Corona-Cluster nach FPÖ-Tour in Niederösterreich

01. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

Nachdem es in Kärnten nach einer FPÖ-Tour zu einer Häufung von Corona-Fällen kam, soll sich dies in Niederösterreich wiederholt haben.

Die "Freiheitstour" von FPÖ-Obmann Herbert Kickl Anfang November in Kärnten, die ihn von Wolfsberg bis nach Gmünd geführt hat, sorgt weiterhin für heftige Debatten. In Wolfsberg hatte am 5. November eine Großveranstaltung der FPÖ stattgefunden. In zeitlicher Nähe schnellten in dem Bezirk die Infektionszahlen abrupt in die Höhe, derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 2.000, der Bezirk ist damit trauriger Spitzenreiter in Österreich.

Kaiser kritisiert Corona-Verharmlosung

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hat in einer am Mittwoch online gestellten Videobotschaft scharfe Kritik an FPÖ-Obmann Herbert Kickl geübt. Ohne ihn beim Namen zu nennen, kritisierte Kaiser die Verharmlosung von Covid-19 und die teilweise propagierten alternativen Behandlungsmethoden "entgegen jeder Vernunft und entgegen allen wissenschaftlichen Fakten". 

Schon am Dienstag hatte LHStv. Beate Prettner (SPÖ) Kickl ins Visier genommen. Sie bei einer Pressekonferenz auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen Kickls Besuch in Wolfsberg und die steigenden Infektionszahlen hingewiesen und Kritik an den Freiheitlichen geübt. Zusätzlich Stoff für Debatten gab es, nachdem bekannt wurde, dass der Sänger der Volksmusikgruppe "Die Fidelen Mölltaler", Ludwig "Lucky" Ladstätter, am Montag nach zwei Wochen Kampf gegen Corona im Krankenhaus Wolfsberg gestorben ist.

Er hatte die FPÖ-Veranstaltung ebenfalls besucht, wie auch ein Foto von ihm mit Kickl zeigt, das dieser selbst auf Instagram gepostet hatte. Das Landeskrankenhaus in Wolfsberg ist nach Auskunft der Kabeg voll ausgelastet. Da es bei den Intensivpatienten Kooperationen zwischen allen Spitälern des Landes gibt, ist die Frage, ob die Intensivstation in Wolfsberg überlastet ist, so nicht zu beantworten. Aktuell werden in Kärnten 57 Personen coronabedingt intensivmedizinisch versorgt.

Fallhäufung bei FPÖ-Tour in NÖ

Indes berichtete der "Kurier" am Mittwoch in seiner Online-Ausgabe, dass auch in Niederösterreich nach einem Stopp der FPÖ-"Freiheitstour" am 23. Oktober ein örtlicher Anstieg der Infektionszahlen zu verzeichnen gewesen sei, und zwar in Feistritz am Wechsel (Bezirk Neunkirchen). Zwei Wochen nach dem Event habe die 1.000-Seelen-Gemeinde mit 57 die höchste Zahl an positiven Fällen gezählt, so ÖVP-Bürgermeister Franz Sinabel gegenüber dem "Kurier". Auch das Wirtshaus, bei dem die Freiheitstour stattfand, sei von dem Cluster betroffen gewesen, hieß es.

FPÖ sieht "Anpatzmanöver"

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sieht in den Vorwürfen gegen seine Partei ein "Anpatzmanöver" der SPÖ. Er betonte, im Rahmen der Freiheitstour der FPÖ in Kärnten am 5. und 6. November seien alle gültigen Corona-Regeln eingehalten worden. "Sämtliche Besucher wurden beim Eintritt kontrolliert, und zwar nicht etwa durch FPÖ-Mitarbeiter, sondern durch eine eigens engagierte Security-Firma", sagte Schnedlitz am Mittwoch in einer Aussendung. Eingelassen sei nur worden, wer einen 3G-Nachweis vorlegen konnte. Er wies zudem darauf hin, dass es am gleichen Abend in Villach und Klagenfurt zwei Eishockeyspiele mit Tausenden Besuchern gegeben habe. Hier gebe es keine Vorwürfe Prettners, kritisierte Schnedlitz.

Der Wolfsberger Bezirkshauptmann Georg Fejan sagte im Ö1-Mittagsjournal, die Veranstaltung sei als Versammlung angemeldet worden. "Die Versammlung wurde polizeilich überwacht, es wurden auch Personen wieder weggeschickt." Rechtlich gesehen sei die Versammlung rechtzeitig angemeldet und die Vorgaben eingehalten worden. Ob es einen Corona-Cluster gegeben habe, könne man nur sehr schwer sagen. Es gebe durch das Contact Tracing keinen Rückschluss auf diese Versammlung, so Fejan. Man könne es aber auch nicht ausschließen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb