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Bedrohte Impf-Ärztin tot: Polizei schließt Fremdverschulden aus

29. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Jene oberösterreichische Ärztin, die massiv von Impf-Gegnern bedroht wurde und deshalb ihre Ordination schloss, ist gestorben. Sie wurde laut Medienberichten am Freitag in der Früh in ihrer Praxis aufgefunden.

Die Polizei schließt Fremdverschulden aus. Die Staatsanwaltschaft Wels bestätigte den Tod der Hausärztin Lisa-Maria Kellermayr gegenüber den "OÖ Nachrichten". Man habe keine Obduktion angeordnet. 

Die Staatsanwaltschaft bestätigte einen Suizid. Es seien Abschiedsbriefe gefunden worden, zu deren Inhalt man nichts sagen wollte. 

Praxis nach Drohungen geschlossen

Die Praxis von Kellermayr in Seewalchen am Attersee ist seit Ende Juni geschlossen, Mitte Juli gab die Medizinerin bekannt, dass der Beschluss endgültig sei. Die praktische Ärztin begründete das mit Morddrohungen, die ständig auf sie und ihre Mitarbeiter eingeprasselt seien. Sie habe "die Reißleine zu spät gezogen" und könne "keine Perspektive bieten, ob oder wann es für uns möglich sein wird unter normalen Umständen zu arbeiten".

Die Arbeitsbedingungen der letzten drei Monate seien niemandem zuzumuten, sagte sie auf Twitter Mitte Juli. Außerdem bedankte sich die Ärztin für den Zuspruch und das Mitgefühl der Öffentlichkeit. 

Monatelang wurde Kellermayr von Covid-Maßnahmengegner belästigt, teils wurden sie und ihr Team mit dem Tod bedroht. Sie gab 100.000 Euro für Schutzmaßnahmen aus. "Niemand hat mir geholfen", sagte sie gegenüber PULS 24. 

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Staatsanwaltschaft Wels stellte Ermittlungen ein

Die Staatsanwaltschaft Wels hatte im Juni das Ermittlungsverfahren gegen einen deutschen Verdächtigen eingestellt mit der Begründung, man sei nicht zuständig, sondern deutsche Behörden. Eine Hacker-Aktivistin machte allerdings zwei Deutsche ausfindig, die Droh-E-Mails verfasst haben sollen.

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In Österreich ermittelt die Polizei weiter gegen unbekannte Täter, weil davon auszugehen sei, dass die Vorwürfe mehrere Personen betreffen, wie es seitens der Ermittler heißt. An diesen Ermittlungen ändere auch der Tod der Frau nichts, man warte nach wie vor auf den Abschlussbericht der Polizei, so eine Staatsanwaltschaftssprecherin.

Gesundheitsminister bestürzt

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), dessen Rücktritt die Ärztin vor zwei Tagen noch gefordert hatte, reagierte bestürzt auf die Nachricht vom Tod der Ärztin: Sie habe "ihr Leben der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer gewidmet. Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden waren brutale Realität. Hass gegen Menschen ist unentschuldbar. Dieser Hass muss endlich aufhören", schrieb er auf Twitter.

Die Journalistin Ingrid Brodnig twitterte neben Beileidswünschen: "Auch die Exekutive soll das eigene Handeln oder Nicht-Handeln in diesem Fall aufklären müssen." Die Polizei war im Zuge der Ermittlungen in die Kritik geraten, zu wenig getan zu haben.

Ein Sprecher der Landespolizeidirektion Oberösterreich wies dies gegenüber der APA zurück: Man sei seit November in ständigem Austausch mit der Ärztin gewesen und habe versucht ihr Schutz zu bieten. Man habe "alles getan, was möglich ist", sowohl was Sicherheit als auch was die Ermittlungen betreffe. Letztere seien noch im Laufen, bestätigte er.

Am Montag ist eine Gedenkveranstaltung für Kellermayr in Wien geplant. Daniel Landau, Organisator und Initiator von #YesWeCare, gab auf Twitter bekannt, eine Veranstaltung für 20 Uhr am Stephansplatz angemeldet zu haben.

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Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam