BOKU-Experte fordert Gesetze für Trinkwasser-Knappheit

30. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Obwohl es im Moment gut um die Trinkwasserversorgung in Österreich steht, sieht Roman Neunteufel von der BOKU Wien Handlungsbedarf. Die Politik müsse für den Ernstfall Pläne zur Trinkwasseraufteilung vorlegen.

Die Prognose zum Zustand des Grundwassers und damit der Trinkwasserversorgung in Österreich im Jahr 2050 ist problematisch. Die Grundwasserbildung könnte im schlimmsten Fall um 23 Prozent zurückgehen. Besonders betroffen wäre dann der Osten Österreichs, wie das Marchfeld, das Weinviertel oder die Region Neusiedler See. Im Vergleich zum Westen des Landes sind hier der Niederschlag und die Grundwasserbildung auf deutlich geringerem Niveau.

Neunteufel appelliert daher an die Politik, eindeutige Gesetze für eine eventuelle Nutzungseinschränkung von Trinkwasser zu schaffen und "sich auf den schlechtesten Fall vorzubereiten". Ein solcher Fall würde mit einer Übernutzung des Grundwasser einhergehen. Grundwasser stünde dann zwar zur Verfügung, ausgetrocknete Flüsse könnten aber die Folge sein.

Ressourcen werden knapp

Wenngleich diese Szenarien in den nächsten Jahren nicht eintreten dürften, würde ein schlagartig gesteigerter Wasserbedarf zu gewissen Zeiten "die Ressourcensituation in Bedrängnis bringen". Wenn die Bevölkerung im Frühling oder Sommer gleichzeitig ihre Swimming Pools füllt oder den Garten bewässert, komme es zu einer Verdoppelung des Wasserbedarfs binnen ein bis zwei Tagen. Immer wieder komme es deshalb in Österreich vor, dass Gemeinden die Menschen anweisen, ihren Garten nicht zu gießen beziehungsweise ihren Swimming Pool nicht zu füllen.

Die Frage, ob der Klimawandel aufgrund der vermehrten Freigabe von Süßwasser - etwa bei der Gletscherschmelze - nicht für uns arbeite, verneinte Neunteufel. "Das Süßwasser bringt uns gar nichts für die Wasserversorgung", da das Schmelzwasser schnell in Form von Oberflächenwasser davonfließe, erklärt der Experte. Vielmehr müsse man Gletscher als Wasserspeicher nützen, um Grundwasser abzugeben und neu zu bilden. "Haben wir weniger Gletscher, dann haben wir auch weniger Wasserspeicher und weniger Grundwasser."

Quelle: Redaktion / msp