Statistiker Neuwirth erwartet noch viel mehr Corona-Tote

11. März 2022 · Lesedauer 3 min

Der Statistiker Erich Neuwirth geht davon aus, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter steigen wird. Auch die Anzahl der Todesfälle wird – "mit einer Verzögerung von zehn bis 14 Tagen" – stark ausfallen.

"Mir erscheint es durchaus plausibel, dass die Zahlen weiter steigen werden", so Neuwirth, der außerdem anmerkt, dass das "typische Muster" einer Woche nicht mehr gilt. In diesem Muster wären die Neuinfektionen "am Mittwoch am höchsten, donnerstags geht es schon wieder etwas zurück und freitags haben wir schon deutlich weniger Zahlen". Dies sei nun nicht mehr der Fall.

"Ein bisschen ein Schnackerl"

"In den letzten drei Tagen sind wir praktisch gleich hoch geblieben", erklärt der Statistiker. Die vielen Neuinfektionen würden auch jetzt dazu führen, dass die Meldesysteme in den letzten Tagen mit "ein bisschen einem Schnackerl" zu kämpfen hätten – so wurden die täglichen Neuinfektionen etwa am Donnerstag erst verspätet gemeldet.

Anhand der aktuellen Inzidenz sowie "im Vergleich zu Werten mit Israel oder Dänemark", geht Neuwirth davon aus, dass die täglichen Neuinfektionen noch "deutlich steigen könnten, so zum Beispiel auf 60.000 oder mehr". Er vermeide das Wort "Durchseuchung, wo es geht", allerdings sehe man aktuell "sehr, sehr viele Neuerkrankte".

Lockerungen als "Superspreader-Event" 

Für den Statistiker ist es "eine sehr plausible Erklärung", dass die Lockerungen der vergangenen Wochen - "wie die Öffnung der Nachtgastronomie"  und "das Zusammenkommen von vielen Menschen auf engem Raum - zu Superspreader-Events" geführt haben.

Für den Statistiker sei es außerdem ein Problem, dass es in fast allen Bundesländern eine hohe Positivrate von Corona-Tests gäbe. "In Kärnten sind wir da zum Beispiel weit über 20 Prozent", meint Neuwirth, der daran erinnert, dass die WHO eigentlich einen Wert von fünf Prozent in diesem Bereich als passend empfohlen hatte. "Allein Wien liegt in diesem Bereich – zwischen zwei und drei Prozent."

Die Situation auf den Normalstationen 

Aktuell gebe es viele Menschen, die zwar ins Krankenhaus müssen, allerdings nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen. "Ich habe mit einem Mediziner darüber gesprochen, der meinte, dass die Patienten nicht mehr die 'typischen Probleme' tief unten in der Lunge haben, wo man künstlich beatmet werden müsste", erklärt Neuwirth. Allerdings sterben jetzt mehr Menschen auf den Normalstationen. "Die Anzahl der Intensivbetten" stellt für den Statistiker "nicht mehr den Gradmesser für den Gefährdungsgrad der Bevölkerung" dar. Man sollte eher auf die Normalstationen blicken, findet er.

Hier ist außerdem noch nicht die Spitze erreicht. "Wir müssen auch damit rechnen, dass die Todeszahl weiter stark ansteigen wird – hier gibt es immer eine Verzögerung mit den Neuinfektionen um zehn bis 14 Tage", meint Neuwirth abschließend.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj