist die Piste?

Viele haben beim Gedanken an den Winter noch das Gespenst von Ischgl im Hinterkopf. Im März steckten sich zahlreiche Urlauber im Tiroler Ski-Ort an und beschleunigten so die Verbreitung des Virus in ganz Europa.

"So etwas wird sich nicht wiederholen", sagt Virologe Norbert Nowotny im Gespräch mit PULS 24. Heute wisse man auch viel mehr über das Virus und es gebe zudem Präventionskonzepte.

"Beim Skifahren selbst wird nichts passieren", sagt Nowotny. Die Ansteckungen würden passieren, wenn es zu einer Ansammlung von Menschen komme, etwa beim Anstellen an Kassen und in Gondeln. Um das zu vermeiden, gebe es in den meisten Skigebieten bereits entsprechende Konzepte.

Der Virologe plädiert außerdem dafür, FFP2-Masken anstatt eines Mund-Nasen-Schutzes zu tragen. Diese seien mit einem 95-prozentigen Schutz viel wirksamer als die herkömmlichen Masken.

Welche Sicherheitsmaßnahmen treffen Skigebiete?

Die meisten Skigebiete haben bereits Präventionskonzepte vorgestellt. Diese beinhalten das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, die Vermeidung größerer Menschenansammlungen (z.B. in Wartebereichen) und das generelle Einhalten von Abständen. In Schladming werden etwa alle Skigäste beim Kauf einer Liftkarte ein Bandana dazubekommen, das als Mundnasenschutz fungieren soll.

Für Seilbahnen und Skischulen soll es außerdem bundesweit einheitliche Regeln geben. In Gondeln wird Maskenpflicht gelten, beim Anstellen ist ein Mindestabstand von einem Meter einzuhalten. In Skischulen wird eine maximale Gruppengröße von zehn Personen empfohlen. Für Skilehrer soll es kostenlose Coronatests geben.

Kann ich nach dem Skifahren zum Après-Ski?

Ischgl war im März der Corona-Hotspot in Europa. Ausgangspunkt war damals eine Après-Ski-Bar. Deswegen soll es heuer kein ausgelassenes Feiern geben.

"Skivergnügen ja, aber ohne Après-Ski", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz im September. Denn, im Bereich der Nachtgastronomie sei die Ansteckungsgefahr einfach zu groß.

Essen und Trinken ist trotzdem erlaubt - allerdings nur im Sitzen. In der Gastronomie wird es zudem eine Beschränkung der Personengruppen geben und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutz soll verpflichtend sein.

Der Nobelskiort Kitzbühel will trotz Auflagen "eine komplette Öffnung", wie es gegenüber PULS 24 heißt. "Unseren Wintergästen wollen wir auch heuer jenes hochwertige Angebot bieten, wie sie es von Kitzbühel gewohnt sind. Das reicht vom Angebot unserer Bergbahn AG, bis hin zu Gastronomie, Handel, Hotellerie und sonstigen Freizeiteinrichtungen", sagt Viktoria Veider-Walser, Geschäftsführerin vom Kitzbühel Tourismus.

Was passiert, wenn ich bereits eine Ski-Karte gekauft habe?

Viele Liftbetreiber bieten eine Rückerstattung oder Gutscheinlösungen für bereits gekaufte Saison- und Jahreskarten an, wenn die Skianlagen durch die Corona-Pandemie geschlossen bleiben.

Die genauen Informationen dazu finden Sie auf den Internetseiten oder auf Nachfrage bei den Betreibern.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe