Saurugg: Gas-Frühwarnstufe "möglicherweise zu spät"

30. März 2022 · Lesedauer 3 min

Im Newsroom LIVE analysiert Herbert Saurugg, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge, warum Österreich so abhängig von Gas aus Russland ist. Eine Neuaufstellung der Gasversorgung würde "Jahre bis Jahrzehnte" dauern.

Die am Mittwoch durch die Bundesregierung getätigte Ausrufung der ersten Gas-Frühwarnstufe findet Herbert Saurugg "sehr angemessen". Der Experte für Krisenvorsorge gibt allerdings zu bedenken, dass diese Ankündigung "möglicherweise schon zu spät" sei, sollte es zu Versorgungsunterbrechungen kommen.

Saurugg erklärt, dass diese Frühwarnstufe bedeute, dass sich "Unternehmen und auch wir als Gesellschaft darauf einstellen" sollen, dass es "möglicherweise" zu Einschränkungen kommen wird – diese Information ist für Unternehmen wichtig, damit sie so rechtzeitig "nicht notwendige Prozesse" herunterfahren können. So will man mit dem vorhandenen Gasvorrat über die nächsten Wochen kommen, analysiert der Experte.

Abhängigkeit wegen falscher "Wahrnehmung"

Der Präsident der österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge plädiert dafür, dass "wir alle, wo es irgendwie geht, den Bedarf senken", damit es nicht notwendig wird "großflächige Abschaltungen durchzuführen. Für Saurugg wäre dies "das Schlimmste", was der Infrastruktur und den Unternehmen passieren könnte.

Die generelle Abhängigkeit Österreichs von Gas aus Russland lässt sich für den Experten auch dadurch erklären, dass es eine "Wahrnehmung" gegeben hat, dass es keine Krisen mehr gäbe. So hat man sich auf die bestehenden "wirtschaftlichen Verflechtungen" verlassen und geglaubt "dass diese ausreichen". Zusätzlich wurde in der Vergangenheit auch die Gasspeicherung privatisiert und keinerlei Vorgaben geschaffen, dass ein "Mindestmaß immer verfügbar sein muss" – wie es zum Beispiel bei Erdöl der Fall ist.

Schwierige Ausgangslage

Wie lange man in Österreich mit den vorhandenen Gasrücklagen auskommen wird, kann auch Saurugg nicht abschätzen. So habe Österreich zwar prozentual weniger Gas eingelagert als beispielsweise Deutschland, allerdings gibt es in Österreich vergleichsweise größere Reserven. Zusätzlich lässt sich nicht abschätzen, ob man wirklich den Gasverbrach reduzieren kann, beziehungsweise ob man anderweitig neue Gasmengen erhalten wird.

Eine Neuaufstellung der Gasversorgung Österreichs würde laut Saurugg "Jahre bis Jahrzehnte" dauern. Es gibt diesbezüglich keinerlei Infrastruktur – da Österreich auch keinen Meereszugang besitzt, ist man auch auf "Transitländer" angewiesen. Die möglichen künftigen Lieferstaaten sehen momentan auch keine Möglichkeiten, kurzfristig ihre Kapazitäten "hochzufahren", so Saurugg.

Blackout-Gefahr

Durch einen möglichen schnelleren Ausstieg aufgrund der aktuellen Situation, steigt für den Krisenvorsorge-Experten auch die Gefahr eines möglichen Blackouts. Gaskraftwerke werden häufig für den Ausgleich von Schwankungen im europäischen Stromnetz verwendet. Saurugg fordert hier von der Politik, dass man lieber jetzt als später Vorsorgen trifft – anders als in der Gasversorgung.

Die ganze Sendung sehen Sie um 22.20 Uhr auf PULs 24 oder im Livestream.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj