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Bierprozess: Richter sprach von "teurem Lehrgeld"

10. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Im Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess um einen groß angelegten Bierdiebstahl in der Brauerei Puntigam fortgesetzt worden.

Den mittlerweile noch 18 Angeklagten wird vorgeworfen, von 2009 bis 2017 einwandfreies Bier als Bruchware deklariert und unter der Hand verkauft zu haben. Als Zeuge war diesmal der Logistik-Chef der Brauunion in Graz geladen. "Wir zählen bestimmte Produkte jetzt täglich", beschrieb er die Veränderung nach den inkriminierten Vorfällen.

Die Frage der Bruchzahlen 

Nachdem die Angeklagten - vom Kellermeister über Staplerfahrer, Hallenchefs und Selbstbedienungsladen-Mitarbeiter - befragt worden waren, kam nun einer der Logistik-Verantwortlichen als Zeuge zu Wort. Er gab an, für 350 Mitarbeiter verantwortlich zu sein. "Was uns brennend interessiert, sind die Bruchzahlen", meinte Richter Andreas Rom gleich zu Beginn. "Wenn Bruch entsteht, werden die Scherben entsorgt, dann geht die Meldung an den Kellermeister, der trägt die Menge, das Material und welches Leergebinde es war in eine Liste ein", beschrieb der Zeuge. "Theoretisch", warf der Richter trocken ein. Immerhin sollen die Angeklagten über acht Jahre hinweg mit sogenannter "Bruchware" einen Schaden von 1,7 Millionen Euro verursacht haben. "Nein, auch in der Praxis", wehrte der Logistik-Chef ab. "Wenn die Mitarbeiter das aber nicht so machen, kommen Sie nie drauf!", konnte sich der Vorsitzende nicht verkneifen.

Wenn alles seinen rechten Weg geht, kommt die Bruchware auf den Bruchplatz in einer Halle und wird von einer externen Firma entsorgt. Diese entleert dann die noch gefüllten, aber beschädigten Flaschen in den "Bierkanal" und informiert die Finanz. Der Zeuge gab zu bedenken, dass pro Monat allein 469.000 Kisten Puntigamer Märzen bewegt werden, also verkauft und leer zurückgebracht. Im Zusammenhang mit diesen Dimensionen sei die Bruchware zu sehen, die sich seit dem Auffliegen der Malversationen von 880 Kisten auf 154 im Monat reduziert habe.

Ein "Unternehmen im Unternehmen" 

"Wie konnte verkaufsfähige Ware als Bruchware deklariert werden?", wollte Richter Rom wissen. "Sie reden von einem Unternehmen im Unternehmen. In beiden Hallen haben die Kellermeister Buchungen fingiert, die Hallenverantwortlichen machten mit, die Mitarbeiter im Selbstbedienungsshop auch", schilderte der Befragte. Dabei sei der SB-Shop, von dem aus die Ware abtransportiert wurde, drei Mal wöchentlich kontrolliert worden.

Der Nachbar eines Angeklagte gab als Zeuge bei der Polizei an, in der Garage des Brauerei-Mitarbeiters hätten "extreme Saufgelage" stattgefunden. Er habe auch beobachtet, wie immer wieder Bier angeliefert worden sei. "Was hat der Angeklagte mit den Kisten gemacht?", fragte der Richter. "Weggeräumt, hineingetragen, aufgeladen, ich kann es nicht mehr so genau sagen", wollte er vor Gericht nicht ins Detail gehen.

Schärfere Kontrollen 

Die Kontrolle in der Brauerei ist indes "schärfer geworden". Man habe nun ein Sechs-Augen-Prinzip eingeführt und "wir zählen bestimmte Produkte jetzt täglich", meinte der Zeuge. "Das war ein teures Lehrgeld", resümierte der Richter.

Der Prozess wird laufend fortgesetzt, ein Urteil wird für Ende Mai erwartet.

Quelle: Agenturen / Redaktion