USA in der Rezession, Zahl der Arbeitslosen steigt

28. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Die US-Wirtschaft ist im Frühling geschrumpft. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent zurück. Auch der Arbeitsmarkt entwickelt sich nur schwach. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind höher als erwartet.

Die US-Wirtschaft ist im Frühling geschrumpft. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Experten hatten hingegen mit einem Wachstum um 0,5 Prozent gerechnet.

Wirtschaftsleistung zurückgegangen

Bereits im ersten Jahresviertel war das Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Prozent gesunken. Die Wirtschaft ist damit in eine sogenannte technische Rezession abgerutscht. Davon sprechen Experten, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft. US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo darauf verzichtet wird.

Inflationsraten und Zinserhöhungen drücken Konsum

"Zwar dürfte das Wachstum der US-Wirtschaft im aktuellen und dem Jahresschlussquartal wieder etwas zulegen", sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW. "Besonders die weiterhin hohen Inflationsraten und die anhaltenden Zinserhöhungen der US-Notenbank drücken jedoch zunehmend auf den Konsum."

Volkswirt Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank wies darauf hin, dass besonders die Beschäftigungsentwicklung überhaupt nicht zu einer Rezession passe. "Doch der Konjunkturabschwung ist unterwegs: Hohe Inflationsraten, steigende Leitzinsen und deutlich schlechtere Finanzierungsbedingungen belasten." Das verderbe die Konsumlaune und Unternehmen kürzten ihre Investitions- und Einstellungspläne. "Die Aussichten sind alles andere als rosig."

Stimmung in der Wirtschaft lässt nach

Zwar zeigte sich der Arbeitsmarkt in den USA zuletzt weiter stark. Das Job-Wachstum lag im Schnitt in der ersten Jahreshälfte pro Monat bei 456.700 Stellen. Doch die Gefahr eines Abschwungs ist größer geworden. Im Hausbau und bei Hausverkäufen sind bereits Anzeichen von Schwäche zu erkennen. Zudem gingen die Bauinvestitionen deutlich zurück, dazu kommt ein starker Lagerabbau. Außerdem hat sich in den vergangenen Monaten das Verbrauchervertrauen abgeschwächt und auch die Stimmung in der Wirtschaft hat bereits nachgelassen.

Zahl der Arbeitslosenhilfe höher als erwartet

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel zwar um 5.000 auf 256.000, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt allerdings nur mit 250.000 Anträgen gerechnet. Zudem wurde der Vorwochenwert von 251.000 auf 261.000 nach oben revidiert.

Anträge Indikator für Jobentwicklung

Die Erstanträge sind ein kurzfristiger Indikator für die Entwicklung des Jobmarkts in der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Lage auf dem Stellenmarkt gilt aber als vergleichsweise robust, worauf auch das seit längerer Zeit niedrige Niveau der Hilfsanträge hindeutet. Die US-Notenbank Fed orientiert sich bei ihrer Geldpolitik auch an der Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Hohe Inflationsrate - Leitzinssatz angehoben

Die Inflation ist inzwischen auf 9,1 Prozent nach oben geschossen, was der höchste Wert seit Ende 1981 ist. Die gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und Wohnen drücken auf die Geldbörsen vieler US-Bürger und schmälern ihre Kaufkraft. Wegen der anhaltend hohen Inflation hob die US-Notenbank Fed deshalb am Mittwoch den Leitzins in einem erneut kräftigen Schritt um 0,75 Prozentpunkte auf nunmehr 2,25 bis 2,50 Prozent an. Manche Experten befürchten mittlerweile, dass die Fed mit ihren Jumbo-Schritten zu stark auf die Zinsbremse treten und damit die Konjunktur abwürgen könnte.

US-Notenbank bleibt ruhig

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, geht davon aus, dass sich die US-Notenbank nicht aus der Ruhe bringen lassen wird. Die US-Notenbank habe keinen Zweifel daran gelassen, dass trotz bestehender wirtschaftlicher Risiken am Zinsanhebungskurs festgehalten werde. "Die Fed wird im laufenden Jahr den Leitzins - trotz des zweimaligen BIP-Rückgangs - deshalb weiter spürbar anheben", schätzt Gitzel. Aufgrund des Rückgangs der Bauinvestitionen sei aber eine neuerliche Zinsanhebung um 75 Basispunkte im September wohl vom Tisch.

Zinsniveau von 3 - 3,5 Prozent bis Jahresende

US-Notenbankchef Jerome Powell räumte zwar am Mittwoch ein, dass es nicht leicht sein werde, eine weiche Landung der Wirtschaft zu erreichen. "Doch ich glaube nicht, dass sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet", hatte er hinzugefügt. Von einer Konjunkturschwäche auf breiter Basis könne nicht die Rede sein. Powell bekräftigte, dass ein Zinsniveau von drei bis 3,5 Prozent zum Jahresende ein anzustrebendes Niveau der Geldpolitik sei, bei dem die Konjunktur bereits leicht gebremst werde. Für danach signalisierte die Fed eine langsamere Gangart.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz