Bereits 150 Hepatitis-A-Fälle in Neapel
Neapels Bürgermeister Gaetano Manfredi hatte am Donnerstag ein Verbot für den Verzehr roher Meeresfrüchte in Restaurants erlassen. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 20.000 Euro. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in anderen Städten der Region Kampanien ergriffen.
Als mögliche Ursache gilt der Verzehr kontaminierter Muscheln aus dem Gebiet der Phlegräischen Felder, dem Gebiet des Supervulkans südlich von Neapel. Bei Kontrollen wurden mehrere positive Proben festgestellt. Die betroffenen Chargen wurden vom Markt genommen. Experten gehen davon aus, dass sich das Virus inzwischen auch von Mensch zu Mensch übertragen könnte.
Die städtischen Wasserwerke erklärten, das Trinkwasser sei sicher und nicht von der Verunreinigung betroffen. Nach Einschätzung von Fachleuten könnten die ersten Infektionen auf die Zeit nach den Weihnachtsfeiertagen zurückgehen, das Virus hat eine lange Inkubationszeit.
Carabinieri führten Kontrollen durch
Die Bevölkerung wurde aufgerufen, besonders auf Hygiene zu achten, um die Ausbreitung der Epidemie einzudämmen. Die für Lebensmittelsicherheit zuständige Spezialeinheit der Carabinieri NAS leitete eine flächendeckende Kontrollaktion ein, die das gesamte Gebiet umfasst - von gehobenen Restaurants über Fischgeschäfte bis zu den kleineren Märkten.
Hepatitis A ist eine akute Leberentzündung, die vor allem durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen wird. Rohe oder unzureichend gegarte Muscheln gelten als Hauptinfektionsquelle, da sie Viren aus belastetem Wasser anreichern können. Experten empfehlen daher, Meeresfrüchte nur gut durchgegart zu verzehren. Gesundheitsfachleute raten zudem zu gründlichem Händewaschen und zur Vermeidung von Kontaminationen in der Küche. Als effektivste Schutzmaßnahme gilt eine Impfung.
Novella Carannante, Infektiologin am Krankenhaus Cotugno in Neapel, bezeichnet die Lage als "außerhalb der üblichen epidemiologischen Muster" der Region Kampanien. Üblicherweise erreicht die Zahl der Infektionen ihren Höhepunkt im Jänner, oft in Verbindung mit dem Verzehr roher Meeresfrüchte während der Weihnachtsfeiertage. Im März dagegen sind die Fallzahlen normalerweise stark rückläufig, und die meisten Patienten können zu Hause behandelt werden. Dieses Jahr ist das Bild anders: "Wir sehen eine lange Serie schwerer Fälle, die unsere Station ausgelastet haben, sodass wir Betten in der Notaufnahme nutzen mussten", berichtet Carannante.
Zusammenfassung
- In der süditalienischen Region Kampanien wurden seit Jahresbeginn mehr als 150 Menschen wegen Hepatitis A behandelt, wobei die Zahl der gemeldeten Fälle deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre liegt.
- Neapels Bürgermeister hat nach einem sprunghaften Anstieg der Infektionen ein Verbot für den Verzehr roher Meeresfrüchte in Restaurants erlassen, bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 20.000 Euro.
- Als Hauptursache gilt der Verzehr kontaminierter Muscheln aus dem Gebiet der Phlegräischen Felder, und Experten warnen, dass sich das Virus inzwischen auch von Mensch zu Mensch übertragen könnte.
