Drahtzieher des Ibiza-Videos verhaftet

11. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Seit einem Jahr wird der Privatdetektiv Julian H. per internationalen Haftbefehlt gesucht. Nun wurde er in Deutschland gefasst. Die Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Medienbericht.

Der Drahtzieher des Ibiza-Videos ist in Deutschland verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Presse" am Freitag. Eine Übergabe an die österreichischen Behörden sei bereits beantragt, sagte eine Sprecherin am Freitag zur "APA". Nun warte man auf die Entscheidung der dortigen Behörden. Wie lange das Übergabeverfahren dauern wird, konnte die Staatsanwaltschaft nicht abschätzen.

Keine weiteren Informationen gab es auf "APA"-Anfrage vom Rechtsvertreter des Festgenommenen, dem Berliner Anwalt Johannes Eisenberg. "Wir können nichts dazu sagen", lautete die Auskunft seiner Kanzlei.

Der Privatdetektiv Julian H. war nach Bekanntwerden des Ibiza-Videos untergetaucht. Ihm werden die illegale Herstellung von Ton- und Filmaufnahmen und der Handel von knapp drei Kilo Kokain zur Last gelegt. H., nach dem über ein Jahr gefahndet worden war, soll die Falle auf Ibiza im Jahr 2017 eingefädelt haben.

Am 23. Oktober war H. via Videokonferenz in einem Prozess gegen einen ehemaligen Sicherheitsberater wegen Kridadelikten und Betrug im Kremser Schwurgerichtssaal als Zeuge zugeschaltet. Er war damals laut der vorsitzenden Richterin über seinen Anwalt erreicht worden. H.s Anwalt Johnny Eisenberg hat seine Kanzlei in Berlin, wie die "Presse" berichtet.

Strache über Festnahme erfreut

Aufgrund des Ibiza-Videos war der damalige FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache zurückgetreten. Die Affäre führte auch zum Bruch der türkis-blauen Bundesregierung im Mai 2019.

Insofern zeigte er sich in einer knappen Stellungnahme über die Festnahme erfreut. "Ich freue mich über die Festnahme nach so langer Zeit und hoffe auf rasche und restlose Aufklärung und auch auf die Aufdeckung der weiteren Mittäter, Auftraggeber und Hintermänner", hieß es am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme an die "APA".

Gudenus wünscht Julian H. "artgerechte Behandlung"

Der ehemalige freiheitliche Spitzenpolitiker Johann Gudenus, der aufgrund des Ibiza-Vidos von allen Funktionen zurückgetreten war und seine FPÖ-Mitgliedschaft zurückgelegt hatte, hat die Festnahme des mutmaßlichen Drahtziehers Julian H. begrüßt. "Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit", sagte er am Freitag zur "APA". Zu Julian H. selbst meinte er: "Ich wünsche ihm eine artgerechte Behandlung."

Trotz des Ermittlungserfolges befürchtet Gudenus allerdings, dass sich die Einvernahme des in Deutschland Festgenommenen erheblich verzögern könnte. Dieser könnte sich gegen das von der Staatsanwaltschaft Wien angestrengten Übergabeverfahren juristisch zur Wehr setzen. Dann könnte es bis zur Einvernahme gut drei Monate dauern, so Gudenus.

 

Der Artikel wurde am 11.12.2020 um 10:01 Uhr um Straches Statement und um 11:08 Uhr um Gudenus Statement erweitert.

Quelle: Redaktion / apb