Alle 50 Minuten stirbt in Österreich ein Mensch an Diabetes-Folgen

18. März 2021 · Lesedauer 3 min

Rund 800.000 Menschen in Österreich leiden an Diabetes. Die Versorgung dieser chronisch Kranken ist aber anhaltend schlecht. Die Sterblichkeit an den Folgen der "Zuckerkrankheit" ist in Österreich seit dem Jahr 2000 um 70 Prozent gestiegen.

Die Sterblichkeit bei Diabetes ist um 70 Prozent gestiegen und auch die Amputationsrate (Fuß-, Bein-Amputationen) ist extrem hoch. Das erklärten Experten beim Danish Health Cercle in Wien.

Ö: Alle 50 Minuten stirbt ein Mensch an den Folgen

"Es sind rund 800.000 Menschen, die an Diabetes leiden. (...) Wir reden hier davon, dass alle 50 Minuten in Österreich ein Mensch an den Folgen der Erkrankung stirbt", sagte Susanne Kaser, Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). Rund 90 Prozent der Betroffenen seien Typ-2-Diabetiker (primär nicht-insulinpflichtiger Diabetes), fünf bis sieben Prozent Typ-1-Diabetiker.

Eine Million mit Diabetes "konfrontiert"

Hinzu kämen aber in Österreich auch noch rund 350.000 Personen mit Prädiabetes (Vorstufe) und einem extrem hohen Risiko, binnen fünf Jahren wirklich zu erkranken, sagte die Diabetologin von der Universitätsklinik Innsbruck bei der Dienstagabend vom dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk organisierten Veranstaltung (Hybrid). Somit komme man auf rund eine Million Menschen in Österreich, die mehr oder minder mit der chronischen Zuckerstoffwechselerkrankung konfrontiert seien. "Das ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung. Es geht um mehr als einen zu hohen Blutzucker.

Versorgung "vernichtend"

Die Zahlen zu Diabetes in Österreich bzw. zur Situation ihrer Versorgung seien "vernichtend", erklärte Bernhard Ludvik, Diabetologe an der Klinik Landstraße in Wien. Er zitierte aus dem Länder-Gesundheitsbericht der EU-Kommission bzw. der OECD (2019) für Österreich: "Wir hatten einen Anstieg der Diabetes-Mortalität zwischen dem Jahr 2000 und 2019 um 70 Prozent."

Folgen von Herzinfarkt bis Erblindung

Man dürfe beispielsweise laut Krankenkassen-Vorschriften in einem Fall nur stufenweise vorgehen und ein innovatives Medikament erst ab einen "Schwellenwert" schlechter Blutzuckerkontrolle verschreiben. Oder die Erstverschreibung müsse beispielsweise durch ein Zentrum erfolgen. "Bis dahin hat der Betroffene aber schon jahrelang einen extrem hohen Blutzuckerwert", sagte Ludvik. Atherosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, terminales Nierenversagen und Erblindung sind die ärgsten und häufigsten Konsequenzen der chronischen Erkrankung.

OECD kritisiert Österreichs Diabetes-Spitalszahlen

Die OECD kritisiert seit vielen Jahren in ihren Gesundheitsberichten, dass in Österreich viel zu viel Diabetiker ins Spital kommen. Das ist die teuerste Variante, weil offenbar eine zweite Ebene von Diabetologen in der niedergelassenen Praxis mit Kassenverträgen fehlt. Hier könnten auch neue Zentren außerhalb von Krankenhäusern eine zukunftsträchtige Ergänzung bieten.

Patienten: Angst vor Nachteilen im Job

Die österreichischen Diabetiker selbst schätzen ihre Situation übrigens nicht besonders gut ein. Der Novo Nordisk-Geschäftsführer in Österreich, Bernhard Ecker, zitierte aus einer im Auftrag seines Unternehmens durchgeführten repräsentativen Umfrage. Im Sample der Befragten waren 25 Prozent zuckerkrank: "Jeder dritte Typ-1-Diabetiker und jeder fünfte Typ-2-Diabetiker hat Angst vor Nachteilen im Job. Jeder zehnte Diabetiker hat Angst, den Job zu verlieren." Die Statistik zeige, dass jeder zehnte Zuckerkranke eine Herzinfarkt erleide, ein Viertel aller Herzoperationen werde an Diabetikern durchgeführt.

Quelle: Agenturen