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Aufgeheizte Stimmung nach Kickl-Rede bei Corona-Demo in Wien

11. Dez. 2021 · Lesedauer 5 min

Die FPÖ rief zur Demo gegen die Corona-Maßnahmen auf, etwa 44.000 Menschen kamen am Samstag in die Wiener Innenstadt. Die Polizei meldete Festnahmen und Angriffe auf Journalisten.

Insgesamt 32 Versammlungen wurden bei der Polizei für Samstag angemeldet, sieben davon wurden allerdings untersagt, eine aufgrund eines Formalfehlers zurückgewiesen. Die von den Freiheitlichen angekündigte "Mega-Demo" mit Parteichef Herbert Kickl hatte ihren Ausgangspunkt zu Mittag am Heldenplatz. Kickl wie auch andere Veranstalter erwarteten mehrere Tausend Teilnehmer, rund 44.000 sollen der Aufforderung gefolgt sein, Kickl selbst sprach in einer Aussendung von "rund 100.000". 

Die Demo wurde um 18 Uhr offiziell beendet und löste sich langsam auf. Die Wiener Polizei kontrollierte laut einem Twitter-Posting mit den Wiener Linien anschließend die Einhaltung der Maskenpflicht in den Öffis. 

PULS 24 Chronik-Chefreporterin Punz nach Demo-Ende umzingelt

Punz, die mit Personenschutz vor Ort war, wird bei der Berichterstattung nach der Demo eingekreist. Demonstranten versuchten sie mit Pfiffen und "Lügenpresse"-Rufen zu übertönen.

Bereits gegen Mittag war der Zulauf am Heldenplatz rege. Zahlreiche Slogans auf den Transparenten, Tafeln oder Aufklebern widmeten sich der - von den Teilnehmern sichtlich rigoros abgelehnten - Impfpflicht. "Nein zum Impfzwang" war vermutlich am häufigsten zu lesen. Auch die Forderung "Hände weg von unseren Kindern" war sehr präsent. Auf zahlreichen Tafeln und Stickern wurde auch der Rücktritt der Regierung urgiert. 

Nachdem es sich auch um eine FPÖ-Kundgebung handelte, waren naturgemäß auch Werbemittel der Freiheitlichen präsent. Geschwenkt wurden weiters rot-weiß-rote Fahnen genauso wie jene der Bundesländer. Auch an den verschiedenen Dialekten in der Schar der Demonstranten war zu erkennen, dass zahlreiche Teilnehmer aus anderen Landesteilen angereist waren.

FPÖ-Abgeordneter Michael Schnedlitz spricht im PULS 24 Interview über seine Teilnahme an der Corona-Demonstration in Wien. 

Mit Trillerpfeifen und Trommeln machte man auch akustisch auf das Anliegen aufmerksam. Skandiert wurde zudem wiederholt "Wir sind das Volk". Auch eine "neue Hymne für die Freiheit" erschallte aus den Lautsprechern. Die Polizei berichtet von ersten Angriffen auf Medienvertreter. Einmal mehr wurde die Masken-Tragepflicht weitgehend ignoriert. Zwar gab es Durchsagen der Polizei, in denen auf die Gesetzeslage verwiesen wurde, eingehalten wurden die rechtlichen Bestimmungen von vielen Personen aber nur, wenn Exekutivbeamte in der Nähe waren. Sobald die Polizei nicht mehr zu sehen war, wurden die Maske oft wieder eingesteckt. 

Festnahmen und Anzeigen

Deshalb kam es laut Polizei auch zu mehreren Anzeigen. Auch wegen der Verwendung von Pyrotechnik wurde angezeigt. Zudem nahm die Exekutive drei Personen fest, unter anderem aufgrund des Verbotsgesetzes bzw. aufgrund eines mutmaßlichen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt. Mehrere Identitäts-Feststellungen seien durchgeführt worden.

Kickl-Rede am Nachmittag

Manche hätten noch nicht begriffen, dass sie von einer Regierung "verarscht" und in den "Hintern getreten" würden, da man ihnen eine Karikatur von Freiheit für die echte anbiete, kritisierte der FPÖ-Chef in seiner Rede Lockdown und Impfpflicht. Man würde, so beteuerte er, auch für jene kämpfen, die das doch nicht "gneißen" würden: "Das ist unsere Form der Solidarität."

Kickl zeigte sich überzeugt, dass es jeden Tag mehr würden, die gegen die Maßnahmen auftreten würden. "Neun Millionen, das sind wir, auch wenn der eine oder der andere noch auf sein Erweckungserlebnis warten muss." Die Aktionen würden noch so lange dauern, bis die Regierung "vor die Hunde" gehe: "Wir alle können dazu einen Beitrag leisten."

Kickl an Köstinger: "Mist im Kopf"

Erbost zeigte sich Kickl darüber, dass "eine Frau Köstinger" (Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, ÖVP, Anm.) ihm ausrichten habe lassen, dass an seinen Händen Blut klebe. "Also ehrlich, seht ihr irgendetwas? Wer mir ausrichtet, dass ich Blut an den Händen habe, dem richte ich aus, dass er nur Mist im Kopf hat." Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) wurden wiederum als "Möchtegern-Feldwebel" und "Frankenstein" tituliert.

Die Regierung weise eine katastrophale Leistungsbilanz auf, konstatierte der Chef-Blaue. Gefahren werde eine Strategie der "Entmenschlichung". "Die Regierung macht so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Es kann keinen Kompromiss geben zwischen Zwang und Freiheit."

Neben Kickl ergriffen auch andere FPÖ-Vertreter sowie umtriebige Maßnahmengegner wie Martin Rutter das Wort. Anschließend war ein Protestmarsch am Ring angesetzt.

Vogl: Kickl-Rede bei Demo war "martialisch"

1.400 Polizisten im Einsatz

Die Wiener Polizei ist an diesem Samstag mit rund 1.400 Beamten im Einsatz. Neben Kräften für den Ordnungsdienst und Objektschutz sind auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Verfassungsschutzes und des Landeskriminalamtes im Einsatz, wie vorab angekündigt wurde. 

Die Wiener Polizei stellt am Samstag auch wieder zwei Kontaktbeamte für Medienvertreter und Medienvertreterinnen zur Verfügung. Diese sollen vor allem bei Fällen von Störaktionen gegen die journalistische Arbeit oder auch bei Wahrnehmungen von strafbaren Handlungen kontaktiert werden. 

Am vergangenen Wochenende nahmen laut Polizei rund 42.000 Menschen an den Protesten teil. Es kam zu zahlreichen Strafen wegen Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen. Rechtsextreme durchbrachen Polizeisperren, es gab auch Festnahmen.

Demos auch in Klagenfurt und Linz

Auch in Klagenfurt wurde am Samstag demonstriert. Bis zu 2.500 Personen haben sich dort laut Polizei versammelt. Die Teilnehmer hatten neben Schildern mit altbekannten Slogans auch Kuhglocken, Kochtöpfe oder Trillerpfeifen mitgebracht. Angeführt von einem Traktor mit leistungsfähigen Boxen auf dem Anhänger ging es quer durch die Stadt bis zum ORF und weiteren Medienunternehmen, wo die Teilnehmer ihrem Unmut über ihrer Meinung nach nicht wahrheitsgemäße Berichterstattung Luft machten.

Mit der von der Polizei mehrmals durchgesagten Maskenpflicht nahmen es nur wenige Demonstrationsteilnehmer genau. Zu Zwischenfällen war es bis zum Nachmittag nicht gekommen.

In Linz waren Samstagnachmittag rund 150 Corona-Demonstranten unterwegs, wie die oberösterreichische Polizei mitteilte. Vorfälle habe es keine gegeben.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa