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Bereits fünfter US-Radiomoderator und Impfgegner in sechs Wochen an Corona gestorben

15. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Bob Enyart war ein erzkonservativer Radiomoderator und Impfgegner in Denver. Nun ist er am Virus gestorben. Er ist bereits der fünfte erzkonservative Radiomoderator in den USA der innerhalb von sechs Wochen an Corona gestorben ist.

Bob Enyart war in seiner Heimatstadt als Pastor und vor allem als erzkonservativer Radiomoderator bekannt. Auf Sendung machte er regelmäßig gegen die Impfung Stimmung. Vor Gericht klagte er erfolgreich gegen die Corona-Beschränkungen und die Maskenpflicht für Kirchen in seinem Heimat-Bundesstaat Colorado.

Wochen nachdem Enyart und seine Frau positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ist der 62-Jährige nun verstorben, wie ein Wegbegleiter auf Facebook mitteilte. Das bestätigte auch das Leichenschauhaus gegenüber der "Washington Post". Die Corona-Schutzimpfung hatte Enyart vehement abgelehnt.

Forderte Todesstrafe für Abtreibungen und verhöhnte AIDS-Tote

Enyart war als erzkonservativer Provokateur bekannt. Laut "Washington Post" hatte er auf Sendung die Todesstrafe für Frauen gefordert, die Abtreibungen durchführen lassen. Ein anderes Mal hatte er im Radio Todesmeldungen von verstorbenen AIDS-Kranken vorgelesen und dazu den Queen-Song "Another One Bites The Dust" gespielt.

Der 62-jährige Enyart ist nicht der einzige prominente Radiomoderator, der an Corona stirbt. Laut "Washington Post" sind in den vergangenen sechs Wochen bereits mindestens vier weitere erzkonservative Radiomoderatoren gestorben, die zuvor gegen die Corona-Impfung agitierten.

Bereits fünfter toter Radiomoderator in sechs Wochen

Ende August war Marc Barnier gestorben. Der 65-jährige Radiomoderator aus Florida hatte sich selbst als "Mister Anti-Impfung" bezeichnet und auf Sendung gesagt, die Regierung verhalte sich "wie die Nazis", weil sie zur Impfung aufrufe.

Im US-Bundesstaat Tennesse verstarben der 61-jährige Radiomoderator Phil Valentine sowie der 81-jährige christliche Prediger Jimmy DeYoung, der ebenfalls eine landesweit ausgestrahlte Radioshow besaß. DeYoung hatte die Impfkampagne als "Form der Bevölkerungskontrolle" bezeichnet.

Zuvor war auch der 65-jährige Dick Farrel gestorben, der ebenfalls in Florida als Moderator bei diversen Radiosendern sowie für den konservativen Fernsehsender Newsmax TV tätig war. Er bezeichnete die Anti-Corona-Maßnahmen als Betrug und bezeichnete den obersten Pandemie-Experten Anthony Fauci als "machtlüsternen, lügenden Freak".

Alle vier machten regelmäßig gegen Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht und Impfung Stimmung, obwohl sie aufgrund ihres Alters selbst zur Risikogruppe gehörten.

Dass alle vier Verstorbenen in den Bundesstaaten Florida und Tennessee wirkten, dürfte kein Zufall sein. Die beiden südlichen Staaten sind aufgrund niedriger Durchimpfungsrate besonders schwer von der Pandemie betroffen. Schuld daran haben auch Radiomoderatoren, die viele Menschen erreichen und deren Einfluss auf weite Bevölkerungsteile bisher unterschätzt worden sei, meint Professor Jerry Del Colliano von der New York University zur "Washington Post".

Talk-Radio als Medium des erzkonservativen Randes

Das Radio sei in den USA seit Jahrzehnten das Alternativ-Medium zum vermeintlichen Mainstream. Gerade erzkonservative und klerikale Kreise erreichen eine hohe Reichweite und Mobilisierung bei ihren Zuhörern. Der bekannteste dieser erzkonservativen Radiomoderatoren war der im Februar diesen Jahres an Lungenkrebs verstorbene Rush Limbaugh. Er erreichte mit seiner wöchentlichen Radio-Talkshow landesweit bisweilen bis zu 20 Millionen Menschen.

Moderatoren von Radio-Talkshows wie Limbaugh oder seine kürzlich verstorbenen Nachahmer tragen Verschwörungstheorien und Überzeugungen des rechten Randes in ein Millionenpublikum. Rechte Mainstream-Medien wie Fox News greifen diese in weiterer Folge oft auf und populistische Politiker nutzen diese Überzeugungen zur eigenen Mobilisation. Ex-Präsident Donald Trump, der Limbaugh die Presidential Medal of Freedom verlieh, wusste dies bei seinem Aufstieg gezielt zu nutzen.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos