13-Jähriger abgeschoben: Sein Tischtennisverein will Hussein zurückholen

17. Feb. 2022 · Lesedauer 2 min

Am Dienstag wurden der 13-Jährige und seine Familie nach Aserbaidschan abgeschoben. Nun will sich der Tischtennisverein des Nachwuchstalents dafür einsetzten, dass Hussein wieder nach Österreich darf.

"Wir werden alles tun, damit er bald wieder da ist", sagt Walter Windischbauer, Vize-Obmann des UTTC Salzburg und Husseins Tischtennistrainer. Der Verein strengt sich an, damit der 13-jährige Nachwuchsspieler Hussein, der am Dienstag abgeschoben wurde, wieder nach Österreich zurückkommen darf. In Salzburg versuche man, dass der Fall auf politischer Ebene neu aufgerollt wird.

"Wie Tiere behandelt"

Hussein lebt seit sechs Jahren mit seiner Familie in Österreich und spricht fließend Deutsch. Seine Eltern sind wegen Schwierigkeiten mit privaten Kreditgebern aus Aserbaidschan geflüchtet. Vor der Abschiebung wurde die Familie ins Schubhaftzentrum nach Wien gebracht. Dort "werden sie behandelt wie die Tiere", berichtete sein Trainer über ein Telefonat mit dem 13-Jährigen.

Das Innenministerium gibt auf PULS 4 Anfrage an, dass aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erteilt werden kann. "Wir können aber jedenfalls versichern, dass es in jedem Einzelfall zu einer sehr genauen und objektiven Prüfung des relevanten Sachverhaltes kommt", heißt es dazu im Statement.

"Familie keine Belastung für Staat"

"Sein Lebensmittelpunkt war hier in Österreich, während er keine Anknüpfungspunkte mehr an Aserbaidschan hat. Gleiches gilt für die Mutter", kritisiert Katharina Glawischnig, Expertin für Kinderflüchtlinge und Asylkoordination, im PULS 4 Interview. Die Familie stelle daher für den Staat keine Belastung dar. "Ein Kind, dass fast die Hälfte seines Lebens hier verbracht hat, gut integriert ist und hervorragend Deutsch spricht. Warum wird das abgeschoben?"

"Das Kindeswohl spricht hier ganz eindeutig dafür, dass der Bub in Österreich bleiben kann", sagt auch Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs. Hussein könne zurzeit allerdings nur durch ein Schülervisum zurück nach Österreich kommen - seine Mutter müsse in Aserbaidschan bleiben, fügt Griss an. "Ansonsten gibt es keinen rechtlichen Weg", so die Vorsitzende der Kindeswohlkommission.

Tina wartet nach Rückkehr auf Visum

Ein ähnliche Vorgehensweise wählte auch die 13-jährige Tina, die vor einem Jahr mit ihrer Mutter und Schwester nach Georgien abgeschoben wurde. Tagelang protestierten damals Lehrerinnen und Lehrer, Freundinnen und Freunde, aber auch Teile der Bevölkerung gegen die Abschiebung. Tina ist inzwischen wieder in Wien und hat inzwischen ein Schülervisum bei der MA 35 eingebracht. 

Mehr dazu: 

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea