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100 Millionen Medikamente gegen Trachom in Äthiopien

29. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

25 Krankheiten listet die Weltgesundheitsorganisation als "vernachlässigte Tropenkrankheiten" auf. Das reicht von Lepra über Bilharziose und Dengue-Fieber bis zu Schlangenbissen. "Vernachlässigt" werden sie genannt, weil sie überwiegend Menschen in Armut treffen und damit deren prekäre Lebensumstände noch verschärfen. Gegen die ebenfalls vernachlässigte und unbehandelt blind machende Krankheit Trachom gibt es Erfolge: "Licht für die Welt" will sie in Äthiopien ausrotten.

Und diesem Ziel, das bis 2030 erreicht sein soll, kommt die Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen immer näher. Mittlerweile wurden 100 Millionen Medikamente in dem ostafrikanischen Land gegen die Krankheit verteilt.

Trachom ist eigentlich zum Glück relativ leicht zu behandeln, aber dies muss getan werden. "Dank einer klaren Vision, starken Partnerschaften und großartigen Unterstützerinnen und Unterstützern aus Österreich trägt 'Licht für die Welt' maßgeblich dazu bei, die blindmachende Infektionskrankheit Trachom in Äthiopien zu eliminieren", sagte Alex Buchinger, Geschäftsführer von "Licht für die Welt Österreich", anlässlich des Internationalen Tages der vernachlässigten Tropenkrankheiten am 30. Jänner, fest. Damit werde auch ein wichtiger Beitrag geleistet, um das Menschenrecht auf Gesundheit zu verwirklichen.

"Die Veränderung ist bemerkenswert. Vor der Unterstützung durch 'Licht für die Welt' lag die Prävalenz von Trachom in der Bevölkerung bei etwa 40 Prozent. Durch konsequente Medikamentenverteilungen, Hygieneaufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ist dieser Wert auf fünf Prozent gesunken", sagte Terefa Hilu, Experte für vernachlässigte Tropenkrankheiten in Mekoni, einer Stadt im Norden Äthiopiens. Liegt die Prävalenz unter fünf Prozent, ist Trachom laut der NGO kein signifikantes Gesundheitsproblem mehr. In vielen Teilen Nordäthiopiens ist die Prävalenz aber noch über fünf Prozent. Vor allem durch die bewaffneten Auseinandersetzungen bis 2022 sei die Verbreitung der Krankheit wieder gestiegen, so "Licht für die Welt".

Insgesamt gibt es aber gute Nachrichten: Laut der NGO sind erstmals in der Geschichte weltweit weniger als 100 Millionen Menschen in Gefahr, ihr Augenlicht wegen Trachom zu verlieren. 2022 waren noch 1,5 Milliarden bedroht. In 27 Ländern konnte Trachom bisher als Problem der öffentlichen Gesundheit beendet werden. Zuletzt haben Ägypten und Fidschi bekannt gegeben, Trachom als Problem der öffentlichen Gesundheit in ihren Ländern eliminiert zu haben.

Wimpern zerkratzen die Hornhaut

Trachom ist eine bakterielle Augenentzündung der Bindehaut, die es in Österreich nicht gibt. Betroffen sind vor allem Menschen, die keine oder schlechte Gesundheits- und Hygieneversorgung haben. Sie leben ohne fließendes Wasser und Sanitäranlagen. Die Chlamydien-Bakterien verbreiten sich von Mensch zu Mensch und über eine Fliege, die sich auf den Augen, dem Mund oder der Nase niederlässt. Kinder sind besonders von Trachom betroffen. Weil Frauen sich überwiegend um die Kinder kümmern, werden sie viel häufiger angesteckt als Männer.

Es ist die Hauptursache für Blindheit durch eine ansteckende Krankheit . Die WHO schätzt, dass 1,9 Millionen Menschen nach einer Infektion mit Trachom erblindet sind und zwei Millionen eine augenlichterhaltende Operation benötigen. Rechtzeitig entdeckt, ist Trachom mit Antibiotika leicht zu behandeln. Unbehandelt vernarbt das Augenlid, die Wimpern drehen sich nach innen und zerkratzen die Hornhaut. Bekommen Patientinnen und Patienten keine Operation, werden sie unter großen Schmerzen blind. Bei jedem Augenaufschlag kratzen die nach innen gewölbten Wimpern über die Augäpfel. Täglich blinzelt jeder Mensch bis zu 14.500 Mal.

SAFE-Strategie der WHO gegen Trachom

Bei der OP wird den Patienten das Augenlid aufgeschnitten und die Wimpern wieder nach außen gestülpt. So wird verhindert, dass die Hornhaut weiter zerkratzt wird. Die Operation ist auch Teil der von der WHO propagierten SAFE-Strategie zum Kampf gegen das Trachom, wenngleich das letzte Mittel.

Neben der Surgery (Operation) umfasst das Programm die Behandlung mit Antibiotika, Facial cleanliness (Gesichtshygiene) und Environment (Umwelt/Umgebung). Antibiotika werden groß angelegt für ganze betroffene Gemeinden verteilt. Dabei müssen ein Mal pro Jahr in drei bis fünf Jahren in Folge Medikamente in der gleichen Region verteilt werden. Die Arznei stoppt die Krankheit sehr schnell. Nimmt man es vor einer Infektion, hilft es, Trachom gänzlich zu verhindern. Solche Großverteilungen bergen aber einen enormen logistischen Aufwand in sich. Bei der Gesichtshygiene haben die Experten Verhaltensänderungen beim Waschen im Sinne, es gibt auch Informationen zur Sauberkeit. Beim "Environment" geht es um Zugang zu sauberem Wasser und Waschgelegenheiten.

Zusammenfassung
  • Die Organisation 'Licht für die Welt' hat in Äthiopien mittlerweile 100 Millionen Medikamente gegen die bakterielle Augenkrankheit Trachom verteilt, mit dem Ziel, diese bis 2030 im Land zu eliminieren.
  • Durch konsequente Medikamentenverteilungen, Hygieneaufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ist die Prävalenz von Trachom in Teilen Äthiopiens von etwa 40 auf fünf Prozent gesunken, wobei in manchen Regionen noch höhere Werte bestehen.
  • Weltweit sind laut WHO erstmals weniger als 100 Millionen Menschen in Gefahr, durch Trachom zu erblinden, während 2022 noch 1,5 Milliarden Menschen betroffen waren und in 27 Ländern das Gesundheitsproblem bereits überwunden wurde.