APA - Austria Presse Agentur

Sorge um neue, möglicherweise ansteckendere Corona-Variante B.1.1.529

25. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

In Afrika breitet sich die vierte Corona-Welle aus. Eine neue Virus-Variante namens B.1.1.529 soll dabei in Südafrika die Zahlen in die Höhe treiben. Es wird vermutet, dass die Mutation ansteckender und auch für Immunisierte gefährlich sein könnte.

Der Trend bei den Neuinfektionen geht in Afrika trotz nur 6,6 Prozent Geimpfter insgesamt zwar nach unten, in mehreren Staaten des Kontinents hat sich aber eine vierte Corona-Welle ausgebreitet, wie aus offiziellen Zahlen hervorgeht. Sorgen bereiten Berichte über eine neue Virusvariante, die in Südafrika aufgetreten sein und die Infektionszahlen erhöht haben soll.

Während im Rest von Südafrika die Covid-19-Pandemie im aktuell dort herrschenden Frühling stark gebremst verläuft, sehe man in der Provinz Gauteng seit kurzem einen massiven Anstieg der Neuinfektionen. Das sei interessant, da Südafrika eigentlich nach früheren starken Ausbrüchen relativ durchseucht ist, so der Wiener Genetiker Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW): "Gauteng fällt dann doch negativ auf." Der sprunghafte Anstieg gipfelte dort am gestrigen Mittwoch in über 1.000 Neuinfektionen.

"Unterschiedlich" und möglicherweise ansteckender als andere Covid-Varianten

Die Variante namens B.1.1.529 soll eine ungewöhnlich große Anzahl an Mutationen tragen. Mehr als 30 Mutationen im Spike-Protein des SARS-CoV-2-Virus wurden festgestellt. Sie sei "klar sehr unterschiedlich" zu vorherigen Corona-Versionen, wird Tulio de Oliveira, ein Bio-Informatic-Professor von "Bloomberg" am Donnerstag zitiert. Oliveira betreibt Gene-Sequenzierungs-Institute an zwei südafrikanischen Universitäten. Es wird deshalb vermutet, dass die Variante ansteckender sein und auch für bereits Immunisierte gefährlich sein könnte.  

Unter den wenigen sequenzierten Viren-Genomen aus der Region macht die Variante unter der Bezeichnung B.1.1.529 laut Berechnungen Ellings bereits rund zwei Drittel aus. Die ersten drei bestätigten Fälle kommen aus Botswana, ein Fall wurde bei einem Südafrika-Urlauber in Hongkong nachgewiesen. Die Situation sei zwar noch unübersichtlich, die WHO berate sich aber bereits dazu. Am Freitag soll der Mutante nach Medienberichten ein griechischer Buchstabe zugeordnet werden.

Leider vereine die Variante sehr viele als bedenklich geltende Mutationen in dem Spike-Protein. 32 Veränderungen zählen die Experten, obwohl die publizierten Daten noch mit etwas Unsicherheit behaftet seien. Dass eine Variante derartig viele Mutationen anhäufen konnte, ist laut Elling erstaunlich. Außerdem finden sich drei neu eingesetzte Bausteine in der Sequenz des S-Proteins. Das komme "normalerweise nie vor", so der Wissenschafter, der seit vielen Monaten mit seinem Team die Analysen des Proteins in Österreich durchführt. Unter den vielen Mutationen sei dies "die Verrückteste".

Stark verändert präsentiert sich u.a. auch der Erbgut-Teil, der den Bauplan für jene Stelle am Protein liefert, mit dem das Virus an menschlichen Zellen andockt (rezeptorbindende Domäne). Mit an Bord habe die Variante auch bekannte Veränderungen, die mit der Umgehung des Immunschutzes in Verbindung gebracht werden, sowie komplett neue Veränderungen.

Höhere Übertragbarkeit noch nicht bewiesen

Noch ist nicht nachgewiesen, dass der sprunghafte Anstieg durch die Variante verursacht wird, betonte Elling. Dass die Mutationsanhäufung aber kein Laborfehler ist, sei gesichert, da sie bereits in mehreren Laboren gefunden wurde. Bei der eben erst aufgepoppten B.1.1.529-Variante handle es sich jedenfalls um die aktuell besorgniserregendste Mutationsanhäufung.

Um die Gefährlichkeit besser einschätzen zu können, würden jedenfalls noch weitere Studien fehlen. Die Neuinfektionskurve in Gauteng weise aber deutlich nach oben. Es brauche also vermutlich rasch Maßnahmen, um eine weitere Verbreitung aus Südafrika heraus möglichst zu vermeiden, so Elling.

Per PCR-Test aufspürbar

Ein "Vorteil" der Variante sei, dass sie sich mittels PCR-Test detektieren lasse, so der Wissenschafter: "Das wird uns helfen, sie zurückzuverfolgen und die Ausbreitung zu verstehen." Seinen Anfang nahm der Ausbruch demnach vermutlich unter Studenten in der Region Gauteng. Ob die Variante in der Region entstanden ist, könne man nicht sagen. De Oliveira verwies auf eine morgen stattfindende dringliche Sitzung der WHO in Bezug auf die Variante.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam