Wiener Handel erfreut, Gastro hat für Lockdown kein Verständnis mehr

07. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

Sehr unterschiedlich sehen Handel und (Nacht-)Gastronomie in Wien die Ankündigungen von Bürgermeister Michael Ludwig zum Ende des Lockdowns. Der Handel, der für Geimpfte und Genesene am 13.12. öffnen soll, ist zufrieden. Der Gastronomie hingegen fehlt jedes Verständnis, dass man erst am 20. Dezember öffnen darf.

Dadurch, dass die Gastronomie nicht am 13. sondern erst am 20. Dezember öffnen dürfe, sei für die Gastronomie die Weihnachtssaison vorbei. Denn über die Feiertage sei Familienzeit, da werde mehr gekocht und die Verwandtschaft besucht, so Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien.

Gastro fordert vollen Umsatzersatz

Die Branche fordere daher einen hundertprozentigen Umsatzersatz und flankierende Maßnahmen wie die Verlängerung der fünfprozentigen Mehrwertsteuer - nachdem wegen des Lockdowns die Gastronomie davon bisher nur beschränkt profitieren konnte. Außerdem sollten die Lohnnebenkosten gesenkt werden "und das beginnt einmal bei den Kommunalabgaben in Wien, denn da hat der Herr Bürgermeister direkt einen Einfluss darauf", so Dobcak.

Wenn das so komme, könne die Gastronomie nicht einmal von dem offenen Sonntag am 19. Dezember profitieren. Wie in früheren Lockdowns sei zu erwarten, dass die Wienerinnen und Wiener nach Niederösterreich oder ins Burgenland fahren für die Gastronomie, sollten diese beiden Bundesländer weniger strenge Regeln einführen. Außerdem werde es einen "Dominoeffekt" bei den Zulieferern geben, die ebenfalls um ihr Weihnachtsgeschäft umfallen.

Handel hoch erfreut

Im Gegensatz dazu reagierte Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien, sehr erfreut auf die Ankündigungen Ludwigs. "Wir können das nur begrüßen". Es sei zwar "bitter", dass die Gastronomie nicht zeitgleich öffnen könne und werde auch Umsatz kosten, aber Gumprecht geht davon aus, dass die Menschen nach dem Lockdown "gezielt einkaufen gehen werden". Ein Teil des Umsatzes sei zwar an Online-Geschäfte verloren gegangen, viele Menschen hätten sich aber inzwischen online informiert und würden in die Geschäfte gehen, schon wissend, was sie wollen. Besondere Freude macht dem Handel der offene Sonntag am 19. Dezember.

Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will wünscht sich im Gespräch mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros schrittweise Öffnungen.

Nach allen bisherigen Ankündigungen wird der Lockdown nur für Geimpfte und Genesene (2G) enden. Die Nachweis-Kontrolle sei zwar "eine sehr große Herausforderung", aber es man sie bereit "sich Gedanken zu machen, wie man das kontrollieren kann", so Gumprecht. 

Nachtgastro fordert Perspektive

In der Club- und Discoszene herrscht indes "nach wie vor Perspektivenlosigkeit", beklagte Nachtgastronomiesprecher Stefan Ratzenberger. Nun gehe es endlich darum, "eine Ansage" zu bekommen - etwa wonach man einhergehend mit der Umsetzung der Impfpflicht wieder öffnen darf, forderte er. "Wir brauchen Planungssicherheit", so Ratzenberger, der daran erinnerte, dass die Nachtlokale bald - mit einer nur kurzen Unterbrechung - seit zwei Jahren geschlossen haben. Auch er forderte weitergehende staatliche Hilfen. Man rechne damit, schlussendlich mit 2G-plus wieder öffnen zu dürfen. 

Friseur Michel Ziada spricht mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros über die Herausforderungen für Dienstleister wie Friseure.

Hotellerie ist "empört"

Die Wiener Hotellerie zeigt für den Wiener Weg "absolutes Unverständnis". In Wien sollen den Hotels bis 20. Dezember geschlossen bleiben. "Wien hat die mit Abstand beste PCR-Infrastruktur und die zweitbeste 7-Tages-Inzidenz in ganz Österreich, die Hotels haben höchste Sicherheitsstandards, seit Beginn der Pandemie gab es keinen einzigen Hotel-Cluster: Mit welcher Begründung verlängern Sie den Shutdown für die Wiener Hotels, Herr Bürgermeister?", fragt Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung. 

Die Öffnung der Hotels mit 12. oder 13. Dezember würde die Fallzahlen nicht steigen lassen, schon allein, weil die Auslastung auf bescheidenem Niveau dahindümpelt, internationale Gäste fehlen und die Sicherheitsmaßnahmen greifen, sagt Reitterer, die gleichzeitig, die Menschenansammlungen bei Corona-Demos kritisiert.

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam