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3,3 Millionen Menschen leiden in Nordkenia an akutem Hunger

Heute, 10:36 · Lesedauer 2 min

Eine schwere Dürre hat den Norden Kenias erfasst. 3,3 Millionen Menschen sind laut der Hilfsorganisation CARE von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Diese Daten aus einer IPC-Analyse (Integrated Food Security Phase Classification) bedeuten demnach einen Anstieg um 52 Prozent innerhalb eines Jahres. Für 400.000 Menschen geht es akut um Leben oder Tod: Sie brauchen dringend lebensrettende Hilfe.

Weil es zuletzt kaum Niederschlag gab, herrscht im Norden des Landes eine schwere Dürre, so CARE. Wasserlöcher würden austrocknen, Vieh verenden, was wiederum Familien gefährdet, deren Einkommen und Überleben von ihren Herden abhängt. Die Bevölkerung in den Bezirken Mandera, Marsabit und Turkana sei akut vom Verhungern bedroht, so die Hilfsorganisation. So sei jedes dritte Kind in der Region betroffen.

Von der Dürre ist auch Dadaab, seit langem eines der größten Flüchtlingscamps der Welt mit über 400.000 Menschen, betroffen. Mehr als die Hälfte der Geflüchteten leidet laut CARE unter schwerem Hunger, 86 Prozent müssen die Anzahl täglicher Mahlzeiten reduzieren. Die Dürre treffe damit Menschen, die durch Hilfskürzungen im vergangenen Jahr bereits massiv geschwächt sind. Die Nahrungsmittelhilfe wurde um 68 Prozent gekürzt, die tägliche Wasserzuteilung halbierte sich auf zehn Liter pro Person. Die humanitäre Hilfe liege auf dem niedrigsten Niveau in Dadaabs 35-jähriger Geschichte.

Die Hungerkrise in Kenia geschehe vor dem Hintergrund sinkender Finanzierung für humanitäre Hilfe. Hilfsorganisationen in der gesamten Region seien gezwungen gewesen, Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme und medizinische Notversorgung zu kürzen - und damit genau jenen Schutzschirm abzubauen, der eine Eskalation von Hungerkrisen verhindern soll. CARE warnte, dass jede Verzögerung von Hilfsmaßnahmen und die Kürzungen sowohl menschliches Leid als auch die Kosten der Hilfe erhöhen. "Darauf zu warten, dass die Hungersituation katastrophale Ausmaße annimmt, bevor gehandelt wird, ist unvorstellbar", sagte Getrude Misango, CARE-Länderdirektorin in Kenia.

Die Hilfsorganisation ist nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten in der Region aktiv. Mit lokalen Partnern setzt CARE Bohrlöcher, Leitungen und solarbetriebene Wassersysteme instand. Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen werden auf Mangelernährung untersucht und gezielt versorgt. Außerdem kümmert sich die Hilfsorganisation um sichere Räume und Schutzmaßnahmen vor Ausbeutung und Gewalt für Frauen und Mädchen.

(S E R V I C E - weitere Informationen und Spenden unter www.care.at )

Zusammenfassung
  • 3,3 Millionen Menschen im Norden Kenias sind laut CARE akut von Hunger betroffen, was einen Anstieg um 52 Prozent innerhalb eines Jahres bedeutet.
  • Im Flüchtlingscamp Dadaab, wo über 400.000 Menschen leben, leiden mehr als die Hälfte unter schwerem Hunger, 86 Prozent mussten die Anzahl der täglichen Mahlzeiten reduzieren und die Nahrungsmittelhilfe wurde um 68 Prozent gekürzt.
  • CARE warnt, dass Verzögerungen und Kürzungen bei der humanitären Hilfe das menschliche Leid und die Kosten weiter erhöhen, während die Versorgung in Dadaab auf dem niedrigsten Stand seit 35 Jahren ist.