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Aufregung um ÖBB-Studie zu Gleisausbau im Rheintal

30. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Die Variantenstudie zum Bahnausbau für das Untere Rheintal stößt in Vorarlberg auf Widerstand, noch bevor sie überhaupt vorgestellt wurde. Erste Zwischenergebnisse, die am Montag den Bürgermeistern und Verkehrssprechern präsentiert werden sollen, sickerten durch und sorgen seither für Aufregung. Laut Berichten in Vorarlberger Medien soll darin einer von den betroffenen Gemeinden favorisierten Unterflur-Lösung eine Absage erteilt werden.

In Zusammenhang mit dem Zielnetz-2040-Prozess luden ÖBB, Land und Verkehrsministerium (BMK) die Bürgermeister der Gemeinden Bregenz, Wolfurt, Lauterach, Lochau, Hörbranz, Hard (alle Bez. Bregenz) und Lustenau sowie die Landtag-Verkehrssprecher zu einem Termin am kommenden Montag ins Landhaus. Laut Medienberichten wird dabei die Untersuchung von Varianten eines mehrgleisigen Ausbaus in "Niveaulage", also oberirdisch, empfohlen. Dass das bestehende Gleis oberirdisch, ein neues unterirdisch verlaufen soll ("Hybridlage"), ist demnach ebenso vom Tisch wie eine Unterflur-Führung ("Tieflage").

Eine Endversion der Präsentation zur Variantenstudie existiere zurzeit noch nicht, so der zuständige Landesrat Daniel Zadra (Grüne) am Donnerstag, "und ich sehe überhaupt keinen Grund, halb- oder dreiviertelfertige Ergebnisse zu kommentieren". Nach der Präsentation werde man die Zwischenergebnisse offen und konstruktiv diskutieren. Auch die ÖBB wollten dazu vorerst nicht Stellung nehmen. Man stehe zum mit den Partnern vereinbarten Weg, hieß es mit Verweis auf eine geplante Öffentlichkeitsinformation nach dem Treffen am Montag.

Beredter gaben sich die Ortschefs der betroffenen Gemeinden. So sah der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ) schon den Güterverkehr zweigleisig durch die neu gestaltete Naherholungszone Pipeline rollen. Das werde die Bevölkerung nicht akzeptieren, so Ritsch gegenüber Vorarlberger Medien und stellte heftigen Widerstand in Aussicht. Ritsch hatte sich mit den Bürgermeistern von Lochau, Hörbranz, Wolfurt und Lauterach zur IG "Unterirdischer Bahntrassenausbau im Großraum Bregenz" (IGUB) zusammengeschlossen, um eine Unterflurlösung zu verfechten.

IG-Sprecher Elmar Rhomberg (ÖVP), Bürgermeister von Lauterach, betonte bereits im Mai, man sei für einen Bahnausbau, verlange aber als massiv betroffene Standortgemeinden eine "ernsthafte Auseinandersetzung" mit einer Unterflur-Lösung. Eine unterirdische Führung der Trasse war laut der IG bereits 2003 in einer von der ÖBB, Bund, Land und Stadt Bregenz beauftragten Erhebung favorisiert worden, eine Vorstudie hätte 2021 die technische und finanzielle Machbarkeit sowie raumplanerische Vorteile bestätigt, so die Bürgermeister.

"Sollte die Unterflurlösung tatsächlich abgesagt werden, wäre dies eine reine Zukunftsverweigerung", so NEOS-Verkehrssprecher Gary Thür. Ein oberirdischer Ausbau wäre "eine vertane Chance", so auch die IV Vorarlberg. Die ÖBB zögen selbst eine Enteignung von privaten Grundstücksbesitzern in Betracht, Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) müsse "schleunigst die Notbremse ziehen", forderte Reinhold Einwallner seitens der SPÖ.

Laut einer Studie zum Bahnausbau wird im Zeithorizont 2040 ein zweites Bahngleis zwischen Bregenz-Hafen und Lochau-Hörbranz nötig sein, ebenso ein drittes Gleis zwischen Bregenz und dem Güterbahnhof Wolfurt bzw. Lauterach-Nord, zudem ein zweites Gleis zwischen Hard und Lustenau. Über 2050 hinaus sehen Konzepte auch einen weiteren Ausbau der Bahnhöfe Bregenz-Hafen und Lochau-Hörbranz vor.

Quelle: Agenturen