APA - Austria Presse Agentur

Novomatic und Sazka wollten sich Casinos und Lotterien aufteilen

10. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Laut einem Medienbericht gab es Pläne, denen zufolge die Novomatic Mehrheitseigentümer der Casinos Austria International geworden und die tschechische Sazka Group die Mehrheit an den Lotterien erlangt hätte.

Die tschechische Sazka hält mit gut 55 Prozent die Mehrheit an den Casinos Austria, die Republik ein knappes Drittel. Der zweite große heimische Glücksspielkonzern, Novomatic, hat nach viel politischem Hickhack seine Anteile an die Sazka verkauft und ist ausgestiegen. Aber ursprünglich hatten Novomatic und Sazka ganz andere Pläne. Das berichtet der "Standard" am Montag unter Berufung aus Unterlagen aus dem Ermittlungsakt zur Causa Casinos hervor.

Anfang 2018 hielt die Sazka-Gruppe rund 34 Prozent an den Casinos Austria, Novomatic 17 Prozent und die Republik Österreich über die Staatsholding ÖBIB 33 Prozent. Die Sazka-Gruppe war vor allem an der Casinos-Tochter Lotterien interessiert, die öffentliche Diskussion war gegen einen Verkauf der Casinos an einen ausländischen Investor. Um den damaligen Finanzminister Hartwig Löger an eine österreichische Lösung glauben zu lassen, hätte es einen schrittweisen Umbau geben sollen. Demnach hätte Sazka zuerst ihren Anteil an der Casinos-Tochter mit den ausländischen Casinos (CAI) an Novomatic verkaufen sollen "heißt es in Schriftstücken, und dass man dem Minister die weiteren Schritte noch nicht offenbaren wolle", schreibt der "Standard".

Novomatic hätte Mehrheit an Casinos bekommen sollen

Diese weiteren Schritte hätten aber laut damaligen Plänen der beiden Unternehmen dazu geführt, dass Novomatic rund 60 Prozent und die Republik rund 33 Prozent an den Casinos Austria besitzen, was als "österreichische Lösung" gelten sollte. Im Gegenzug hätte Sazka rund 60 Prozent der Lotterien erhalten, mit einem Staatsanteil von etwa 34 Prozent. Damit hätte Sazka die Kontrolle über die Lotterien erhalten, während es für Casinos Austria eine österreichische Lösung gegeben hätte. Letztlich verbot die Wettbewerbsbehörde aber Novomatic, eine Mehrheit an den Casinos Austria zu erwerben und Sazka und Novomatic zerstritten sich.

Große Pläne in Italien

In Italien hatte Novomatic laut Vorstandsprotokoll vom 6. Juli 2017 "ein Joint Venture mit Familie Coppola zur Entwicklung mehrerer großer Spielhallen mit hohem Entertainment-Fokus" geplant, schreibt der "Standard". Es werde aber in Abrede gestellt, dass damit die Familie des US-Regisseurs Francis Ford Coppola ("Der Pate") gemeint war. Man habe im Bereich Sportwetten Kooperationen geplant, daraus sei dann aber nichts geworden, so ein Novomatic-Sprecher zur Zeitung.

Dafür habe das Unternehmen einen Steuerstreit mit den italienischen Behörden, wegen dem auch beim österreichischen Finanzministerium um Hilfe nachgefragt wurde, Ende 2017 lösen können. Am 30. November sei der Vorstand informiert worden, dass mit der Steuerbehörde in Rimini "eine Einigung erzielbar" sei: rund 19 Millionen Euro Nachzahlung für die Jahre 2012 bis 2016. Da das Nachzahlungsrisiko bei Nichteinigung mit der Finanz bei bis zu 72 Millionen Euro gelegen sei, habe die Novomatic-Führung beschlossen, dem Vergleich zuzustimmen.

Wegen dem Steuerthema wandte sich Ex-Novomatic-Chef Harald Neumann damals an Finanzminister Gernot Blümel. Neumann schrieb unter anderem an den damaligen ÖVP-Wien-Chef: "Bräuchte kurzen Termin bei Kurz. 1) wegen Spende 2) wegen des Problems, das wir in Italien haben".

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb