Weidinger: In rechten Kreisen gab es immer schon Wissenschaftsfeindlichkeit

11. Dez 2021 · Lesedauer 2 min

Bernhard Weidinger, Rechtsextremismusforscher vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, spricht im PULS 24 Interview über die Corona-Demos und ihre Teilnehmer. Terrorismusexperte Nicolas Stockhammer warnt vor Eskalationspotenzial.

Bei der Größe der Demonstrationen müsse man von einem diversen Publikum ausgehen, sagt Bernhard Weidinger. Dennoch falle auf, dass Rechtsextreme an den Corona-Demonstrationen teilnehmen, ganz vorne weggehen, die auffälligsten Plakate hätten und auch an der Organisation maßgeblich beteiligt seien. 

Die Rechtsextremen seien auf den "Corona-Zug" aufgesprungen, weil sie die Proteste als Vehikel für ihre Interessen sehen, weil sie dort ihre Ideen transportieren oder rekrutieren und mobilisieren können. Es gebe auch welche, die aus Überzeugung mitmachen. Wissenschaftsfeindlichkeit habe es in der Rechten immer schon gegeben. Der FPÖ gehe es um Wähler, die man dort gewinnen möchte. Gehe man auf eine solche Demonstration, treffe man eine bewusste Entscheidung, auf FPÖ-Demonstrationen und an der Seite von Identitären zu gehen, so Weidinger.

Relativierung des Nationalsozialismus

Demonstranten würden die Impfung und den Grünen Pass mit dem Nationalsozialismus vergleichen - das ist eine Bagatellisierung des Nationalsozialismus, sagt Weidinger. Dadurch möchte man sich als Opfer inszenieren, schändet damit aber das Andenken an die Opfern des Nationalsozialismus und entlastet und verharmlost die Täter. 

Oftmals werde von Corona-Demonstranten auch angeführt, dass eben die Stärkeren überleben würden. Dieses "surivival of the fittest" sei Bestandteil des rechten Denkens, sagt Weidinger. Das komme aber auch in liberalen Kreisen vor. Dem entgegenzuhalten sei, dass es ein Merkmal der menschlichen Zivilisation sei, dass die Stärkeren Solidarität mit den Schwächeren zeigen.

Stockhammer zu den Corona-Demos: "Eskalation kann man nie ausschließen"

Nicolas Stockhammer, Terrorismus-Experte von der Donau-Uni Krems, warnt ebenfalls davor, dass man Eskalation bei diesen Demonstrationen nie ausschließen könne. Das Gefühl, in der Masse untertauchen zu können, könne Gewalt bestärken. An den Demos würde auch Hooligans teilnehmen, die auf Gewalt aus seien. Auch abseits der Demos müsse man sich nun Sicherheitskonzepte für Spitäler und Impfboxen überlegen, so Stockhammer.

Quelle: Redaktion / koa