Medizinischer Direktor: Booster-Impfung aktuell wichtiger als Erststich

29. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Fast die Hälfte der Covid-Patienten in Wiener Neustadt sind inzwischen geimpft. Deshalb ist für den medizinischen Direktor Ojan Assadian aktuell auch die Booster-Impfung wichtiger als ein Erststich, weil sie schneller wirkt. Denn in Wiener Neustadt hat man bereits die Triage geübt, laut Prognose werde man sie Anfang Dezember anwenden müssen.

68 Covid-Patienten liegen im Spital Wiener Neustadt, davon 53 auf Normalstation, der Rest unter "sehr, sehr schwierigen Bedingungen" auf der Intensivstation, rechnet Ojan Assadian, der ärztliche Direktor des Landeskrankenhauses Wiener Neustadt, vor. 31 der Patienten sind geimpft. Dabei müsse man jedoch genauer hinschauen. "Wer im Februar oder März geimpft wurde und keine Booster-Impfung bekommen hat, kann natürlich wieder das Virus bekommen und kann dann auch krank werden. Bedauerlicherweise sind das diese Patienten, die wir hier sehen."

Triage bereits "geübt"

In Wiener Neustadt sei man auf eine Triage auf der Intensivstation vorbereitet, um zu entscheiden, "wer ein Beatmungsgerät bekomme und wer nicht mehr". Es werde danach ausgesucht, welcher Patient die beste Überlebenschance habe, wenn er das Intensivbett zugesprochen bekommt. "Das haben wir geübt, das sind wir mit der Mannschaft durchgegangen."

Sollen die Fallzahlen steigen – was für 3. bis 6. Dezember laut Prognose in dieser Region erwartet wird – würde das zur Anwendung kommen. Der Impfstatus sei dabei aber "auf keinen Fall" ein Kriterium. Es könne auch sein, dass das Alter keine Rolle spielt, wenn ein Älterer in besseren Zustand sei als ein Jüngerer.

Booster für Assadian wichtiger als Erstimpfung

"Aus Sicht eines ärztlichen Direktors, der schauen muss, dass seine armen Kollegen, die schon wirklich am Ende sind", sei die Booster-Impfung aktuell wichtiger als Erststiche. "Die wirkt wesentlich schneller und führt schneller dazu, dass unter Umständen zwar weitere Neuinfektionen entstehen, aber geringere Erkrankungsfälle in den nächsten Wochen."

Pandemie kann nur global beendet werden

Jedes Land sei von der Pandemie betroffen, es gebe keine globale Strategie, wie man sie beenden will. Für die erste Welle habe es so eine Strategie von der WHO gegeben. Sie hätte die Regierungen instruiert, doch der zweite Schritt blieb aus. Impfstoffe hätten weltweit verteilt werden sollen. Länder wie Belarus oder Bosnien-Herzegowina hätten nicht genug Impfstoff. "Die Idee, dass wir eine Pandemie beenden können, indem wir nur auf uns schauen ist leider nur günstig fürs Virus."

Omikron: Eile geboten

Die Corona-Variante Omikron ist in Österreich bestätigt. "Wenn es um den Ausbreitungsschutz geht, ist Eile geboten", macht Assadian Druck. Noch seien viele Daten nicht gesichert. Doch sollte sich herausstellen, dass Omikron doch nicht so gefährlich sei wie angenommen, würden Maßnahmen auch bei der Einbremsung der Delta-Neuinfektionen helfen. Wenn man warten würde, um dann zu erkennen, dass die Variante doch aggressiver sei, hätte man das Nachsehen.

Impfverweigerer ließ sich entlassen und starb

Der Fall eines prominenten Impfverweigerers, der sich aus dem Spital Wiener Neustadt entlassen ließ und die Behandlung verweigerte, um sich zuhause mit Chlordioxid selbst zu behandeln, ging Assadian besonders zu Herzen. Der Mann starb nach zwei Tagen. Eines seiner wesentlichen Forschungsgebiete sei die Verwendung von antimikrobielle Wirksubstanzen zur Vorbeugung von Infektionen, dazu gehöre auch Chlordioxid. "Vertrauen Sie der Medizin", bittet der Arzt "inständigst". Man könne in der Medizin Patienten aber nicht gegen ihren Willen behandeln. Es gebe nur zwei Ausnahmen, das Tuberkulosegesetz und das Geschlechtserkrankungsgesetz. "Der Patient muss in den Behandlungsvertrag einwilligen."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam