ÖGB-Präsident Katzian: "Wir wollen nach wie vor eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes"

29. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian spricht im Interview mit PULS 24 Anchor Fabian Kissler über das Kurzarbeitsmodell und eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes.

"Von der wirtschaftlichen Entwicklung erwarten wir noch dramatische Einbrüche in der Industrie", sagt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian im Interview mit PULS 24 Anchor Fabian Kissler. Um das abzufedern, habe man heute das neue Kurzarbeitsmodell beschlossen. In sechs Monaten müsste man sich erneut ansehen, wie sich die Rahmenbedingungen verändert haben und welche Branchen die Kurzarbeit noch bräuchten.

Das heute beschlossene adaptierte Corona-Kurzarbeitsmodell gilt von 1.Oktober bis Ende März 2021. Die Mindestarbeitszeit wurde erhöht, die Höchstarbeitszeit reduziert und die Einkommens-Nettoersatzrate bleibt gleich.

Erhöhung des Arbeitslosengeldes

Die Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes bleibe deshalb nach wie vor aufrecht. Mit einer Einmalzahlung für Arbeitslose und dem Bonus für Familien ist es laut Katzian nicht getan. "Die Leute sind bedroht, in die Armut abzugleiten, obwohl sie nichts dafür können und keine Chance haben einen Job zu finden", sagt der Gewerkschafter.

Zum Vorschlag von Werner Kogler, das Arbeitslosengeld degressiv zu staffeln, sagt Katzian: "Das ist definitiv nicht akzeptabel". Das Arbeitslosengeld könne nur abgesenkt werden, wenn die Menschen eine Chance hätten einen Job zu finden. Das sei bei 430.000 Arbeitslosen und 60.000 offene Stellen nicht möglich.

Frauen besonders betroffen

Frauen sind von der Coronakrise besonders betroffen. Sie sind häufiger arbeitslos und die Rückkehr in ein Arbeitsverhältnis dauert länger als bei Männern. Die Gewerkschaft fordert deshalb "gute Rahmenbedingungen", wenn vermehrt Cluster auftreten und eventuell Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen werden. "Es braucht gute Regelungen für die Kinderbetreuung im Herbst", sagt Katzian. 

Der ÖGB-Chef spricht sich außerdem für eine Vier-Tage-Woche aus. Dieses Modell habe einen hohen Rückhalt in der Bevölkerung und bei Unternehmen. 

Arbeitsministerin Aschbacher zum Kurzarbeitsmodell

Quelle: Redaktion / spe