Hutter: Lockerungen ab Samstag "medizinisch nicht nachzuvollziehen"

04. März 2022 · Lesedauer 3 min

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter fällt ein harsches Urteil über die Lockerungsschritte, die am Samstag in Kraft treten. Die Neuansteckungen würden nach oben gehen, das Wegfallen fast aller Regen sei aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Die Lockerungen sollten nicht kommen, so Hutter, der auch einen problematischen Herbst voraussieht.

Ab 5. März fallen in Österreich fast alle Corona-Regeln. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter kritisiert das scharf. Er habe schon bei der Verkündung gesagt, dass das voreilig sei. "Im Prinzip fällt ja alles weg", das betreffe auch die gesamten G-Regeln und die Maskenpflicht in Innenraumbereichen bis auf Geschäfte des täglichen Bedarfs und die Öffis. "Und das bei gleichzeitig steigenden Zahlen."

Das "ist praktisch nicht nachzuvollziehen medizinisch", so Hutter. Die Neuinfektionen nehmen nicht nur nicht weiter ab, sondern steigen sogar wieder. Jetzt alle Regeln fallen zu lassen, verstehe er nicht. Der Mediziner vermutet, dass das aus gesellschaftspolitischen Gründen passiert sei, aber das müsse man vom Medizinischen trennen. 

Lockerungen sollten nicht kommen

Laut Hutter müsse die Notbremse gezogen werden, die Lockerungen sollten nicht kommen. Das Problem sei seiner Meinung nach, dass dadurch die Glaubwürdigkeit (der Politik, Anm.) leide. "Man hat sich hier festgesetzt und festgelegt und jetzt wirkt es natürlich dann eher unglücklich, wenn man wieder zurückrudert." Es gebe in der Kommunikation viele Probleme, auch wenn es darum geht wieder Bereitwilligkeit in der Bevölkerung für weitere Maßnahmen zu bekommen. Die Balance zwischen Kontrolle der Epidemie und dem Wunsch nach Lebenslust sei nicht gegeben. Es brauche aber dringend Begleitmaßnahmen ab 5. März. 

Den vorsichtigeren Weg, den Wien geht unterstützt Hutter "dringend". Denn eine Großstadt, "wo viele Menschen auf einem Haufen" leben, könne man mit ländlichen Regionen nicht vergleichen. 

"Problematische Situation" im Herbst

Damit sich im Herbst die Fehler des Vorjahres nicht widerholen sei die Impfung extrem wichtig. Die tägliche Anzahl der Impfungen wären aber seit Einführung der Impfpflicht sukzessive zurückgegangen. "Es ist praktisch stagniert", so Hutter. Die benötigte Immunitätssituation sei nicht gegeben. Die Lage sei extrem schwierig, denn die von der Regierung gesetzten Aktionen hätten nicht gefruchtet. Er sieht für Herbst eine "neue, wirklich eher problematische Situation" auf uns zukommen. Wenn weder die dritte Teilimpfung in Anspruch genommen wird und sich auch nicht mehr Leute die erste und zweite holen, "dann werden wir über die Monate natürlich eine deutlich empfängliche Bevölkerung haben". 

Man dürfe auch keinesfalls "so blind" sein zu glauben, dass keine neuen Varianten kommen. Das werde für den neuen Gesundheitsminister eine schwierige Aufgabe, diese Vorbereitungen zu treffen. Man sage schon wieder indirekt, dass alles vorbei sei, indem am Samstag die Maßnahmen eingestellt werden. Dabei hätten solche "eine sehr starke Relevanz in dieser Situation". 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam