Anwälte der Morettis sehen Brand als tragischen Unfall
Fast zwei Monate nach den Ereignissen in der Bar kontaktierten Yaël Hayat, Nicola Meier und Patrick Michod das Walliser Medium. Ziel sei es, "eine Reihe von Unwahrheiten richtigzustellen, ohne den Inhalt der Akten offenzulegen". Die Verteidiger prangerten im Interview Indiskretionen an: Fast zwei Monate nach den Ereignissen beobachte man ein Abgleiten, stellte Hayat fest. Emotionen seien legitim, "aber sie dürfen nicht auf Kosten der Vernunft zum Schwerpunkt werden".
Ermittlungsergebnisse würden selektiv und parteiisch veröffentlicht, was ein Problem darstelle. "Sie tragen zu dem Eindruck bei, dass die Morettis bestimmte Dinge verbergen wollen, was völlig falsch ist", sagte Michod.
Die wichtigste Wahrheit, die es wieder hervorzuheben gelte, sei, dass das Drama am Neujahrstag ein Unfall gewesen sei, so die Anwälte. "Und wenn wir von einem Unfall sprechen, bedeutet das, dass niemand diese Tragödie gewollt hat (...). Das bedeutet nicht, dass keine Verantwortung festgestellt werden muss, aber es bedeutet, dass dieses Drama unbeabsichtigt war."
Einige Opferanwälte forderten nach dem Drama, dass das Ehepaar Moretti wegen eventualvorsätzlicher Tötung strafrechtlich verfolgt werden solle. Falsche Informationen stifteten in diesem Zusammenhang Verwirrung, kritisierte Hayat. Als Beispiel führte sie die Darstellung an, wonach Jessica Moretti mit der Kassa unter dem Arm geflohen sei, ohne den Verletzten Hilfe zu leisten.
"Die Scheinwerfer sind heute auf das Ehepaar Moretti gerichtet, wir verlangen nicht, dass sie ausgeschaltet werden", sagte Meier. Man wolle aber auch die mögliche Verantwortung anderer Personen beleuchtet sehen.
Tumulte nach Verhör des Paares
Für die Verteidiger erklärt die Verbreitung falscher Informationen zum Teil die Vorgänge während der Verhöre des Ehepaars Moretti vor zwei Wochen. Die Eheleute wurden am 11. und 12. Februar in Sitten befragt. Die Morettis verliessen danach das Gebäude in Begleitung ihrer Verteidiger und fanden sich inmitten einer Menschenmenge aus Medienvertretern, aber auch Angehörigen der Opfer wieder - und wurden von diesen teils verbal angegangen.
Angesichts der trauernden Familien hätte das Benutzen einer Hintertür als respektlos aufgefasst werden können, erklärte Michod. Das habe man nicht gewollt. Seine Kollegen bekräftigten im Interview, dass die Morettis seit Beginn des Verfahrens nie die Absicht gehabt hätten, sich zu verstecken. Die Vorgänge in Sitten seien nicht vorhersehbar gewesen, sind sich die drei Anwälte einig.
Lehren für die Zukunft
Nun gelte es, daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. "Es besteht sicher ein Bewusstsein dafür, dass man gegenüber dem Ehepaar Moretti zu weit gegangen ist, indem man die beiden als Mörder bezeichnet hat", bemerkte Meier. Trotz der Ereignisse sei das Paar weiterhin offen für Treffen und Gespräche mit den Familien unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Was die Familien erwarteten, seien klare Antworten darauf, was passiert sei, sagte Michod: "Jede falsche Information, die in der Presse verbreitet wird, untergräbt jedoch diese Möglichkeit: Sie lenkt den Verdacht unnötigerweise auf das Verhalten von Jacques und Jessica Moretti, die bei den Ermittlungen voll und ganz kooperieren. Jedes Mal, wenn eine falsche Information widerlegt werde, zerstöre dies das Vertrauen in die Ermittlungen selbst: "Genau aus diesem Grund schreiten wir heute ein."
Das Verfahren dürfte mindestens fünf Jahre dauern, schätzte Michod. Als Grund dafür nannte er die große Zahl an Verfahrensbeteiligten.
Zusammenfassung
- Die Anwälte des Ehepaars Moretti betonen, dass der Brand in der Bar 'Le Constellation' in Crans-Montana am Neujahrstag ein tragischer Unfall war und warnen vor einer Instrumentalisierung der Ereignisse.
- Das Strafverfahren gegen das Ehepaar wird voraussichtlich mindestens fünf Jahre dauern, da viele Beteiligte involviert sind und die Anwälte weiterhin auf vollständige Aufklärung und Gespräche mit den Opferfamilien setzen.
