APA - Austria Presse Agentur

Wifo und IHS erwarten kräftige Wirtschaftserholung

24. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Österreichs Wirtschaft wird sich in den nächsten zwei Jahren kräftig erholen. Davon sind das Wirtschaftsforschungsinstitut und das Institut für Höhere Studien überzeugt.

Der Konjunkturaufschwung dürfte auch die Preisentwicklung antreiben, nimmt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) an. Die Teuerungsrate laut dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) werde heuer auf 2,3 Prozent anziehen, nach 1,4 Prozent im Vorjahr, erklärte das Wifo am Donnerstag. Ausschlaggebend dafür sei neben der kräftigen Konsumnachfrage die Weitergabe der hohen Preise für Rohstoffe und bestimmte Güter.

Auch 2022 dürfte der Preisauftrieb gemäß HVPI-Kriterien mit 2,1 Prozent hoch bleiben, so das Wifo - nicht zuletzt wegen der überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung der Gesamtwirtschaft, die die inländische Preisdynamik antreibe. Das Institut für Höhere Studien (IHS) geht - ebenso wie das Wifo - von einem Anstieg der Inflation nach heimischer Berechnungsmethode auf heuer 2,2 Prozent und dann von 2,0 Prozent im nächsten Jahr aus. Zuletzt, im Mai, hatte die Inflation in Österreich 2,8 Prozent betragen, mit Ausklingen des Ölpreis-Basiseffekts werde sich der Preisauftrieb wieder etwas verlangsamen, so das IHS.

Arbeitsmarkt soll 2022 Vorkrisenniveau erreichen

Für den Arbeitsmarkt geht das Wifo von einem Anhalten der günstigen Entwicklung auch im kommenden Jahr 2022 aus. Da die Beschäftigung bereits im heurigen Frühjahr wieder das Vorkrisenniveau erreicht habe, werde jedoch eine Abschwächung des Zuwachses erwartet: Die unselbstständigen Aktivbeschäftigten dürften demnach 2021 um 2,1 Prozent und 2022 um 1,6 Prozent ausgeweitet werden. Das Arbeitskräfteangebot werde in beiden Prognosejahren weiter steigen. Weil die Arbeitslosigkeit auch Ende 2022 noch über Vorkrisenniveau liegen wird, hält das IHS weitere Maßnahmen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit sowie gegen den Mis-Match am Arbeitsmarkt und für ein Absinken der strukturellen Arbeitslosigkeit für notwendig.

Die Prognosen zur weiteren Wirtschaftsentwicklung hängen aus Wifo-Sicht nach wie vor maßgeblich vom künftigen Corona-Infektionsgeschehen ab. Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie sei noch immer erheblich - im gesamten Prognosezeitraum bestehe daher das Risiko größerer Rückschläge, falls das Covid-19-Virus in einer Weise mutieren sollte, die die Wirksamkeit der jetzigen Impfstoffe wesentlich reduziere. Diese Gefahr sei umso größer, je länger die weltweite Überwindung der Pandemie dauere. Überdies herrsche nach wie vor Unsicherheit über die Entwicklung der Solvenz der Unternehmen, sobald öffentliche Stützungsprogramme zurückgefahren und Schuldenmoratorien beendet werden, so das Wifo.

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Erholung auch in Handel und Gastro

Wesentliche Konjunkturimpulse dürften von der hohen Inanspruchnahme der Investitionsprämie ausgehen. Der Aufschwung der Wirtschaft ist laut Wifo durch sämtliche Nachfrage- und Angebotskomponenten getragen. 2022 werde die heimische Wirtschaft vor allem von der Beherbergung und Gastronomie angeschoben, weil sich die Industriekonjunktur dann etwas abschwächen werde. Auch tourismusnahe Sektoren wie Handel, Verkehr und sonstige Dienstleistungen dürften dann begünstigt sein. Bereits heuer dürfte der Handel vor allem vom Konsumrückstau profitieren können. Das Wifo sieht den im Vorjahr um 4,8 Prozent eingebrochenen Handel heuer um 6,0 Prozent wachsen und kommendes Jahr um weitere 5,0 Prozent. Für den Privatkonsum (im Vorjahr -9,2 Prozent) erwartet man 2021/22 reale Anstiege von 5,0 bzw. 5,5 Prozent.

Die jüngsten Engpässe bei Vorprodukten dürften die Expansion in Industrie und Bauwesen nur kurzfristig dämpfen, zumal sie nur auf Lieferkettenproblemen beruhen würden, betont das Wifo. Mit der erwarteten Stabilisierung der Nachfrage sollten auch die Lieferprobleme nachlassen und ab dem 4. Quartal 2021 keinen dämpfenden Einfluss auf die Industrie- und Baukonjunktur mehr ausüben. Die Herstellung von Waren, die voriges Jahr um 7,1 Prozent abgesackt ist, sollte heuer um 9,2 Prozent steigen und 2022 um 4,2 Prozent, schätzt das Wifo. Die 2020 um 5,7 Prozent abgestürzten Bruttoanlageinvestitionen sollen wieder kräftig anziehen, ebenso die um 7,9 Prozent geringer gewesenen Ausrüstungsinvestitionen. Für die Bruttoanlageinvestments rechnen die Institute mit 7 bzw. 6 Prozent Plus für 2021 bzw. um die 4 Prozent Zuwachs 2022. Gleich um 10 (Wifo) bzw. 8 Prozent (IHS) sollen die Ausrüstungsinvestitionen heuer real klettern, 2022 um 5,9 (Wifo) bzw. 5,0 Prozent (IHS).

Quelle: Agenturen / red