APA/BARBARA GINDL

Stromrechnung: So stark steigen die Netzgebühren 2023

29. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die behördlich verordneten Netzgebühren dürften 2023 deutlich steigen. In der Strompreisbremse sind diese aber nicht inbegriffen. Daran mehrt sich nun Kritik.

Mit 1. Dezember tritt die Strompreisbremse in Kraft. Der durchschnittliche Stromverbrauch für einen Haushalt (3.500 kWh) wird preislich zu 80 Prozent gedeckelt. Das bedeutet, dass für 2.900 kWh dieser 3.500 kWh nur zehn Cent netto pro kWh verrechnet werden. Der Zuschuss beträgt maximal 30 Cent je kWh. Für den Stromverbrauch, der darüber hinausreicht, gelten die Marktpreise.

Netzgebühren von Strompreisbremse nicht umfasst

Die Stromrechnung setzt sich jedoch neben den Kosten für die reine Energie, Steuern und Abgaben auch aus den Netzgebühren zusammen. Sie werden von der Regulierungsbehörde E-Control im Rahmen der Systemnutzungsentgelte-Verordnung festgesetzt. Den Netzbetreiber können Kund:innen nicht wechseln. Die Netzgebühren sind von der Strompreisbremse ebenfalls nicht umfasst. Daran mehrt sich nun Kritik, denn die Netzgebühren werden ab 1. Jänner 2023 deutlich steigen.

Verwerfungen an Energiemärkten

Bundesweit droht ein Anstieg der Nutzkosten von 36 Prozent bzw. 100 Euro jährlich bei einem Durchschnittsverbrauch von 3500 kWh. Für den Anstieg ist vor allem das Netzverlustentgelt verantwortlich. Das Netzverlustentgelt deckt jene Kosten ab, die dem Netzbetreiber für die Beschaffung von Energiemengen im Falle von Netzverlusten entstehen. Darüber berichtete zuerst die "Kleine Zeitung".

Begründet werden die Erhöhungen mit den Verwerfungen an den Energiemärkten: "Insbesondere das Netzverlustentgelt ist hiervon unmittelbar betroffen, da (...) die Netzbetreiber für die Beschaffung der Transportverluste verantwortlich sind und Energiepreissteigerungen sich hier in gleichem Maße durchschlagen." Bei einer Normalisierung der Energiepreise werde es jedoch wieder zu einer Absenkung der Netzverlustentgelte kommen.

Saftiges Plus

Lag das Netzverlustentgelt in Wien 2022 noch bei 0,46 Cent pro kWh sollen es nächstes Jahr 2,91 Cent sein - ein Anstieg von 528 Prozent. Umgerechnet auf die Jahresstromrechnung ergeben sich bei einem Durchschnittsverbrauch Mehrkosten von 85,75 Euro. In Niederösterreich und dem Burgenland steigt das Netzverlustengelt um 620,1 Prozent (67,2 Euro) bzw. 593 Prozent (73,86 Euro).

NetzverlustentgeltScreenshot/E-Control

Entwurf zur Systemnutzungsentgelte-Verordnung

Grund für das regionale Variieren der Netzgebühren generell sind geografische, geologische und topografische Merkmale, aber auch die Leitungslänge. Im Bundesländervergleich liegen die Netzgebühren in Kärnten und der Steiermark am höchsten.

Kaiser: "Nicht zumutbar"

Zuletzt hat sich Kritik an den geplanten Erhöhungen der Netzgebühren geregt. Am Samstag hat Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) in einer Aussendung an die Bundesregierung appelliert, dass "nicht die einzelne Konsumentin und der einzelne Konsument, sondern der Bund die Mehrkosten übernehmen soll".

Er wolle das Problem auch bei der anstehenden Landeshauptleutekonferenz am kommenden Freitag in Wien thematisieren. "Die Mehrkosten für einen sicheren Netzbetrieb können nicht einfach auf die österreichischen Haushalte überwälzt werden. Das ist den Menschen in der aktuellen Situation nicht zumutbar", so Kaiser, der auch einmal mehr einen einheitlichen Netztarif für ganz Österreich forderte.

Ministerium: E-Control zuständig

Das Klimaministerium spielt den Ball an die E-Control zurück: Diese habe gesetzlich die Möglichkeit, diese Kosten zwischen Erzeugern und Endkund:innen aufzuteilen. "Wir sind überzeugt, dass in der aktuellen Situation Energieunternehmen, die hohe Profite machen, einen gerechten Beitrag leisten können und sollen."

Anfang November warnte auch die Arbeiterkammer (AK) vor dem aus ihrer Sicht "vermeidbaren Anstieg der Stromkosten". Die AK fordert statt der jährlichen Verordnungsnovelle ein Gesetz, mit dem der Anstieg der Netzkosten verhindert werden soll.

Die Wirtschaftskammer (WKO) meinte zum Verordnungsentwurf, dass eine Kostensteigerung in derartigem Ausmaß für Unternehmen und Netzkunden eine enorme Belastung darstelle, "die nicht mehr an deren Kunden weitergegeben werden kann". Jede Erhöhung der Energiekosten würde die angespannte Lage weiter verschärfen.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp