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Schengen-Veto: Boykott-Aufrufe gegen Austro-Firmen in Rumänien

08. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

In Rumänien sorgt die Blockade des Schengen-Beitritts des Landes durch Österreich für große Verärgerung. Sogar Boykott-Aufrufe kursieren, Entschädigungszahlungen werden gefordert.

Österreich solle Entschädigungszahlungen in der Höhe der Verluste der rumänischen Wirtschaft von 200 Millionen Euro pro Monat leisten, forderte der Präsident der Vereinigung für saubere Energie und die Bekämpfung des Klimawandels Razvan Nicolescu laut Agerpres am Donnerstag auf einer Pressekonferenz von Klein- und Mittelbetrieben in Bukarest.

"Es ist auch eine Frage des Respekts"

Er habe den Eindruck, dass zwei führende Politiker aus Österreich, der Bundeskanzler und der Innenminister, versuchen würden, alle Werte und Prinzipien der Europäischen Union seit ihrer Gründung als Geiseln zu nehmen und nichts mehr zu respektieren, weil sie es so wollen, kritisierte der frühere Energieminister. "Es ist auch eine Frage des Respekts für 30 Millionen rumänische und bulgarische Bürger. Aber es ist eine wirtschaftliche Angelegenheit, und wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, müssen wir zu all unseren Grenzübergängen im Westen gehen und sehen, wie die Lastwagen tagelang Schlange stehen, um die Grenzkontrollpunkte zu passieren", sagte Nicolescu.

Jeder Monat Verzögerung des Schengen-Beitritts seines Landes würde nach einer von einer Beratungsfirma durchgeführten Analyse einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um mindestens 200 Millionen Euro bedeutet, so der Ex-Minister. "Wenn die Österreicher ihr politisches Ego in Bezug auf die Wahlen im Jänner, die Regionalwahlen, auf die Europäische Union ausüben wollen, wenn sie die Werte der Europäischen Union in dem Sinne nutzen wollen, dass sie sie nicht respektieren, dann sollten sie endlich dieses Geld geben", forderte Nicolescu. Die Verluste würden auch viele Unternehmen mit gemischtem rumänisch-österreichischem Kapital und sogar österreichische Unternehmen, die in Rumänien Geschäfte machen, treffen.

Der Präsident des Nationalen Rats der Klein- und Mittelbetriebe Florin Jianu bezifferte die zusätzlichen Kosten im Falle eines verweigerten Schengen-Beitritts auf mindestens 200 Euro pro Transport.

Boykott-Aufrufe

Parallel dazu gab es bereits Boykottaufrufe gegen österreichische Unternehmen, die in Rumänien tätig sind. "Seid so lieb und schickt diese Firmen zurück zu ihren Müttern in den Schengenraum. Indem ihr nicht mehr bei ihnen einkauft!", schrieb der Chef der Avangard Media Agency, Alex Badea, auf Twitter. Dazu postete er ein Bild mit den Logos von 16 österreichischen Unternehmen, darunter Billa, Erste Group, Raiffeisen, Baumit, Hervis, Julius Meinl, Uniqa, Pfanner, Strabag, XXXLutz, Vienna Insurance Group, Swarovski und Red Bull.

Zuvor hatte bereits der rumänische Innenminister Lucian Bode "Respekt" für sein Land eingefordert. Der Europaabgeordneten Eugen Tomac hatte nach der Sitzung der Europäischen Volkspartei (EVP) am Mittwoch in Wien kritisiert, Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) habe "hartnäckig auf einigen lächerlichen Argumenten" beharrt.

Sympathien werden zerstört

"Ich habe ihm heute direkt gesagt, dass er kurz davor ist, all die Sympathien zu zerstören, die die Rumänen im Laufe der Zeit in den Beziehungen zu Österreich aufgebaut haben, einem Land, das wir mit großem Vertrauen betrachtet haben. Früher oder später wird Rumänien dem Schengen-Raum beitreten, aber diese unverdiente Ohrfeige wird von den mehr als 20 Millionen rumänischen Bürgern nicht so schnell vergessen werden", so Tomac laut Agerpres auf Facebook.

Quelle: Agenturen / koa