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Wirtschaftsbund: Mehr als 220.000 offene Stellen

02. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Zum Jahresende sind 332.645 Menschen arbeitslos gemeldet gewesen - dem gegenüber stehen 220.844 offene Stellen. Viele Unternehmen klagen über Personalmangel.

Bei den offenen Stellen habe es gegenüber dem Vormonat keine Besserung gegeben. Das geht aus dem Stellenmonitor des Wirtschaftsbundes (WB) hervor. "Gerade zu Jahresbeginn stehen viele Unternehmerinnen und Unternehmer wieder vor der Frage, wie sie die kommenden Monate ohne ausreichend Personal durchstehen sollen", sagte WB-Generalsekretär und Nationalratsabgeordneter Kurt Egger.

In einigen Branchen fehlen Zehntausende Mitarbeiter

Den größten Personalmangel gibt es laut Wirtschaftsbund in den Bereichen Handel, Logistik und Verkehr, wo 45.221 offene Stellen nicht besetzt werden können. Im Bereich Büro, Marketing, Finanz, Recht, Sicherheit fehlen 33.596 Arbeitskräfte und im Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit bleiben 23.935 Arbeitsplätze unbesetzt. Aber auch beim Bau, Baunebengewerbe bzw. bei den Branchen Holz und Gebäudetechnik sind 23.252 Stellenangebote nicht zu besetzen. Im Bereich Elektrotechnik, Elektronik, Telekommunikation und IT fehlen 22.621 Arbeitskräfte. Dass Pflegekräfte fehlen, ist bekannt. In der Branche Soziales, Gesundheit und Schönheitspflege summieren sich die offenen Arbeitsplätze auf 16.694 Stellen.

Arbeitslose in den Bundesländern im Dezember 2022APA

In Kombination mit der Energiekrise bringe der Arbeits- und Fachkräftemangel Betriebe an den Rand ihrer Existenz, ergänzte Egger. Es bedürfe daher weiterer Entlastungsmaßnahmen und Arbeitsmarktreformen, um dieses Problem zu meistern. Und es brauche Anreize, um das Potenzial am österreichischen Arbeitsmarkt zu heben. Dies beginne bei der Ausweitung der Steuerbefreiung von Überstunden und einem Anreizmodell, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer motiviere länger im Erwerbsleben zu bleiben. "Wenn wir unseren heimischen Betrieben nicht schleunigst unter die Arme greifen, werden zahlreiche unter ihnen dieses Jahr womöglich nicht überleben", sagte Egger weiters.

Wirtschaftskammer fordert Anreize für Arbeitnehmer

Der Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Karlheinz Kopf, ist sich mit Egger einig, dass es Anreize brauche. Dies beginne beim Ausbau der Kinderbetreuung, um es vielen Frauen zu ermöglichen, ihre Wochenarbeitszeit zu erhöhen. Und es solle sich auch lohnen über das Regelpensionsalter hinaus zu arbeiten, teilte die WKÖ in einer Aussendung mit. Weiterbildungen, die in enger Kooperation mit Betrieben erfolgen, hätten den größten Erfolg, erklärte Kopf weiters.

Ähnlich argumentierte die Industriellenvereinigung in einer Stellungnahme: Die Industrie plädiere dafür, "dass sich Leistung in Österreich wieder lohnen müsse und Inaktivitätsfallen abgebaut werden", sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung.

Arbeitsmarkt: FPÖ warnt vor Verschlechterung der Lage

Bei der FPÖ sieht man die aktuellen Arbeitsmarktzahlen, aber auch den WB-Stellenmonitor kritisch: "Die Wahrheit ist, dass das dicke Ende für den Arbeitsmarkt noch bevorsteht, wenn die massiv gestiegenen Energiepreise voll durchschlagen und zusätzlich die - absolut notwendigen - Lohn- und Gehaltserhöhungen wirksam werden. Dann werden sich viele Unternehmen entweder von Personal trennen oder die Preise für ihre Produkte weiter anheben müssen, was die Teuerung weiter antreibt und die Löhne und Gehälter entwertet", so FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch in einer Aussendung der FPÖ.

Die SPÖ wiederum fordert in einer Aussendung neben einer Nettoersatzrate von 70 Prozent bei Arbeitslosigkeit und besseren Löhnen eine Ausbildungsoffensive, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / zeh