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Nord Stream: Wie es zu den Pipelines kam

11. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Durch Unterwasser-Leitungen bringt Nord Stream russisches Gas nach Westeuropa. Um die Kapazität zu verdoppeln, sollte die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 erweitert werden. Ein Überblick von den Anfängen bis zum Stopp von Nord Stream 2.

1997: In ersten Machbarkeitsstudien wird untersucht, wo genau die Pipeline in der Ostsee verlaufen könnte.

September 2005: In Anwesenheit des damaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) und Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnet ein Konsortium großer Energiekonzerne eine Vereinbarung zum Bau von Unterwasser-Leitungen durch die Ostsee. Polen, die Ukraine und Weißrussland sehen in den Plänen eine Konkurrenz zu ihren Landleitungen und fürchten um Einnahmen aus Transitgebühren.

März 2006: Schröder, der die Pipeline als Regierungschef maßgeblich vorangetrieben hatte, wird nur wenige Monate nach Ende seiner Kanzlerschaft Aufsichtsratsvorsitzender bei der Betreiber-Firma Nord Stream AG. Dafür wird er massiv kritisiert.

Baubeginn

April 2010: Der Bau des ersten von zwei Pipelinesträngen auf einer Länge von 1.224 Kilometern beginnt. Er besteht aus 100 000 Einzelrohren, die mit Hilfe mehrerer Schiffe in der Ostsee verlegt werden.

November 2011: Erstes Gas strömt vom russischen Wyborg bis ins deutsche Lubmin bei Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern). Die damalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands damaliger Präsident Dmitri Medwedew nehmen die Trasse symbolisch in Betrieb. Umweltverbände warnen vor nicht absehbaren Folgen für Flora und Fauna in der Ostsee.

Oktober 2012: Der zweite Strang von Nord Stream 1 geht an den Start. Das insgesamt 7,4 Milliarden Euro teure Projekt kann fortan eine Menge von 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren.

Vertrag für Nord Stream 2 wird unterzeichnet

September 2015: Der Gesellschaftervertrag für das Projekt Nord Stream 2 wird unterzeichnet. Einziger Anteilseigner ist formal Russlands Energiekonzern Gazprom. Dazu kommen mehrere "Unterstützer" - aus Österreich ist die OMV an der Finanzierung des Pipelineprojekts beteiligt. Gemeinsam mit Wintershall Dea, Uniper, Royal Dutch Shell und Engie trug der österreichische Konzern die Hälfte der Gesamtkosten. Die andere Hälfte finanziert der russische Staatskonzern und Eigner der Pipeline, Gazprom.

März 2018: Der Bau der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 beginnt. Die Gasleitung soll weitgehend parallel zu Nord Stream 1 verlaufen und noch einmal soviel Gas transportieren können. In zwei Strängen sollen wieder jeweils 100.000 Einzelrohre verlegt werden.

Baustopp wegen Sanktionsdrohungen

Dezember 2019: Die Bauarbeiten stoppen abrupt. Die beiden Schweizer Verlegeschiffe werden wegen Sanktionsdrohungen der USA abgezogen. Die USA argumentieren, dass sich Deutschland mit der Pipeline in Abhängigkeit von Moskau begeben würde. Russland wirft den USA vor, sie würden eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen und ihr Flüssiggas verkaufen wollen. Russische Schiffe übernehmen die Arbeiten.

September 2021: Nord Stream 2 ist nach Angaben von Gazprom fertiggestellt, aber noch nicht in Betrieb. Die Baukosten belaufen sich auf über 10 Mrd. Euro.

Nord Stream 2 wird auf Eis gelegt

Februar 2022: Angesichts eines drohenden Kriegs in der Ukraine legt die deutsche Bundesregierung Nord Stream 2 auf Eis. Offizieller Grund ist, dass die Freigabe durch die zuständigen Behörden fehlt, also die Pipeline nicht zertifiziert ist. Kurz danach beginnt Russland seinen Angriff.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp