APA/TOBIAS STEINMAURER

Vorarlberger Kraftwerksbauer Bertsch pleite

12. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Der Bludenzer Kraftwerksbauer Bertsch Energy GmbH & Co KG ist offenbar mit mehr als 100 Mio. Euro überschuldet.

Das Unternehmen habe am Landesgericht Feldkirch den Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens eingebracht, informierte am Montag der Österreichische Verband Creditreform. Aktiva in der Höhe von rund 26,5 Mio. Euro stehen Passiva von 138,3 Mio. Euro gegenüber. Von einer Betriebsschließung sei auszugehen, hieß es. 465 Gläubiger und 156 Angestellte sind betroffen.

Finanzielle Schieflage wegen Corona, Teuerungen und Verzögerungen

Der Eigenantrag auf Sanierung am Landesgericht Feldkirch sei eingebracht, das Verfahren aber noch nicht eröffnet worden, berichtete der Alpenländische Kreditorenverband (AKV). Noch unterliege der Antrag der Überprüfung durch das Gericht. Von den 26,5 Mio. Euro an Aktiva seien 23,4 Mio. mit Pfandrechten belastet, so der AKV. Das Vermögen setze sich etwa aus Unternehmensforderungen, Rohstoffen sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung zusammen.

Die finanzielle Schieflage hat laut Bertsch Energy-Geschäftsführer Thomas Smetana mehrere Ursachen. Smetana leitet das Unternehmen seit 2020 als Sanierer. Wie er bereits zu Monatsbeginn sagte, hätten sich in der Corona-Pandemie Aufträge verzögert oder seien ausgefallen. Zudem sei die Abwicklung von vier Großprojekten im Ausland erschwert gewesen, dazu kamen Teuerung und Lieferschwierigkeiten.

Verhandlung mit süddeutschen Investor gescheitert

Gespräche mit einem süddeutschen Investor als Partner seien in letzter Minute an Uneinigkeit über die Risikoverteilung zwischen Banken und Investor gescheitert, so Smetana. Man habe in den vergangenen beiden Jahren bei der Sanierung Fortschritte gemacht, etwa Altprojekte abgeschlossen und neue Aufträge lukriert. Die Verbindlichkeiten bei Banken seien deutlich reduziert worden. Der Turn-around im operativen Geschäft sei geschafft, man erwarte 2022 ein Betriebsergebnis von rund 12 Mio. Euro, hatte sich Smetana noch optimistisch gegeben. Die Auftragsbücher seien voll.

Das Unternehmen verfüge derzeit nicht über ausreichend freie Liquidität, so hingegen der Österreichische Verband Creditreform und der AKV. Eine Fortführung des Unternehmens scheine nicht möglich, man gehe von einer Betriebsschließung aus. Laut AKV, der sich auf Smetana bezog, soll bereits an einer Auffanggesellschaft gearbeitet werden. Mit dieser wolle man die Belegschaft übernehmen, zudem soll die Abwicklung von drei Projekten erfolgen. Die weiteren Unternehmen der Bertsch Gruppe, Bertsch Foodtec und Bertsch-Laska, sind von der Insolvenz der Bertsch Energy nicht betroffen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz