APA - Austria Presse Agentur

Cleo lebt: Australische Polizei befreit entführte Vierjährige nach zwei Wochen

03. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Riesige Freude in Australien: Rund zweieinhalb Wochen nach dem mysteriösen Verschwinden der kleinen Cleo Smith von einem Campingplatz im Westen des Landes hat die Polizei die Vierjährige wohlbehalten wieder gefunden.

Das Kind wurde von der Polizei aus einem verschlossenen Haus im 75 Kilometer vom Campingplatz entfernten Ort Carnarvon befreit. Cleo sei gesund und munter - und wurde sofort zu ihren Eltern gebracht. Ein 36-jähriger Verdächtiger aus dem Ort sei in Gewahrsam und werde befragt.

Freudentränen bei Polizisten

Die Polizei habe das Haus am frühen Mittwochmorgen um kurz vor 1.00 Uhr Ortszeit aufgebrochen, sagte der stellvertretende Kommissar Col Blanch. "Wir haben nach der Nadel im Heuhaufen gesucht, und wir haben sie gefunden", sagte Blanch dem örtlichen Radiosender 6PR. "Als sie sagte, "Mein Name ist Cleo", war im Haus kein Auge mehr trocken." Erfahrene Ermittler seien vor Erleichterung in Tränen ausgebrochen. In der Sonderkommission waren rund 100 Beamte.

Die Mutter des Mädchens, Ellie Smith, schrieb auf Instagram: "Unsere Familie ist wieder vollständig." Cleo wurde Behördenangaben zufolge zunächst in ein Krankenhaus gebracht und dort betreut und untersucht.

Vierjährige aus Familienzelt verschwunden

Die Familie lebt in dem Ort, in dem Cleo wiedergefunden wurde. Mit ihrer Mutter, deren Lebensgefährten und ihrer kleinen Schwester war das Mädchen am 16. Oktober zum Campen bei den Blowholes an der Küste, rund 900 Kilometer nördlich der Regionalhauptstadt Perth. Nach Aussage der Mutter bemerkte sie gegen 6.00 Uhr morgens, dass das blonde Mädchen mitsamt Schlafsack aus einem der beiden Räume des Familienzeltes verschwunden war. Dort habe ihre Tochter neben der kleinen Schwester geschlafen.

Der Zelt-Reißverschluss sei bis zu einer Höhe geöffnet gewesen, die die Vierjährige selbst nicht hätte erreichen können. Seither fehlte von dem Kind jede Spur. Die Blowholes - Meereshöhlen, aus denen die Brandung spritzt - sind ein beliebtes Ausflugsziel am Indischen Ozean. Die Regierung des Bundesstaates Westaustralien hatte eine Belohnung von einer Million australischer Dollar (rund 650 000 Euro) für Hinweise ausgesetzt, die zum Auffinden des Mädchens führen.

"Dies war hartnäckige, methodische Polizeiarbeit", erklärte Polizeikommissar Chris Dawson. Die Ermittler hätten Tausende und Abertausende von forensischen Exponaten, Daten und Informationen aus der Gemeinde gesammelt und jeden Hinweis genau geprüft. 

Premierminister "erleichtert"

Australiens Premier Scott Morrison bedankte sich via Twitter bei der Polizei. "Was für eine wunderbare, erleichternde Nachricht. Cleo Smith wurde gefunden und ist gesund und munter zu Hause", schrieb er. Die Parlamentarierin Tanya Plibersek meinte via Twitter: "Was diese Familie durchgemacht hat, ist der schlimmste Alptraum aller Eltern."

Weltweite Anteilnahme

Das Aufsehen war nach dem Verschwinden des Mädchens riesig - nicht nur in Australien. Auf Instagram versuchten Menschen unter anderem aus Schottland, den USA und Deutschland, der Familie Mut zu machen. "Bitte gebt nicht auf! Unsere Daumen sind gedrückt, dass sie gesund gefunden wird. Alles Liebe aus Deutschland!", schrieb eine Nutzerin.

Die verzweifelten Eltern hatten sich immer wieder mit dramatischen Aufrufen an die Öffentlichkeit gewendet - in der Hoffnung, den oder die Täter zu überzeugen, das Mädchen freizulassen. Der Spurenlage zufolge gab es nur eine plausible Erklärung: Die kleine Cleo wurde entführt.

Weder die Mutter, der Lebensgefährte noch der leibliche Vater des Mädchens, der bei Perth lebe, würden als Verdächtige betrachtet. Die Polizei vermutete einen "opportunistischen".

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam