APA - Austria Presse Agentur

Corona: 1.656 Erkrankungen trotz vollständiger Impfung in Österreich

04. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

0,6 Prozent aller Corona-Infizierten in diesem Jahr sind trotz vollständiger Impfung am Coronavirus erkrankt. In absoluten Zahlen sind das 1.656 Erkrankte bei insgesamt mehr als 266.000 Infizierten.

In Österreich hat es heuer insgesamt 1.656 sogenannte Impfdurchbrüche gegeben, also Fälle, in denen Menschen trotz vollständiger Immunisierung am Coronavirus erkrankt sind. Das berichtet das "Ö1-Morgenjournal" unter Berufung auf aktuelle Erhebungen der Gesundheitsagentur AGES. Insgesamt 2.690 Personen sind nach der ersten Teilimpfung an Corona erkrankt. Die Zahlen beinhalten alle zugelassenen Impfstoffe.

Zum Vergleich: Seit Beginn des Jahres gab es in Österreich rund 266.000 registrierte Corona-Infektionen, mehr als 4,6 Millionen Menschen in Österreich sind voll immunisiert. Erkrankungen trotz Vollimpfung machen also 0,6 Prozent aller gemeldeten Corona-Infektionen aus. Wieviele Menschen sich trotz Impfung mit Corona infiziert haben, dabei aber keine Symptome zeigen, ist unmöglich festzustellen.

Als Impfdurchbruch wird in Österreich ein Fall gewertet, in dem sieben Tage nach dem Erhalt der zweiten Impfdosis bzw. 28 Tage nach Erhalt des nur einmal verabreichten Vakzins von Johnson & Johnson eine Covid-19-Infektion mit Symptomen wie Fieber, Kurzatmigkeit, Husten, Geruchs- oder Geschmacksverlust auftritt.

Wirksamkeit aktuell bei 91 Prozent

Statistisch zu bedenken ist, dass es zu Jahresbeginn im Jänner und Februar in der dritten Welle besonders viele Corona-Infektionen gab – damals war aber noch kaum jemand geimpft. Daher gab es zunächst allein deshalb kaum Impfdurchbrüche. Die AGES hat diesen Faktor aber herausgerechnet und die Impfeffektivität ermittelt. Sie wird sowohl für die vollständig Geimpften 40- bis 59-Jährigen als auch für die über 60-Jährigen mit rund 91 Prozent angegeben.

Da es keinen perfekten Impfschutz gibt, ist das auch nicht überraschend. Der Wiener klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger rechnet mit sehr wenigen Durchbrüchen mit schweren Verläufen. Schon in der Zulassungsstudie etwa zum Pfizer/Biontech-Impfstoff wurde klar, dass das Vakzin die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19-Infektion gegenüber einer ungeimpften Kontrollgruppe um rund 95 Prozent reduziert. Man spricht von einer Wirksamkeit von 95 Prozent.

Das ist aus pharmakologischer Sicht ein sehr guter Wert, der beim Moderna-Vakzin ähnlich hoch liegt. Die Werte für AstraZeneca und den Johnson & Johnson-(Janssen)-Impfstoff liegen um die 60 Prozent bzw. darüber. Folglich ist mit einer gewissen Anzahl an vollimmunisierten Personen zu rechnen, die auch erkranken - allerdings immer prozentuell weniger als bei ungeimpften Personen und in den seltensten Fällen schwer, wie auch neue Studien zeigen, betonte Zeitlinger im Gespräch mit der APA.

Klar sei: "Je mehr Geimpfte es gibt, desto mehr Impfdurchbrüche werden wir numerisch haben, das hat aber nichts mit einer Abnahme der Effektivität zu tun", sagte der Vorstand der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien.

Geschwächtes Immunsystem häufigster Grund für Impfdurchbruch

Der häufigste Grund für ein Durchbrechen ist insgesamt eindeutig ein durch Vorerkrankungen oder Krebstherapien geschwächtes Immunsystem. Hier kann der Körper mitunter nicht auf das Vakzin reagieren und keine ausreichende Antikörperantwort aufbauen. Der Impfschutz erscheint in dieser Gruppe um rund ein Drittel reduziert. Geimpfte, immunsupprimierte Personen würden leider auch eher mit einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus landen, so Zeitlinger, der Betroffenen daher weiter zur Vorsicht bei Kontakten rät.

Die MedUni Wien bietet erwachsenen Patienten, bei denen eine immunsuppressive Therapie durchgeführt wird, im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie am AKH die Möglichkeit, eine dritte Teilimpfung zu erhalten. Untersucht wird dabei auch die Antwort des Abwehrsystems vor und nach der "Boosterimpfung", wie Zeitlinger erklärte. Der Impfschutz bei älteren Menschen ist etwas reduziert, wie Studien zeigen. Zeitlinger: "Das Alter spielt aber eine deutlich geringere Rolle als die Immunsuppression."

Vollimmunisierte sind weniger ansteckend

Was die Rolle von Geimpften als potenzielle Überträger betrifft, zeige sich, dass vollimmunisierte Infizierte weniger und über einen kürzeren Zeitraum Viren ausscheiden. Bei der Delta-Variate ist die Erregerlast aber mitunter deutlich erhöht und bleibt länger bestehen. "Der Geimpfte würde hier aber immer noch deutlich besser abschneiden."

Allerdings gebe es Daten aus den USA, die zeigen, dass aufgrund der Aggressivität von Delta selbst die reduzierte Viruslast unter geimpften Infizierten so hoch ist, dass die Weitergabe ähnlich wahrscheinlich sei wie durch Ungeimpfte. Zeitlinger: "Das ist wahrscheinlich das unangenehmste an der Delta-Variante."

Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos