Reiserückkehrer: Nowotny rechnet mit Corona-Anstieg Ende Juli

06. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Bürgermeister Michael Ludwig warnte am Dienstag eindringlich, die Delta-Variante werde das Krankenhaus-Geschehen dominieren, eine weitere Welle sei möglich. Virologe Norbert Nowotny befürchtet ebenfalls, dass Reiserückkehrer die Delta-Variante mit nach Hause bringen werden und Ende Juli die Fallzahlen wieder steigen.

"Meiner Meinung nach ist die Pandemie nicht vorbei", warnte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Dienstag bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Situation in Wien. Der Grund sei die Delta-Mutation. Es sei zu befürchten, dass die Zahlen dadurch steigen. Der Vorteil sei, dass inzwischen bereits mehr Personen geimpft seien. In Wien hätten rund 670.000 bereits beide Dosen erhalten.

Mit dem beginnenden Sommerferien warnte Ludwig vor zunehmender Reisetätigkeit und der Gefahr durch die Ausbreitung der Delta-Variante in Europa: "Es wird ja niemand ernsthaft glauben, dass Österreich verschont bleibt." Die Delta-Mutation sei "sehr viel aggressiver" und stärker in der Verbreitung.

Testen, um Maßnahmen im Herbst vorzubeugen

Solange der Anteil an Geimpften nicht größer sei, forderte der Bürgermeister auf, das Wiener Testsystem zu nutzen und verwies auf die flächendeckend vorhandenen PCR-Tests der Aktion "Alles gurgelt" für zu Hause oder alternativ die Verfügbarkeit von Testboxen. Ziel sei es zu vermeiden, dass es zu massiven Einschränkungen im Herbst kommt, wie man sie in der portugiesischen Metropole Lissabon schon jetzt sieht. Anfang Juli wurde in Portugal wieder eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, geplante Lockerungen gecancelt.  

Wie die Impfung gegen die Delta-Variante hilft

Neue Daten legen nahe, dass die Corona-Impfungen effizient gegen die Ansteckung mit der Delta-Variante helfen.

Auch Michael Binder, der Medizinische Direktor des Gesundheitsverbunds, macht die Mutation für den Anstieg der europaweiten Fälle verantwortlich. "Wir befinden uns derzeit in einem Plateau, nicht mehr in einer Abnahme", analysierte er die Zahlenlage. Delta sei angekommen, einige Länder verzeichnen bereits massive Anstiege, so der Mediziner. Die neue Virus-Variante werde das Krankenhaus-Geschehen dominieren, eine neue Welle sei möglich. 

Nowoty: Anstieg der Zahlen Ende Juli

Virologe Norbert Nowotny gibt Ludwig und den Experten vollinhaltlich recht. Die Delta-Variante sei relativ spät in Österreich angekommen, derzeit seien wir mit guten Zahlen "gesegnet". Daraus ergebe sich jedoch das Problem, der Bevölkerung zu erklären, dass es "Gewitterwolken" am Horizont gebe. Die Fallzahlen seien niedrig, spätestens im August, vielleicht auch schon Ende Juli würden sie jedoch wieder steigen, ist sich Nowotny sicher.

"Es ist so gut wie sicher, dass es dann zu einem Virus-Eintrag durch Reiserückkehrer kommt", analysiert der Virologe. Er empfiehlt, dass Reiserückkehrer sich einem PCR-Test unterziehen. Der in Wien erhältliche "Alles gurgelt"-Test sei empfindlicher als Antigen-Schnelltests. 

Die Delta-Variante habe einen R-Wert von 1,3. Jede erkrankte Person stecke also 1,3 weitere an. Deshalb müsse man jetzt "impfen, impfen, impfen - so rasch und so gut und so viel geht."

Kinder in Wien an Post-Covid gestorben

Auch Binder rief zum Testen auf, auch bei Kindern. Infizierte Kinder seien, wenn auch selbst oft asymptotisch, trotzdem ansteckend und deshalb Treiber der Übertragung. Die Medizinerin Sylvia Hartl von der  Abteilung für Atemwegs- und Lungenerkrankungen in der Klinik Penzing machte darauf aufmerksam, dass es auch in Wien Post- bzw. Long-Covid-Fälle bei Kindern gebe. Die jungen Patienten hätten Wochen nach der Genesung von Covid-19 mit schweren gesundheitlichen Schäden zu kämpften. Kinder seien auch daran gestorben. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam