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Warum wir trotz niedriger Gaspreise so viel zahlen

25. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Preis für europäisches Erdgas hat am Dienstag die Talfahrt der vergangenen Handelstage fortgesetzt und ist weiter unter die Marke von 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gefallen. Für Endverbraucher sinken die Preise dennoch nicht. Warum eigentlich?

Seit Ende der vergangenen Woche geht es mit dem Gaspreis weiter nach unten. In der Früh rutschte der Preis des Terminkontrakts TTF für niederländisches Erdgas um etwa vier Prozent auf 94,59 Euro je Megawattstunde. Der TTF-Kontrakt (Title Transfer Facility) gilt als Richtschnur für das europäische Preisniveau.

Ende August hatte ein Lieferstopp von Erdgas aus Russland einen rasanten Höhenflug ausgelöst. Doch seit Beginn des Monats ist der Preis für europäisches Gas um knapp 50 Prozent gefallen. Der Preis für europäisches Erdgas ist zwar im internationalen Vergleich immer noch relativ hoch - doch für die Märkte sind die Preisfälle ein starkes Zeichen. Bis das bei Konsument:innen ankommt, kann es allerdings noch dauern. 

Kurzfristige Produkte betroffen

So erklärt etwa Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energieagentur auf Twitter, dass der sinkende Preis vor allem "kurzfristige Produkte" betreffe - darunter fallen etwa Lieferungen, die morgen getätigt werden müssen. Langfristige Verträge (wie etwa sogenannte Futures) sind davon noch nicht betroffen.

Die Preise sinken, weil die Temperaturen für die Jahreszeit milde - daher der Gasverbrauch niedrig - und die Speicher voll sind. Der "Preisverfall" könnte noch andauern, wenn das Wetter mitspielt.

Europäische Länder haben große Mengen an Flüssiggas bestellt, nachdem die Europäische Kommission im Juni die Staaten dazu aufgefordert hatte, Reserven anzulegen. Nun ist aber kein Speicherplatz mehr verfügbar, Tankschiffe müssen derzeit - etwa vor der Küste Spaniens - auf das Entladen warten. Auch das könnte dazu beitragen, dass der Gaspreis weiter sinkt.

Bürger spüren es mit Verzögerung

Ähnlich argumentierte der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): Der starke Rückgang der Großhandelspreise für Gas werde erst mit einiger Verzögerung bei Bürgern und Unternehmen ankommen. "Das ist für die Verbraucher erst eine mittelfristig gute Nachricht, weil die hohen Preise aus dem letzten Jahr im nächsten Jahr noch anfallen werden", sagte Habeck am Dienstag am Rande eines Treffens der EU-Energieministerinnen und -minister in Luxemburg.

Für die Märkte seien die fallenden Gaspreise allerdings ein starkes Zeichen. Man habe zuletzt einen regelrechten Preissturz erlebt, so Habeck. Als Gründe für die positiven Entwicklungen an den Gasmärkten nannte Habeck unter anderem die gefüllten Speicher und die klaren Signale aus der Politik, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Alleine die Ankündigung, dass man etwas machen werde, habe dazu geführt, dass die Preise runtergingen, erklärte er.

Bei dem Treffen in Luxemburg wurde am Dienstag erstmals auf Ministerebene über die jüngsten Vorschläge der EU-Kommission zur Senkung der hohen Gaspreise beraten. Konkret geht es darum, dass zumindest ein Teil der Gasnachfrage in der EU gebündelt werden soll, um bessere Preise auszuhandeln und das Risiko zu verringern, dass sich die Mitgliedstaaten auf dem Weltmarkt gegenseitig überbieten. Zudem liegt die Idee auf dem Tisch, einen Korrekturmechanismus zu schaffen, der extreme Preisspitzen im Gashandel verhindern könnte.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten hatten Ende vergangener Woche bei einem Gipfeltreffen in Brüssel ihre grundsätzliche Zustimmung zu diesen Maßnahmen signalisiert. Die Details müssen nun aber auf Expertenebene diskutiert und dann vom Ministerrat beschlossen werden. 

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Quelle: Redaktion / koa