Superspreader Frequency-Festival? Tatar sieht "falsche Panikmache"

06. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Die Virologin Dorothee von Laer warnt vor dem Festival im PULS 24 Interview. Dieses sei nach aktuellem Stand ein "großes Experiment". Veranstalter Ewald Tatar will sich "nicht auf solche Diskussionen einlassen", wie er gegenüber PULS 24 sagt.

Es war für viele eine der freudigsten Entscheidungen in diesem Jahr: Das Frequency-Festival kann von 19. bis zum 22. August in St. Pölten stattfinden. 50.000 Besucher können daran teilnehmen und zu Acts wie RAF Camora, Bilderbuch oder Annenmaykantereit feiern. Maskenpflicht sollte es keine geben. Laut Regierung soll ab dem 22. Juli auch keine 3-G-Regel bei Veranstaltungen mehr gelten. So zumindest der Plan.

Vor solchen Großveranstaltungen warnt jedoch Dorothee von Laer, Virologin an der MedUni in Innsbruck. Im Newsroom LIVE sagt sie, dass solche Events zum aktuellen Zeitpunkt ein "großes Experiment" seien. Vor allem, "wenn die Mega-Events ohne Einhaltung der 3-G-Regel" stattfinden, dann werden diese "auf jeden Fall zu Spreader-Events, wenn nicht sogar Superspreader-Events", sagt Von Laer im PULS 24 Interview. Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante sei ein so großes Festival derzeit nicht zu rechtfertigen. Nur kleinere, lokale Open-Air-Festivals mit 3-G-Regeln seien eine Alternative. 

PCR-Tests beim Frequency-Festival

Derzeit werden im Hintergrund zahlreiche Gespräche geführt. Zuständig ist als Gesundheitsbehörde grundsätzlich das Magistrat St. Pölten, dieses müsste aber nach der Verordnung des Bundes handeln, in der derzeit noch keine Verschärfungen wegen der Delta-Variante vorgesehen sind. Im Gegenteil: Am 22. Juli soll weiter gelockert werden.

Ewald Tatar, der Veranstalter des Festivals sagt nun gegenüber PULS 24, dass man dennoch weiterhin "intensiv" an der Vorbereitung arbeiten würde. Die Aussagen der Virologin wolle er nicht kommentieren, er betont aber, dass man "härteste Auflagen" erfüllen würde und zusätzlich die 3-G-Regel mit PCR-Tests einfordern werde. 

Inwieweit die Einhaltung der 3-G-Regel und vor allem mit dem Fokus beim Testen auf die PCR-Tests, die die "Delta-Variante herausfischen", für ein sicheres Event reicht, könne Von Laer im PULS 24 Interview nicht sagen. Man werde dies Ende August in Deutschland testen. Jedoch werden diese Veranstaltungen "deutlich kleiner" ausfallen als das Frequency.

Im Newsroom LIVE warnt die Virologin Dorothee von Laer vor Großveranstaltungen.

"Jugendlichen werden als die Bösen abgestempelt"

"Klug oder nicht klug" sei nicht die Frage momentan, es habe geheißen, dass jetzt die Jungen dran seien und so solle das jetzt auch sein, sagt Tatar. Er fordert im PULS 24 Interview, dass es in allen Bundesländern einheitliche Regeln geben sollte. Man sei in Gesprächen mit den Behörden und wird in "sieben bis acht Tagen wissen, wohin die Reise geht". Er argumentiert, dass die Infektionen in Großbritannien wegen der Delta-Variante zwar steigen würden, die Hospitalisierungen allerdings nicht.  Großbritannien ist allerdings beim Impfen weiter als Österreich.

"Jedem ist bewusst, dass das Virus nicht von einem Tag auf den anderen weg ist. Damit werden wir leben müssen", sagte Tatar. "Die Frage ist nur, wie wir damit leben wollen: Lassen wir uns unser Leben wegnehmen?" Eine Umfrage unter Frequency-Besuchern hätte ergeben, dass 75 Prozent bereit sind, sich impfen zu lassen oder bereits geimpft sind. "Das ist ein deutliches Zeichen, wie man junge Leute motivieren kann, sich impfen zu lassen."

 "Wir werden das Festival definitiv nicht absagen. Diese falsche Panikmache ist mir völlig unverständlich", so Tatar. Das Festival abzusagen, sei "fatal". "Einerseits werden die Jugendlichen abgestempelt als die Bösen. Und andererseits wird es sich fatal auf die Angst und Unsicherheit der Menschen auswirken. Das würde die gesamte Kultur und den Sommer nachhaltig beeinflussen", sagt Tatar.

NÖ sieht Zuständigkeit beim Bund

NÖ-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) teilt gegenüber PULS 24 mit, dass "die verantwortlichen Behörden genau prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Festival in dieser Größenordnung möglich sein soll". Die Landessanitätsdirektion könne hier lediglich fachlich unterstützen. "Es ist jedenfalls hinterfragenswert, dass der Bund derzeit das Signal setzt, für größere Veranstaltungen keine 3-G Nachweise mehr zu verlangen, während dies beim Wirtshaus am Eck nach wie vor nötig sein wird. Deshalb muss der Bund nun rasch eine sinnvolle Nachfolgeregelung auf den Tisch legen", sagt Königsberger-Ludwig.

Konstantin Auer, Angela PerkonigQuelle: Redaktion / koa, pea