APA - Austria Presse Agentur

Angeblicher Sputnik V-Mitentwickler wegen Betrugs in Wien vor Gericht

23. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

Ein russisch-armenischer Wissenschaftler muss sich in Wien wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Er soll die Sozialversicherung um 2,3 Millionen Euro betrogen haben.

Am Dienstag hat am Wiener Landesgericht der Prozess eines russisch-armenischer Arztes und Wissenschaftlers wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs begonnen. Der 65-Jährige soll gemeinsam mit einem mitangeklagten Dienstleister in großem Stil und mit einem ausgeklügelten System die Sozialversicherung betrogen haben.

In Entwicklung von Sputnik V eingebunden gewesen 

Der Mann, der seit seit sieben Monaten in Wien in U-Haft sitzt wies die gegen ihn gerichteten Vorwürfe vehement zurück und gab dem Schöffensenat von Beginn an zu verstehen, er habe es nicht nötig, krumme Dinger zu drehen. Er sei "bekannter Arzt und Professor", habe sich ein Vierteljahrhundert seiner Ausbildung gewidmet und bisher 3.000 Operationen durchgeführt. Dabei sei er "eher Wissenschafter. Ich beschäftige mich mit Impfungen gegen Krebs und gegen Viren", ließ der Mann die Dolmetscherin übersetzen. So sei er in die Entwicklung einer Vorstufe des russischen Anti-Corona-Impfstoffs Sputnik V eingebunden gewesen, behauptete der Angeklagte.

Gesamtschaden von 2,3 Millionen Euro 

Der Staatsanwalt sah dagegen in ihm in erster Linie einen gerissenen Betrüger. Der Mann habe es verstanden, ein System zu entwickeln, mit dem sich Dutzende Schwerkranke aus der ehemaligen Sowjetunion in Österreich auf Kosten des Steuerzahlers behandeln lassen konnten. Die Anklage geht von einem Gesamtschaden von 2,3 Millionen Euro aus, der Tatzeitraum umfasst die Jahre 2012 bis 2020.

Die Anklage geht davon aus, dass der Arzt den Mitangeklagten - einen 54-jährigen Bürodienstleister - etliche Kommanditgesellschaften gründen ließ. Die Kranken wurden als Kommanditisten eingetragen, wobei laut Anklage fälschlicherweise vorgegeben wurde, sie würden für die Gesellschaften Tätigkeiten verrichten. Mit dieser Begründung ließ sich eine Versicherung im österreichischen Sozialversicherungssystem erwirken, wobei in etlichen Fällen Kinder mitversichert wurden, die einer medizinischen Behandlung bedurften, weil sie zum Beispiel an Krebs erkrankt waren.

"Das Ganze war eine Täuschung", betonte der Staatsanwalt. Die Versicherten hätten in Wahrheit nie eine berufliche Tätigkeit für die Gesellschaften entfaltet: "Der einzige Zweck war, dass sie bzw. ihre Kinder in Österreich eine Behandlung bekommen." Der armenischstämmige Arzt habe das Ganze auch auf einer eigens eingerichteten Homepage beworben, den Krankentransport und die Behandlungen organisiert und als Dolmetscher fungiert.

Quelle: Agenturen / apb